Wissen ist nichts ohne Gemeinschaft

Das Vereinsjahr des Historischen Vereins Schongau Stadt und Land

Krauthauf Müller Historischer Verein Schongau
+
Von dem langjährigen Ausschussmitglied Dr. Manfred Müller musste sich Krauthauf verabschieden.
  • VonOliver Sommer
    schließen

Schongau – Bei einer Hybridsitzung, die Vizebürgermeisterin Schongaus Daniela Puzzovio war per Videostream zugeschaltet, konnte die Vorsitzende des Historischen Vereins Schongau Stadt und Land knapp vier Dutzend Mitglieder im Ballenhaussaal zur Mitgliederversammlung begrüßen. Neben den Rechenschaftsberichten und Neuwahlen musste Heide-Maria Krauthauf auch ein langjähriges Ausschussmitglied verabschieden.

Wie so viele andere hat die Corona-Krise auch den historischen Verein arg getroffen. Dabei waren es weniger die Austritte aus dem über 200 Mitglieder starken Verein als die öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie Ausstellungen oder Vorträge, die in den vergangenen rund anderthalb Jahren gelitten haben und zu kurz kamen. Mit der Möglichkeit, Hybridsitzungen abzuhalten, habe man die Chance, so die Vorsitzende Heide-Maria Krauthauf, auch die zu erreichen, die sich mal nicht wohl fühlen, „nicht auf dem Damm sind“, wie es so schön heißt, oder nicht aus dem Haus gehen wollen. Doch Video- oder Telekonferenzen haben einen Nachteil, wie Krauthauf feststellte: „Ein Online-Vortrag bringt Wissen. Aber es fehlt die Gemeinschaft“. Ein Aspekt, den auch Helmut Schmidbauer in seinem Fazit über die Museumsbesuche aufgriff. So sagte der frühere Kreisheimatpfleger – Schmidbauer hatte im Frühjahr das Amt aufgegeben – dass das vergangene Jahr sehr kritisch für eine solche Einrichtung wie das Museum gewesen sei, nachdem „die Politik beschlossen“ habe, „die Begegnungen der Menschen zurückzufahren“. Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich 2020 die Zahl der Museumsbesucher nicht ganz halbiert auf rund 1.200 Besucher bei insgesamt nur noch 110 Öffnungstagen.

Das Museum musste, wie alle anderen auch, zwischen Mitte März und Mitte Mai sowie ab Anfang November auf Druck der Politik schließen. Die Zahl der Führungen sank im Vergleich zum Vorjahr sogar auf rund 40 Prozent ab. Alles in allem sei es sehr schwierig gewesen, das alles nachzuvollziehen, insbesondere sei die Situation verheerend für die Jugend gewesen, die kaum die Möglichkeit gehabt habe, ins Museum zu gehen. Auch treibt den früheren Heimatpfleger der bauliche Zustand des Museums um, die Schäden am Haus würden nicht repariert und bei Regen „tropft es rein“. Ähnlich fielen auch die Berichte von Franz Grundner und Harald Scharrer zum Museum aus, man könne schlicht nicht planen in Folge von Corona. Der Ausstellungsbetrieb sei so zum Erliegen gekommen, meinte Scharrer und Grundner versuchte einen vagen Blick in die Zukunft. Derzeit läuft noch die Ausstellung über die Dreifaltigkeitskirche in Schongau, man werde eine Kulturwoche durchführen und plane derzeit eine Ausstellung für den Fasching kommenden Jahres. Die Ideen seien da, etwa Ausstellungen über selten gewordene Handwerker in Schongau, so Grundner. Positiv in der derzeitigen Situation ist der Umstand, dass es ein Soforthilfeprogramm des Deutschen Verbandes für Archäologie für Heimatmuseen gibt, bei einem Eigenanteil würden Reparatur- oder Sanierungsarbeiten gefördert. Man habe sich darum beworben und wolle als erstes die teils jahrzehntealte Beleuchtung in der Erasmuskirche angehen und austauschen. Tätig werden muss die Stadt Grundners Worten zufolge beim Magazin des Museums im Köhlerstadel. Dort breitet sich ein Holzschädling aus, der die wertvollen Exponate bedroht. Für die angesprochene Fassade des Museums fehlten im Haushalt der Stadt die Gelder, bedauerte Grundner.

War das Vereinsleben Anfang vergangenen Jahres noch relativ wenig betroffen von der aufziehenden Gesundheitskrise wie Heide-Maria Krauthauf in ihrem Rückblick resümierte, konnte man mit Genehmigung des Landratsamtes sogar die Arbeit weiterführen und sich zu Leitungssitzungen treffen. Erst ab Herbst 2020 war der Historische Verein dann vollends von der Ausnahmesituation betroffen. Besonders freute sich die Vorsitzende, die seit 29 Jahren das Amt innehat und gerade wiedergewählt wurde, über die Zusammenarbeit mit dem Welfengymnasium, das wieder einmal ein W-Seminar-Arbeiten zusammen mit dem Historischen Verein präsentierte. Schlusspunkt des Jahres war dann die neue Ausgabe des Welf, der sich wieder großer Beliebtheit erfreute. Was sich allerdings nicht in den Zahlen der Kasse des Vereins widerspiegelt, wie man dem Bericht Lisa Becksteins entnehmen konnte, die ein dickes Minus bei den Finanzen vermelden musste.

Neben der Verabschiedung von Dr. Manfred Müller, der sich vor allem bei der Publikation des Welf sowie der Dokumentation der Bibliothek eingebracht hatte, wurde abschließend das Vorstandsgremium neu- bzw. wiedergewählt. Neu zum Ausschuss hinzugekommen sind der neue Kreisheimatpfleger Dr. Jürgen Erhard sowie Dr. Mechthild Pörnbacher und Max Geiger; ebenfalls begrüßen konnte Krauthauf den Digitalbeauftragten der Stadt, Stefan Lisch und Luitpold Sedlmeier von der Gärtnerei Pröbstl als Mitglieder.

Außerdem wurde das historische Henkerschwert und weitere Waffen, die vor über 50 Jahren gestohlen worden waren, wieder entdeckt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Schongau
Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Bei Streit in Peiting Messer gezückt
Schongau
Bei Streit in Peiting Messer gezückt
Bei Streit in Peiting Messer gezückt
Schongau sucht den Super-Kürbis
Schongau
Schongau sucht den Super-Kürbis
Schongau sucht den Super-Kürbis
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland
Schongau
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland

Kommentare