Einweihung vier Wochen früher als geplant

Die Glocken läuten wieder

Pfarrerin Julia Steller, Pfarramtsführer Jost Herrmann, Glockensachverständiger Walter Erdt und Peter Lorenz, Glocken- und Turmsanierer aus Augsburg (v. link)
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Pfarrerin Julia Steller, Pfarramtsführer Jost Herrmann, Glockensachverständiger Walter Erdt und Peter Lorenz, Glocken- und Turmsanierer aus Augsburg (v. link)

Schongau – Dem Glücklichen schlägt die Stunde – und glücklich waren sie Pfarrerin Julia Steller, Pfarramtsführer Jost Herrmann, Glockensachverständiger Walter Erdt und Peter Lorenz, Glocken- und Turmsanierer aus Augsburg. In Abwandlung des Sprichwortes ließ Jost Herrmann am vergangenen Freitag alle drei Glocken zur vollen Stunde um 19 Uhr schlagen und feierte mit Nachbarn, Gemeindemitgliedern und vielen Spendern, darunter auch die 2. Bürgermeisterin Daniela Puzzovio in Vertretung der Stadt Schongau.

Nun schlagen die Glocken wieder jede viertel, halbe und volle Stunde und mittags um 12 und morgens und abends um 7 bzw. 19 Uhr. Das Feintuning nahmen Lorenz und Erdt kurz vor der offiziellen Einweihung vor, da klang es von dem Turm der Dreifaltigkeitskirche die Blumenstraße in Schongau rauf und runter.

Als Sachverständiger hatte Walter Erdt, Kirchenmusiker in Weilheim, das Bestandsgutachten erstellt und Vorschläge zur Sanierung gemacht, die Ausschreibung geleitet, die Abnahme und Intonation vorgenommen. Nun klingen die Glocken wieder warm und weich. Das neue Holzjoch dämpft die Obertöne und der Klang wird voll ausgeschöpft. Die Klöppel wurden erneuert. Die alten waren zu klein und hatten die Glocken beschädigt.

Peter Lorenz stellte den Antrieb der Glocken auf magnetisch und berührungsfrei um. Mehr als 50 Glocken repariert Lorenz pro Jahr und muss dabei gleichermaßen etwas vom Stahlbau, Elektrik, Feinmechanik, Holz und Musik verstehen.

Warm und weich erklingen die Glocken der Dreifaltigkeitskirche seit vergangener Woche wieder.

Die beiden Pfarrer Julia Steller und Jost Herrmann blicken dankbar auf die Bauzeit zurück. Niemand ist zu Schaden gekommen, die Glocken läuten vier Wochen früher als geplant und die Kosten blieben im angesetzten Rahmen. Aber Glocken haben auch eine Geschichte und erzählen Geschichten, wovon Steller und Herrmann berichteten. Auf jeder Glocke ist ein Bibelvers eingraviert: So steht auf der kleinsten und ältesten Glocke (1914) „Wir sind nun Gottes Kinder“, quasi als Vergewisserung und bestätigender Akt des positiven Denkens, denn es war das Jahr des Beginns des 1. Weltkrieges.

1916 wurde die Kirche eingeweiht und auch die beiden weiteren Glocken montiert, aber schon im Jahr darauf wurden sie zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Es dauerte bis 1928 bis zwei neue Glocken aufgehängt wurden. 1941 wurden diese beiden Glocken wieder eingeschmolzen und erst 1958 neue aufgehängt.

„Ein feste Burg ist unser Gott“ steht auf der zweiten Glocke. „Lobe den Herrn meine Seele“, steht auf der dritten Glocke. Worte wie Glockenschläge. Worte und Klänge, welche die Zeit überdauert haben. „Alle drei Glocken erzählen vom Leben, tönen unüberhörbar, holen Gottes Nähe zu uns auf die Erde, sozusagen die Ewigkeit in die Endlichkeit“, deutet Jost Herrmann die Klänge.

Als nächstes wird die Sanierung der Orgel der Dreifaltigkeitskirche in Angriff genommen, während die Kirche bereits seit Monaten renoviert wird. Zum 1. Advent soll alles fertig sein. Die Gemeinde sammelt weiter Spenden. Die beiden Klöppel können übrigens für 100 Euro je Stück erworben oder beim Gemeinde-/Erntedankfest ersteigert werden.

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