"Kein freiwilliger Abgang"

Querelen in Schongaus SPD-Vorstandschaft

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Daniel Blum war bis Dezember nicht nur Ortsvorsitzender der Schongauer SPD, sondern er gehörte auch zum Organisationsteam der Weinnacht. Nach deren zweiter Auflage kam es mit Teilen der restlichen Vorstandschaft zum Streit.

Schongau – Anfang November feierten Ortsvorsitzender Daniel Blum und die SPD noch das 100-Jährige des Schongauer Ortsvereins, doch auf Vorstandsebene krachte es da schon gewaltig. Der Rückzug von seinem Posten, der zum 1. Dezember verkündet wurde, sei keineswegs freiwillig erfolgt, erklärt Blum nun. Er sieht sich bewusst gestürzt und schlecht behandelt.

Im Sommer habe er als junger Vorsitzender noch einige Bestätigung im Vorstand erfahren, schildert Blum. Doch nach der zweiten Weinnacht am 11. Oktober sei es zu massiven Reibereien gekommen. Weil Blum noch nicht alle Rechnungen vorlagen, habe er keine Abrechnung erstellen können. Kassier Klaus Böse habe die zu dem Zeitpunkt komplette Summe und die Belege des Karten- und Getränkeverkaufs deshalb nicht annehmen wollen. Der Vorwurf, der vor versammelter Vorstandschaft gefallen sei: „Man könne mit mir nicht arbeiten.“ Dass er danach berufsbedingt rund zwei Wochen lang nicht dazu gekommen sei, die Summe bei der Bank einzubezahlen, habe die Dissonanzen weiter verstärkt. „Klaus Böse steigerte sich rein“, schildert Blum. Auch der Vorwurf, der Kassier sei bei den Kosten der Weinnacht gar nicht involviert gewesen, sei aufgekommen. „Dabei ist alles im Vorstand abgestimmt worden.“

Das Verhältnis sei fortan ein eisiges gewesen. „Bei der Aufstellungsversammlung Anfang November 2019 beim Stroblwirt in Oberhausen hat fast jeder den Kopf weggedreht“, fühlt sich Blum von Teilen der Genossen unfair behandelt. Auch Klaus Böse habe ihn keines Blickes mehr gewürdigt, woraufhin er ihm die Unterlagen der Weinnacht vor Ort hinknallte.

In ihm sei in der Zwischenzeit die Entscheidung gereift, zum Jahresende aufzuhören, so Blum. Umzustimmen habe ihn niemand versucht, im Gegenteil. „Ich hatte das Gefühl, es kann ihnen nicht schnell genug gehen.“ Nachdem Blums Rückzug beschlossen war, habe Kassier Böse entgegen einer vorherigen Entscheidung mitgeteilt, sein Amt fortzuführen. „So auf die Art: ‚Jawoll, der Blum ist weg‘, jetzt kann man weitermachen“, interpretiert Blum die Reaktion seines Stellvertreters und jetzigen Ortsvorsitzenden Friedrich Zeller darauf in einer Mail. Bei einer Sitzung am 1. Dezember habe Stadtrat-Fraktionsvorsitzende Ilona Böse ihm dann nahegelegt, gleich aufzuhören. „Wie in der Bundes-SPD: Man sucht einen Sündenbock statt das Kernproblem“, findet Blum.

„Wie mit mir umgegangen wurde, hat mit ‚Sozial‘, wie es im Parteinamen steht, nichts zu tun“, beklagt sich der abgetretene Vorsitzende. Er bedaure, dass weder Zeller, noch Ilona Böse oder Bürgermeister Falk Sluyterman den Versuch unternommen hätten, die Situation zu wenden und ein gemeinsames Gespräch zu suchen. Er verfolge nun gespannt, ob Zeller und Böse im Vorstand weitermachen. „Oder ob das nur Publicity für die Kommunalwahl war.“

Beim Versuch nachvollziehen, wie es nach der Weinnacht zu einem derartigen Bruch kam, hat Blum zwei Ansätze. Möglicherweise sei Klaus Böse damit, wie die Organisation des Fests angelegt war, nicht einverstanden gewesen. Auch gekränkte Eitelkeit könnte eine Rolle gespielt haben: Blum habe auf der Weinnacht-Bühne das Organisations-Team gewürdigt – und nicht den Kassier.

Nicht näher auf das Thema eingehen will der heutige Ortsvereinsvorsitzende Friedrich Zeller: „Ich bevorzuge es, persönliche Probleme und strittige Ansichten nicht über Zeitung, sondern persönlich zu besprechen.“ Klaus Böse war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. ras

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