Vorstandsmitglieder zurückgetreten

Dicke Luft bei der Schongauer Feuerwehr

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Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta mit Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl und dem neuen Kommandanten der Feuerwehr Schongau, Werner Berchtold, seinem zweiten Kommandanten Jürgen Haslinger sowie dem Vorstand des Feuerwehrvereins, Hubert Wasl (v. li.).

Schongau – Es kam einer Palastrevolution gleich, was sich jüngst bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Schongau abspielte. Insgesamt drei Vorstandsmitglieder traten von ihren Ämtern zurück, der langjährige Kommandant trat nicht mehr zur Wiederwahl an.

Es schien noch alles in bester Ordnung, als der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Hubert Wasl, die Gäste – darunter auch Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl und Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta – begrüßte und seinen Bericht zum Verein vorlegte. Auch als der Schriftführer Andreas Hörner seinen Bericht begann, konnte noch niemand ahnen, dass dies sein letzter in dieser Funktion sein würde. Erst als Hörner mit den Worten „lege ich mit sofortiger Wirkung mein Amt nieder“ schloss, ließ er die Katze aus dem Sack. 

 Wie Hörners Ausführungen fiel auch der Bericht des ersten Kommandanten Michael Benkert, dessen Neuwahl für den Abend angesetzt war, nachdenklich aus. Nachdenklich im Hinblick auf die Arbeit, die die Kameraden leisten, und die so gar nicht wertgeschätzt werde. Es sei die Pflicht der Stadt, für die Ausrüstung der Feuerwehr zu sorgen, aber man könne auch ein Mindestmaß an Wertschätzung für die geleistete Arbeit erwarten, sagte er. Zu immerhin 21 teils recht schweren Bränden und über 150 Hilfeleistungseinsätzen seien seine Männer schließlich gerufen worden. Das Spiel sei hart, verglich er seinen Job mit dem eines Fußballkapitäns, man spiele mit vollem Einsatz. Aber wiederholtes Foulspiel schmerze. Insbesondere, wenn die Spielregeln missachtet würden. Und, im Hinblick auf seine Verantwortung, folgerte Benkert: „Ein teilweise gelähmter Kommandant bringt nicht die Leistung und wird auch nicht seinen eigenen Ansprüchen gerecht“, weshalb er nicht mehr zur Wahl stehe. 

 Für seine Worte erhielt der scheidende Kommandant stehenden Applaus von den rund 90 anwesenden Feuerwehrkameraden. Bis hierhin war nicht wirklich klar, dass sich die Vorwürfe nicht nur auf die äußeren Umstände bezogen, sondern auch im Kern des Feuerwehrvereins zu suchen sind. Denn erst mit dem nächsten Tagesordnungspunkt, einem Antrag, die Vorstandschaft außerplanmäßig neu zu wählen, um die 150-Jahr-Feier der Wehr 2016 besser planen zu können, zeigten sich die Verwerfungen. 

Hatte Hubert Wasl erklärt, dass für diese Feierlichkeiten kein so großer Aufwand nötig sei, folgte seinen Ausführungen ein Antrag aus den Reihen der Kameraden, die Vorstandschaft ihres Amtes zu entheben. Verbunden damit legten mit Christoph Wahler (Führungsdienstgradsvertreter) und Roland Ratajczak (Mannschaftsvertreter) zwei weitere Mitglieder ihr Amt nieder. Es war in den Gesichtern des Bürgermeisters und des Kreisbrandrates zu lesen, dass sie, genauso wie die meisten, überrascht wurden von den Vorgängen. Waren vorher schon Andeutungen, etwa die fehlende Unterstützung, gemacht worden, wurde ein Kamerad etwas deutlicher: Viele Feuerwehrmänner, vor allem Neuzugänge, seien in der Wehr, um zu löschen, retten, bergen. Aber nicht, um in einen Verein einzutreten, der dazu noch überzogene Erwartungen hege. Mehrfach habe es schon in vorherigen Sitzungen Rücktrittsdrohungen gegeben. 

Ein Antrag auf sofortige Neuwahlen wurde jedoch abgeschmettert. Letztlich stimmte die Mehrheit der Anwesenden für eine außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der dann über die Neubesetzung der aktuell vier fehlenden Vorstandsmitglieder abgestimmt werden soll. Nachdem sich die „dicke Luft“, so Sobotta, verzogen hatte, ging die Versammlung an die Neuwahl des ersten Kommandanten. Der heißt für die nächsten drei Jahre Werner Berchtold und erhielt mehr als 80 Prozent der Stimmen. 

Daneben konnte der noch amtierende erste Kommandant gemeinsam mit Karl Heinz Gerbl und dem KBR verdiente Kameraden ehren (für 10 Jahre Manfred Losert, Benjamin Fischer, Roland Mußbach, Michael Reith und Lisa Benkert sowie für 20 Jahre Sven Schmid und Matthias Pledl) und zahlreiche Kameraden zu Feuerwehrmännern, Oberfeuerwehr-männern und Albert Huber sogar zum Hauptlöschmeister befördern. gau

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