Diakoniedorf macht Dampf - Herzogsägmühle sucht nach der unerschöpflichen Erdwärme

Oben stellen sich Unternehmen unter den Rettungsschirm des Staates, unten fallen Menschen durch das soziale Netz. Die Sozialeinrichtung Herzogsägmühle hilft den Schwächsten der Schwachen wieder auf die Beine. Wilhelm Knorr, Direktor des Diakoniedorfes, hat zum Pressegespräch geladen und Aufsehen erregende Ziele für das laufende Jahr vorgestellt.

Von einem „Quantensprung in der Obdachlosenhilfe" berichtet der Direktor in sichtlich aufgeräumter Gemütsverfassung und meint damit die Aufstockung um 50 auf nunmehr 170 Mitarbeiter allein im Fachbereich Obdachlosenhilfe. Damit sei es endlich gelungen, den Betreuungsschlüssel an den anderer Fachbereiche anzugleichen. Neben der umfassenden und fachgerechten Betreuung der von der Straße mitgebrachten körperlichen und seelischen Leiden werde künftig der Fokus auf eine frühe berufliche Integration der ehemals Obdachlosen gelegt. Rund 1000 Hilfsbedürftige klopfen Jahr für Jahr an die Pforte der Obdachlosenhilfe und Knorr macht unter diesen Unglücklichen einen beunruhigenden Trend aus: Immer häufiger seien jüngere Menschen von Obdachlosigkeit betroffen – und immer mehr Frauen. Insgesamt sei die Zahl der Hilfsbedürftigen in den letzten Jahren in etwa konstant geblieben, weshalb Herzogsägmühle nun verstärkt die Verbesserung der Unterbringungen und Wohnungseinrichtungen in Angriff nehmen wird. Knorr setzt weiterhin auf Dezentralisierung und meint damit die Unterbringung von Betroffenen in Wohngruppen, aus denen heraus der Weg zurück in die Selbständigkeit beschritten werden soll. Für die Orte Peiting und Schongau sieht Knorr die Kapazitätsgrenze allerdings schon jetzt erreicht. Potenzial für diese Maßnahme erkennt er dagegen zum Beispiel in Kempten, Kaufbeuren und Weilheim sowie im Landkreis Landsberg. Etwaige kritische Stimmen aus der Bevölkerung gegen Wohnungen für Hilfsbedürftige erwartet der Direktor mit routinierter Gelassenheit. Wenn überhaupt, dann kämen „Widerstände immer nur im Vorfeld“, später sei davon nichts mehr zu spüren – man gewöhnt sich eben aneinander. Regelrecht zu leuchten beginnen Knorrs Augen, als er über Erdwärme, die Geothermie, referiert. Heißer Dampf aus der Tiefe soll hierbei fossile Energieträger ersetzen und sämtliche Energieprobleme der Sozialeinrichtung lösen. Die Prüfung zur Machbarkeit wird noch dieses Jahr abgeschlossen. Bis dahin sind auch alle Sanierungsmaßnahmen zurückgestellt. Wozu noch in die Isolierung von Gebäuden investieren, wenn regenerative, CO2-neutrale Energie in unerschöpflicher Menge vorhanden sei? Den immensen Investitionskosten, vergleichbare Projekte beziffert er auf 40 Mio. Euro, stellt Knorr eine Amortisationsquote entgegen, „nach der sich alle Investoren die Finger abschlecken“. Im weiteren Gesprächsverlauf entfaltet der Direktor des Diakoniedorfes ein weites Feld von geplanten und von zum Teil bereits begonnenen Investitionsvorhaben. Letztlich stehe aber jedes Projekt unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit. Umsichtig stellt Knorr in Rechnung, dass die Wirtschaftskrise auf die Haushalte der öffentlichen Hand durchschlagen wird. Dann habe die Sicherung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Sozialeinrichtung Priorität, damit Herzogsägmühle auch in schwieriger Zeit ihr einzigartiges soziales Netz erhalten und noch weiterentwickeln kann.

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