»Gib Gas, Oma!«

Die Großmutter als Versuchskaninchen für »Jugend forscht«

Jugend forscht Bernert Oma Hohenfurch
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Oma Bernert düst auf der Erfindung ihres Enkels Michael locker bergauf. Dass sie Freude an der Fahrt hat, ist nicht zu übersehen.
  • vonRasso Schorer
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Hohenfurch – Michael Bernert ist Tüftler mit Leib und Seele. Vor wenigen Tagen erst hat er beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ neben anderen Preisen den 1. Platz in der Kategorie Arbeitswelt gewonnen. Nun strebt er mit seinem Sieger-Projekt höhere Ziele an. Michael will nicht nur teilnehmen am Landeswettbewerb, für den er sich qualifiziert hat – er will diesen auch gewinnen. Dabei überlässt er nichts dem Zufall. Deshalb muss Oma Eleonore (76) jetzt als Versuchskaninchen herhalten.

„Jugend forscht“ ist gewissermaßen der Impulsgeber für Michael Bernert. Der 14-jährige Schüler der Pfaffenwinkel Realschule denkt sich im Vorfeld der Veranstaltung immer wieder tolle Dinge aus, die er dann zu dem Wettbewerb präsentiert. Führte er im vergangenen Jahr in der Lechsporthalle der Jury sein Projekt „Opas Tabletten Sortierer“ erfolgreich vor, hat der Hohenfurcher sich für dieses Jahr erneut ein Gerät für Senioren ausgedacht.

Auch beim Regionalwettbewerb war in diesem Jahr alles etwas anders (wir berichteten): Die beliebte Veranstaltung konnte nicht wie in den Vorjahren vor Publikum durchgeführt werden. Stattdessen ging alles online über die Bühne. Nicht ganz einfach für die Tüftler und natürlich die Juroren, die immer alles genau unter die Lupe nehmen. Die Ausarbeitungen mussten dem Veranstalter geschickt werden. Diese Zusendungen waren dann die Grundlage zur Beurteilung.

Michael Bernert hatte neben seinen schriftlichen Erklärungen zu seinem Projekt „Senioren werden wieder mobil“ auch einen kurzen Video-Spot gedreht. Dabei filmte er ein von ihm entwickeltes und natürlich gebautes Dreirad mit seinem Handy von allen Seiten; auch ein paar Fahrt­aufnahmen waren dabei. Doch das wollte er für den Landeswettbewerb noch steigern.

Also muss eine weitere Person mit ins Spiel kommen. Bestens dafür geeignet: Oma Eleonore. Schließlich ist der Roller ja für Senioren gedacht. Sie lässt sich nicht lange bitten. Mit ihren 76 Lenzen ist sie nicht nur rüstig geblieben, sondern auch unternehmungslustig. Im neuen Videospot ist Oma Eleonore die Hauptperson.

Viermal bergauf

Einfach auf einer geraden Strecke fahren, das ist für Michael zu wenig. Er will die Oma ein längeres Steilstück von unten nach oben fahren lassen und damit beweisen, dass seine Erfindung so richtig Power hat. Als Teststrecke dient die mehrere hundert Meter lange Auffahrt zum Wasserhochbehälter der Gemeinde.

Oma Bernert ist kein bisschen aufgeregt, als sie den Prototyp ihres Enkels übergeben bekommt. Beide Hände an die Lenkgabel, die Füße auf die Trittflächen aus Edelstahl. Ihr Gesichtsausdruck verrät, dass sie es kaum erwarten kann, Gas zu geben. Ihre Haltung gleicht einem Gladiator auf seinem Streitwagen.

Mit Karacho

„Gib Gas Oma“, so die Aufforderung von Michael. Die Kiste rollt an, beschleunigt überraschend schnell. Michael hetzt daneben her, die Oma immer im Blick. Nicht lange, dann kommt ein weiteres Kommando: „Oma weniger Gas!“ Sonst hätte Michael keine Chance, neben der strahlenden Oma auf den Berg zu kommen.

Viermal muss Oma Bernert rauf- und runterdüsen, dann ist alles im Kasten. Michael überprüft sofort vor Ort auf seinem Laptop die Aufnahmen. „Bestens, Oma“, hört man ihn rufen, sie hat ihre Sache gut gemacht.

Jetzt kann Eleonore Bernert ihrem Enkel nur noch die Daumen drücken, wenn er am 16. April beim Landeswettbewerb seine Erfindung der Jury vorführt. Leider nur wieder online, aber das neue Video wird bestimmt keine Fragen offen lassen. Und was sagt die Oma zu der Erfindung? „Ganz leicht beweglich und eine tolle Kurvenlage.“

Hans-Helmut Herold

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