24. Deutscher Mühlentag in Schwabsoien

Wenn Industriegeschichte lebendig wird

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Im direkten Vergleich kann man die Dimension der Hämmer erahnen, die, angetrieben vom Wasser, dem Schmied das Leben erleichtern sollten.

Schwabsoien – Wo immer es geht, erleichtert sich der Mensch schwere Arbeiten mit Hilfe von Maschinen. Schon vor Jahrhunderten und sogar noch vor Jahrzehnten wurden Bäche oder Flüsse genutzt, um Konstruktionen anzutreiben, die etwa beim Hämmern oder Mahlen halfen. Beim 24. Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag konnte man dieses Stück Industriegeschichte in Schwabsoien hautnah erleben.

Schwarz steigt der Rauch auf aus der Esse einer der ältesten Hammerschmieden Deutschlands. Daneben plätschert munter ein Bach über das sich schnell drehende Wasserrad und treibt es an: Vor etwas über 600 Jahren bauten findige Handwerker hier am Lauf der Schönach eine der ersten Schmieden, wo der Schmied nicht mehr selbst den schweren Hammer schwingen musste, um das glühende Eisen zu formen. 

Beständig dreht sich die Welle, die das Wasser über das Rad antreibt. Legt man einen Hebel um, wird einer der drei mächtigen Hämmer unter die Welle geschoben und ein Zapfen hebt den Hammer sekundenlang an, um ihn mit einem stampfenden Ruck wieder frei zugeben. Würde der Schmied ein Stück glühendes Eisen auf den Amboss legen, würde der Hammer es nun mit rhythmischen Schlägen bearbeiten. So aber erklärt der Führer der Besuchergruppe als nächstes den mechanischen, weil ebenfalls vom Wasser getriebenen Schleifstein, an dem die vorher geschmiedeten Klingen – Äxte, Sensen, Messer oder Scheren – geschärft wurden. 

Was in mehr als einem halben Jahrtausend an Werkzeugen hier in Schwabsoien entstanden ist, das kann man einen Raum weiter bewundern, wo ein technisches Museum Zeugnisse einer beinahe vergangenen Epoche zeigt. Dreh- und Fräsmaschinen, die mittels Wasser und Welle getrieben wurden, dazu die Werkzeuge, welche die Manufaktur verließen, säuberlich aufgereiht und beschrieben für die Interessierten.

24. Deutscher Mühlentag in Schwabsoien - die Bilder

Diese kamen am Pfingstmontag zuhauf in das kleine Dorf an den Quellen der Schönach, um bei bestem Sonnenschein die Stationen des Mühlenweges abzumarschieren. Erklommen steile Treppen, deren ausgetretene Stufen Zeugnis ablegen könnten davon, wie oft der Müller und seine Gesellen hinauf und hinunter gegangen waren, um bestes, vor allem feinstes Mehl, zu erhalten. 

Den Weg vom Getreide oder Korn zu Mehl oder den Flocken hatten die Schwabsoier auf das genaueste aufgebaut. Hier die Zugmaschinen, die Egge und Pflug zogen, dort der Traktor, mehr eigentlich die Treibmaschine, über deren Welle die Dreschmaschine – auch Dreschkasten genannt – treibt, die Ähren, Schoten und Kapseln durch Schlagen oder die Reibung entkörnt. Vorn kam das Getreide hinein, hinten die Streu heraus, die Körner wurden in Säcken gesammelt, die einige Meter weiter, in der Schlöglmühle zu Mehl verarbeitet wurden. Noch heute kann man die Produkte kaufen, auch wenn die Mühle selbst längst ein Industriedenkmal geworden ist.

Zu entdecken gab es viel am Pfingstmontag, neben den bekannten und entsprechend großen Mühlen waren auch Triebwerke zu besichtigen, die einst Pumpen, Sägen und dergleichen mehr ihre Kraft verliehen. Auch wenn manch eines der Bauwerke gar nicht mehr in der ursprünglichen Form existiert, so erinnerten das Innere der Häuser doch noch immer an eine andere Zeit. An allen Stationen standen Handwerker Rede und Antwort, die sich bestens auskannten mit ihren Maschinen und deren Wissen interessante Einblicke gewährte. Beeindruckt waren viele Besucher von der Größe der Anlagen ebenso, wie von deren Einfachheit und Funktionalität.

Oliver Sommer

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