Mal Bildhauer, mal Schriftsteller

Dietrich Kothe und seine zwei Künstlerherzen

Kothe Künstler Autor
+
Confessio 20 heißt Dietrich Kothes neuestes Buch. Das natürliche Glaubensbedürfnis der Menschen wolle gegenwartsnah bedient sein.
  • VonHans-Helmut Herold
    schließen

Hohenfurch – In der Brust von Dietrich Kothe müssen in Sachen Kunst zwei Herzen schlagen. Dabei wechseln diese sich zeitweise in ihrer Leidenschaft ab. Da greift Kothe mal beherzt zu Stemmeisen und Holzschlegel, da spitzt er das andere Mal seinen Bleistift oder klopft in die Tasten seines Computers. Immer wieder überrascht der Hohenfurcher mit außergewöhnlichen Ideen und Arbeiten. 

Dietrich Kothe übte seinen Traumberuf aus. Über 50 Jahre lang war er als Lehrer an beruflichen Schulen in Schongau, Weilheim, Landsberg und Herzogsägmühle tätig. Mit Haut und Haaren, mit ganzer Leidenschaft. Sein Hauptfach: Agrarwirtschaft. Später kamen Deutsch und Ethik dazu. Für seine Schüler war er nicht nur Ansprechpartner in schulischen Belangen. Er versuchte immer, durch universale Gespräche die Jugend zu motivieren und aufzubauen.

In seiner Freizeit setzt Kothe seine Gedanken des Lebens und Alltags künstlerisch um. Da greift er zu Stemmeisen und Schlegel, um aus einem groben Stück Holz seine Figuren entstehen zu lassen. „Lieber Holz bearbeiten als verschüren“, erklärt er mit einem schelmischen Lächeln.

Vor allem hat er sich Themen rund um seine (noch) Gemeinde Hohenfurch ausgesucht. Mal erarbeitet er grobförmig die beiden Wappentiere der Ortschaft in Übergröße, mal stemmt er aus einem Baumstamm den gesamten diskutierenden Gemeinderat. Dann wird er feinfühliger und schnitzt aus einer Platte aus Lindenholz die St. Ursula mitsamt der Kapelle. Mit seiner Skulptur „Verbandelt“ lässt er einen Baum im eigenen Garten weiterleben, der sonst hätte gefällt werden müssen. Als „praktizierender“ Katholik und bekennender Christ ist es für ihn ein Anliegen, den Gekreuzigten selbst in Großformat zu schnitzen und der Skulptur an der Wand seines Hauses einen würdigen Platz zu geben.

Das andere Herz von Kothe pumpt pausenlos Buchstaben, die er dann selbst literarisch verarbeitet. Seine Bücher haben eine breite Leserschaft gefunden. Egal ob „Bärlapper“ oder „Landglut Hopfensud“, bei jedem seiner Werke hat er ein Stück Heimat mit eingebunden. Auch bei seinen Erzählungen „Traumgalerie“ kann sich mancher Leser irgendwie wiedererkennen.

Kothe recherchiert genau und kritisch. In seiner gerade auf den Büchermarkt gekommenen Neuerscheinung „Confessio20“ erstellt er „Notizen zur Glaubenssuche in unserer Zeit“. Direkt und ohne Schnörkel. Dabei geht er mit manchem Thema ehrlicher um, als es wohl manchem kirchlichen Würdenträger lieb ist.

Als Lehrer vermittelte Kothe viele Jahre lang jungen Menschen das Fach Ethik. Mit seiner Erfahrung aus dieser Zeit und täglichen Beobachtungen geht er davon aus, dass in der heutigen Gesellschaft das erforderliche Hineinwachsen in die mythisch bestimmte religiöse Tradition kaum mehr möglich ist.

Nach seiner Beobachtung und Einschätzung existieren geschlossene homogene religiöse Umfelder nur in abgesonderten Gesellschaften. „In der modernen vielgestaltigen Welt wird die Begegnung mit Religion kritisch verstandes-, nicht schlicht gewohnheitsmäßig geprägt sein müssen, um ihren Inhalten und Zielen nahezukommen“, beschreibt es Kothe.

Das natürliche Glaubensbedürfnis der Menschen will jedoch gegenwartsnah bedient sein. Kothe sagt, dass er das gerne den Kirchen zurufen würde, die darüber klagen, dass sie zu wenige Menschen erreichen. Dabei betont er, dass er in seinen Texten nicht etwa als Reformator oder gar missionierend auftreten will. Kothe macht sich lediglich Gedanken darüber, wie der heutige rational orientierte Mensch sich mit den Mitteln der Zeit sein über Konfessionsgrenzen hinausgreifendes Glaubensrefugium schaffen kann, ohne Gefahr zu laufen, in bloßen Nachvollzug oder gar auf Abwege modernistischen Gefabels zu geraten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Schongau
Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Fynn Mike ist das 500. Baby des Jahres in Schongau
Schongau sucht den Super-Kürbis
Schongau
Schongau sucht den Super-Kürbis
Schongau sucht den Super-Kürbis
Vollsperrung: Jetzt ist die B 17 dran
Schongau
Vollsperrung: Jetzt ist die B 17 dran
Vollsperrung: Jetzt ist die B 17 dran
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland
Schongau
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland
Neue Terrasse und Kellerraum auf dem Helgoland

Kommentare