CSU-Neujahrsgespräch mit Dobrindt und Ippen

Von Zeitungskrise bis Pkw-Maut

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Gut gelaunter Gastgeber: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (li.) im Gespräch mit dem Münchner Zeitungsverleger Dirk Ippen.

Schongau – Ein zweistündiges Gespräch als Zuhörer zu verfolgen kann ganz schön ermüdend sein. Nicht so am Sonntag im Ballenhaus. Das lag vor allem an den beiden Protagonisten. Verkehrsminister Alexander Dobrindt und der Münchner Zeitungsverleger Dirk Ippen boten im CSU-Neujahrsgespräch interessante Einblicke in die Politik- und Medienwelt – launige Anekdoten inklusive.

Alexander Dobrindt hatte sich gut vorbereitet und so war die Frage, die er Dirk Ippen gegen Ende des Gesprächs stellte, eigentlich gar keine. Ob es denn stimme, dass dieser als Kind Tabakpflanzen angebaut und im Elternhaus im Speicher getrocknet habe, um sie für ein wenig Geld zu verkaufen, spielte er seinem Gegenüber unter dem Lachen des Publikums den Ball zu. 

Ippen bestätigte die kleine Episode aus seinem Leben gern, auch wenn das Geschäftsmodell wenig erfolgreich gewesen sei, wie er schmunzelnd einräumte: „Die Pflanzen wuchsen einfach nicht bei uns.“ 

Es war nicht das einzige Mal, dass der CSU-Kreisvorsitzende und sein Gast die zahlreichen Zuschauer im vollen Ballenhaussaal zum Schmunzeln brachten. Dabei waren die Themen, die die beiden diskutierten, durchaus ernst. Den Anfang machte die Zeitungskrise, die laut dem Münchner Verleger auch am Ippen-Imperium – zu dem im Übrigen auch der Kreisboten-Verlag gehört– nicht spurlos vorbeigeht. 

Dass die Auflage weniger schrumpfe als bei anderen Zeitungen, begründete der 74-Jährige mit der lokalen Ausrichtung. „Das Lokale wird immer eine große Rolle spielen.“ Er machte aber auch klar: Groß wachsen würden die klassischen Zeitungen nicht mehr – vor allem wegen des Internets. 

Gerade die Jüngeren würden sich ihre Informationen fast nur noch aus dem Netz holen, erläuterte Ippen. Gleichzeitig brächen die Einnahmen durch Anzeigen weg. Wer heute eine Wohnung suche, der mache das online. „Damit müssen wir fertig werden.“ 

Doch die Zeitungsbranche stehe damit nicht allein. „Das Internet ist ein „Serienkiller, das jedes Geschäftsmodell verändert“, betonte Ippen. Als Beispiel führte er die Automobilindustrie (Car Sharing) und das Bankenwesen (Online-Banking) an.

Volles Haus: Viele waren der Einladung zum Neujahrsgespräch gefolgt – darunter auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß (4. v. li.).

An dieser Stelle hakte Dobrindt ein und brach eine Lanze für die klassische Zeitung, in dem er erklärte, das gedruckte Wort viel ernster zu nehmen als eine flüchtige Schlagzeile auf einem Online-Portal. 

Diese höhere Glaubwürdigkeit lasse sich zwar tatsächlich durch Umfragen belegen, entgegnete Ippen. Um die Entwicklung zu stoppen, reiche das allerdings nicht. „Die Zeiten, in denen morgens am Küchentisch um die Zeitung gestritten wurde, sind vorbei. Der Leser hat heute viel weniger Zeit für uns“, erklärte der 74-Jährige. Das zeige sich auch darin, dass sich immer mehr für Wochenzeitungen und Wochenend-Ausgaben entscheiden. 

Wenn also das klassische Geschäftsmodell wegbräche, wie wolle man dann künftig Geld verdienen, zumal online ja alles kostenlos sei, fragte Dobrindt. Das sei tatsächlich die entscheidende Frage, antwortete Ippen. Der Nutzer habe sich daran gewöhnt, im Internet alles umsonst zu bekommen. Dabei stimme das gar nicht, denn er bezahle längst mit seinen privaten Daten. „Das ist ein riesiges Geschäft.“ 

Weniger schön fand Dobrindt die „hemmungslose Diskussionskultur“, die sich im Netz entwickelt habe, weil jeder jede Nachricht anonym kommentieren könne. Aber gerade diese freie Meinungsäußerung sei Kern der Internetrevolution, machte Ippen klar. Da helfe nur, „nicht alles durchlesen“. 

Ähnlich offen positionierte sich der Verleger gegenüber dem zunehmenden Bürgerjournalismus. Dass jeder selber Publizist sein könne, sei wichtig für den Demokratieprozess, betonte er. Das zeige nicht zuletzt der Blick auf Länder wie China, die die sozialen Medien aus dieser Angst heraus einschränken würden. 

Politisch wurde es, als Dobrindt das Gespräch auf die aktuellen Entwicklungen in Europa lenkte. Ippen outete sich als Euro-Skeptiker. Er halte die Einführung der Gemeinschaftswährung mittlerweile für die „zweitschlechteste Idee“ (die schlechteste verriet er nicht) und er sorge sich, Europa könne an der aktuell „brandgefährlichen Situation“ auseinanderbrechen. 

Das kurzweilige Gespräch war fast vorbei, die Tabakvergangenheit Ippens aufgedeckt, da musste Dobrindt dann doch noch zu jenem Thema Stellung nehmen, mit dem jeder Deutsche den Verkehrsminister seit seinem Amtsantritt in Berlin in Verbindung bringt: die Pkw-Maut. 

„Ich habe nicht verstanden, wie das funktionieren soll“, lockte Ippen und Dobrindt lieferte. Die CSU-Anhänger im Publikum dankten es mit Applaus. Selbst die Bedenken seines Gasts schienen ausgeräumt. „Gut erklärt“, urteilte der.

Christoph Peters

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