Gebühren in Peiting steigen:

Letzte Ruhe wird teurer

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Die Gebühren für die letzte Ruhestätte in Peiting steigen 2018 – hier der alte Friedhof bei Maria Egg.

Peiting – Deutlich angehoben werden in Peiting zum Januar 2018 die Gebühren für die letzte Ruhestätte. Ein Beispiel: Für die Erdbestattung eines Erwachsenen sind, wenn ein Familiengrab neu erworben wird, 2.105 Euro zu begleichen – gerechnet auf zehn Jahre Ruhefrist. Bisher waren es 1.622 Euro. Das bedeutet eine Mehrbelastung von 30 Prozent.

Mit großer Mehrheit haben die Gemeinderäte kürzlich einer Änderung der Satzung zu den Friedhofsgebühren zugestimmt. Nur Norbert Merk und Gerhard Heiß (beide CSU) stimmten mit Nein. Aber aus ganz unterschiedlichen Beweggründen.

Norbert Merk, von Beruf Kreiskämmerer am Landratsamt Weilheim-Schongau, sah in der Tatsache, dass nicht alle anfallenden Kosten auf die Nutzer umgelegt werden, (z.B. beim Leichenhaus), „einen Verstoß gegen das Kommunalabgabengesetz“. Deswegen werde er die Satzung ablehnen, kündigte er schon eingangs der Diskussion an.

Gerhard Heiß vertrat eine völlig konträre Meinung. Die Friedhöfe seien ein Kulturgut und auch „eine Visitenkarte“ für die Marktgemeinde. Er sehe dies als Pflichtaufgabe. Heiß gab zu bedenken, dass bei freiwilligen Leistungen höhere Defizite anfallen – etwa durch den Eisstadionbetrieb schon ab dem Spätsommer, durch das Wellenfreibad oder durch die geplanten neuen Fußballplätze hinterm Feuerwehrhaus. Grabgebühren sollten für kleine und mittlere Einkommen noch vertretbar sein, bekräftigte Heiß seinen Standpunkt.

Dieser Ansicht widersprach Bürgermeister Michael Asam. Gewiss könne man die Meinung vertreten, dass Friedhöfe ein Kulturgut seien und auch der Nah­erholung dienen würden. Doch der Vergleich mit dem Wellenfreibad hinke „komplett“. Dort müssten dann gleich pro Person zwölf Euro Eintritt verlangt werden, um kostendeckend zu arbeiten. Die Gebühren für die Friedhöfe seien „noch angemessen“, befand Asam. Auf den Einwand von Gerhard Heiß, man müsse an Angehörige mit geringem Einkommen denken, entgegnete Asam: Wenn so ein Fall auftrete, dann zeige sich die Gemeinde durchaus entgegenkommend.

Thema verschoben

Den Sachverhalt ausführlich zu erläutern, war Aufgabe von Manfred Turner aus der Finanzverwaltung der Marktgemeinde. Eigentlich hätte die Beratung zu den neuen Friedhofsgebühren bereits ein Jahr früher erfolgen sollen. Doch habe man damit zugewartet. Denn auf Anregung des Arbeitskreises „Friedhof 2050“ haben die Marktgemeinderäte im November 2017 drei neuen Bestattungsformen zugestimmt. Diese finden in der neuen Festsetzung ihren Niederschlag.

Manfred Turner erwähnte, dass er von 2013 bis 2016 im Friedhofswesen und im Bestattungswesen ein jährliches Defizit von durchschnittlich 17.000 Euro errechnet habe. In den neuen Gebühren werden Urnen und Baumbestattungen mit einbezogen. Auch werde berücksichtigt, dass eine Urne in den Nischen nicht oder zumindest nicht vollständig verrotte; Kosten für die spätere Zweitbestattung seien in der Kalkulation enthalten.

In einer früheren Festsetzung der Friedhofsgebühren hatten die Marktgemeinderäte bei der Nutzung des Leichenhauses einen Verlust von 12.400 Euro im Jahr befürwortet. Der Fehlbetrag reduziert sich ab 2018 auf zirka 5.000 Euro.

Am deutlichsten fällt die Steigerung in diesem Bereich aus: Eine Urnenbestattung in einem Grab, das neu erworben wird, kostet künftig 1.118 Euro – wieder auf zehn Jahre Ruhezeit gerechnet. Bisher waren es nur 638 Euro. Das ist eine Mehrbelastung von 480 Euro. Auf ein Jahr gerechnet, sind es 48 Euro.

Noch zwei Beispiele: Für eine Urnenbestattung in einer neuen Nische wird die Gemeinde für zehn Jahre Ruhezeit ungefähr 1.500 Euro verlangen. Das umfasst den Erwerb der Nische, den Aufwand des Friedhofspersonals, die Benutzung des Leichenhauses über vier Tage, die Kosten für den Sargträger sowie das Öffnen und Schließen der Urnennische. Wer sich dafür entscheidet, die Urne in einem Baumgrab beizusetzen, wird mit gut tausend Euro zur Kasse gebeten. 

Johannes Jais

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