Nachbarschaftshilfe in Flecktarn

Bundeswehr unterstützt mit Corona-Zelt vorm Burggener Roatherhaus

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Das Bundeswehrzelt aus Altenstadt wird auf dem Roatherhaus-Parkplatz aufgestellt.

Burggen – Es dauert nur knapp über eine Stunde, dann haben die Soldaten der Bundeswehr aus Altenstadt das Zelt auf dem Parkplatz des Roatherhauses in Burggen aufgebaut. Es soll Personen, die sich auf eine Corona-Infektion testen lassen, Schutz vor dem derzeit eiskalten Wetter bieten.

Es ist ein ungewohnter Anblick am Dienstagnachmittag vor dem Roatherhaus: Ein Lkw der Bundeswehr fährt vor, gefolgt von einem Bus mit Soldaten. Auf sie hat Bürgermeister Josef Schuster nach einem Telefonanruf aus der Kaserne Altenstadt gewartet. Wintermantel und Wollmütze schützen das Gemeindeoberhaupt gegen den bitterkalten Wind, der ums Gebäude pfeift. Oberfeldwebel Ralf Nießen, Einsatzleiter der achtköpfigen Truppe, nimmt Kontakt auf. Zwei, drei kurze Sätze werden gewechselt, dann ist die Lage geklärt.

Eine Besucherin des Dorfladens wundert sich über die Männer in Flecktarn. Der Bürgermeister muss Auskunft geben. Natürlich auf Distanz, wie in der Sonderausgabe des Burggener Mitteilungsblatts gefordert: Im Roatherhaus befindet sich die Praxis von Dr. Stefan Schnack. Falls jemand Befürchtungen hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben und ein Test durchgeführt werden soll, wird dieser Patient nicht ins Gebäudeinnere vorgeladen. Er meldet sich telefonisch an und wartet auf dem Parkplatz. Der Arzt kommt dann nach nochmaliger telefonischer Rücksprache, in der der Patient Farbe und Typ seines Autos nennt, nach draußen. Natürlich jedes Mal mit Schutzbekleidung und Maske. Bei diesen niedrigen Temperaturen nicht gerade angenehm.

Dieses Verfahren ist einem ehemaligen Soldaten aus Altenstadt zu Ohren gekommen, der die Idee hatte, ein Zelt der Bundeswehr organisieren zu lassen. Der Bürgermeister war von der Idee angetan, aber der offizielle Dienstweg hätte tagelang gedauert – zu lange für Schusters Geschmack.

Ein Telefonanruf beim Kommandeur des Feldwebel- und Unteroffizieranwärter Bataillons Oberstleutnant Robert Badstübner, drei Stunden Wartezeit und dann grünes Licht. Die Truppe rollt an. Der Lkw beladen mit einem Einheitszelt Typ II von etwa 40 Quadratmetern.

Das Startkommando zum Aufbau gibt Oberfeldwebel Nießen. Die acht Mann sind ein perfekt eingespieltes Team. Das Gestänge wird grob ausgelegt, zusammengesteckt, der Boden aufgelegt, die Planen eingezogen. Nur das Klappern der Metallteile ist zu hören.

Still und leise haben sich zwei weitere Personen dazugesellt, die den Aufbau verfolgen: Dr. Stefan Schnack und Kompaniefeldwebel Ralf Mößner. Zufriedene Gesichter von beiden. Vom Arzt, weil er schon ab dem nächsten Morgen das Zelt als ausgelagerte Praxis benutzen kann. Vom „Spieß“, weil er sich wieder mal auf seine Männer verlassen konnte. Nachbarschaftshilfe bestens geglückt.

hh

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