Kaserne in Altenstadt

Geplanter Denkmalschutz wirft Fragen auf

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Nach Ansicht des Landesamt für Denkmalpflege sind Teile der Altenstadter Kaserne wie etwa das dem Turm einer Trutzburg ähnelnde Eingangsgebäude erhaltungswürdig.

Altenstadt – Manche Gebäude in der Altenstadter Kaserne sind alt – so alt, dass das Landesamt für Denkmalpflege sie für schützenswert erachtet. Die Gemeinde sorgt sich nun um die künftige Nutzung.

Kleiner, flexibler und schlagkräftiger soll die Bundeswehr mit Hilfe der Bundeswehrreform werden – so die Absicht der Bundesregierung. Doch die Reform geht mit größeren Verwerfungen und zum Teil radikalen Umstrukturierungen einher. Betroffen hiervon ist auch die Kaserne in Altenstadt. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Region steht auch die Frage im Raum, was mit den Gebäuden passieren wird. Die noch vor dem Zweiten Weltkrieg errichteten Gebäude sind aus Sicht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erhaltungswürdig. Dies teilte ein Vertreter der Fachbehörde am Dienstag in der Gemeinderatssitzung mit.

Eigens aus München war Dr. Detlef Knipping vom Denkmalamt in den Pfaffenwinkel gereist, um den Gemeinderäten und interessierten Bürgern den neuesten Stand in Sachen Denkmalschutz auf dem Kasernengelände darzulegen. Klar ist, dass es Änderungen in der Nutzung geben wird. Unklar jedoch – und das hob Bürgermeister Albert Hadersbeck wiederholt hervor – ist, welches Ausmaß diese Änderungen letztendlich haben werden.

Von 1937 bis 1940, so schilderte Knipping, seien die jetzigen Kasernengebäude durch die Pläne des Architekten Robert Roskothen erbaut worden. Während des Krieges befand sich dort die Flakschule, seit Mitte der 50er Jahre ist in Altenstadt die Luftlande- und Lufttransportschule stationiert. „Es wird derzeit geprüft, ob Teile des Kasernenarsenals in die Denkmalliste aufgenommen werden“, klärte Knipping auf. Aus denkmalpflegerischer Sicht interessant seien die im traditionellen Stil der 30er Jahre errichteten Gebäude, die mit folkloristischen und modernen Elementen ergänzt wurden. Aufgrund ihrer Lage weithin sichtbar ist die ehemalige Messhalle auf dem Burglachberg, die so genannte „Burg“. „Diese sollte, ebenso wie das im Eingangsbereich der Kaserne einer Trutzburg ähnelnde Gebäude, Ehrfurcht erzeugen“, sagte der Denkmalschützer. Auch das Stabsgebäude und die im kammartigen Verbund angelegten Mannschaftsgebäude sind schützenswert, fuhr er fort. Vergleichbar ist das Arsenal mit dem Fliegerhorst von Fürstenfeldbruck, dessen Gebäude sich bereits in der Denkmalliste befinden, und mit dem Fliegerhorst Penzing. Alle wurden durch Robert Roskothen geplant. „Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die ehemalige Flakkaserne unbedingt erhaltungswürdig“, urteilte der Konservator. 

In der daran anschließenden Diskussion hatten die Gemeinderäte einige kritische Fragen. So wollte Johann Deschler wissen, wie sicher es ist, dass die Gebäude zum Denkmal werden. „Als Fachbehörde sind wir zuständig für die Festlegung der Denkmäler, denn wir haben den gesetzlichen Auftrag hierzu“, sagte Dr. Knipping und weiter: „Die Eintragung in die Denkmalliste wird kommen“. Und Ute Baar fragte: „Welche Folgen hat das für die Gemeinde konkret?“. Hier verwies der Experte auf die im Gesetz niedergeschriebene Erhaltungsaufforderung an die Eigentümer und die Unmöglichkeit des Abrisses ohne ausdrückliche Genehmigung durch die Fachbehörde. Hier hakten gleich mehrere Gemeinderäte ein, denn die Frage des Eigentums scheint unklar. So wurden Befürchtungen seitens der Räte laut, der Bund als jetziger Eigentümer werde sich – ähnlich wie bereits bei vielen Bahnhöfen , die in einem erbarmungswürdigen Zustand sind – seiner Verantwortung nach Abzug der Soldaten entziehen. Vor allem bei der „Burg“, deren Zukunft und damit verbundene Nutzung völlig ungewiss ist, sehen die Räte buchstäblich schwarz. „Nicht mal einen Euro würde ich für das Gebäude zahlen“, beteuerte Vize-Bürgermeister Sepp Reich. 

Weißes Blatt Papier

Verantwortlich für die Vermietung, Verpachtung oder den Verkauf der Gebäude ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit Sitz in Bonn. Doch die Räte zeigten sich sehr skeptisch, ob der Bund seiner Aufgabe als Hüter seines Eigentums dann noch gerecht wird. „Ich habe große Sorgen, auch im Hinblick auf eine spätere private Nutzung“, gestand Bürgermeister Hadersbeck und hob hervor: „Die, die das angerichtet haben, müssen auch dafür Sorge tragen, wie es weiter geht“. Doch das bleibt vorerst im Unklaren. Als nächstes, so klärte Hadersbeck auf, werde ein BImA-Vertreter auf sein Bitten hin nach Altenstadt kommen, um die Sachlage vor Ort zu sichten. Denn bisher – und das spricht für sich – war der Standort Altenstadt in Bonn ein weißes Blatt Papier. agj

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