Mit scharfer Zunge und nackter Haut

Das war der Schongauer Schockerberg 2018

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Zähes Jamaika-Ringen: Anna Eberle als Angela Merkel mit Anton Hofreiter (Michael Eberle) und FDP-Chef Christian Lindner (Benjamin Keltsch)

Schongau – Einen Markus Söder, der sich als „schärfster Franke im schönen Bayernland“ präsentiert und auf der Bühne in Strapsen zu sehen ist, verkörperte Luitpold Braun junior im Singspiel zum Schockerberg der Schongauer CSU. Dabei kam es gar zu einem Drahtseilakt. Das Übersetzen Söders von München nach Berlin erfolgte, indem der Darsteller an einem 25 Meter langen gespannten Seil im Saal des Pfeiffer-Hauses – als Überflieger an einer „Flying box“ hängend – rasend schnell über die Köpfe des Publikums hinweg rauschte.

In Berlin, so die Handlung, traf er unter anderem auf Professor Horstus (Thomas Henneke als Seehofer) und auf „Angie“. Soll niemand sagen, dass die Frau aus dem Osten keinen Biss hat! Im Singspiel stellte Anna Eberle in überzeugender Manier eine Bundeskanzlerin Angela Merkel dar, die wie ein Vampir kräftig zuschnappte und „alle Schurken zur Strecke bringt“. Das Singspiel war, obwohl es sich mit 75 Minuten doch in die Länge zog, der Schlusspunkt und zugleich der Höhepunkt bei den drei Aufführungen des Schongauer Schockerbergs. Dazu kamen gut 800 Besucher ins Jakob-Pfeiffer-Haus.

Im Singspiel zeigte Merkel schon im ersten Akt beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (Thomas Schleich) Biss. Auch setzte sie ihre scharfen Zähne bei US-Präsident Donald Trump (Robert Stöhr), dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un (Oliver Kellermann) und sogar beim russischen Präsidenten Wladimir Putin (Max Bertl) an. Das zweite Bühnenbild war in Bayern: Da traten Ilse Aigner (Julia Keltsch), Seehofer und Söder ins Rampenlicht.

Söder in Strapsen

Söder zeigt Haut, Merkel sorgt als Vampir für Schrecken. Der Schongauer Schockerberg kam erneut gut an. © Jais
Söder zeigt Haut: Der Schongauer Schockerberg kam erneut gut an. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Die Schönachdorfer Feuerwehrkapelle und  Frontman Jürgen Fischer ziehen ein. © Jais
Diesmal war der Auftritt der Schönachdorfer Feuerwehrkapelle schon vor dem Singspiel dran. © Jais
Diesmal war der Auftritt der Schönachdorfer Feuerwehrkapelle schon vor dem Singspiel dran. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Hopser: Die Feuerwehr-Kapelle bittet zur Bobfahrer-Action. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Mit Starkbier und bissigem Humor: Das Schockerberg-Erfolgrezept ging abermals voll auf. © Jais
Zähes Koalitions-Ringen: Anna Eberle als Angela Merkel mit Anton Hofreiter (Michael Eberle) und FDP-Chef Christian Lindner (Benjamin Keltsch). © Jais
Kommt ein Söder geflogen: Luitpold Braun junior setzt schwebend zum Finale an. © Jais

Es folgten Szenen zu den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Zunächst machte Anna Eberle als „Angie“ inmitten des Grünen Anton Hofreiter (Michael Eberle) und des FDP-Chefs Christian Lindner (Benjamin Keltsch) einen entspannten Eindruck. Bis letzterer die Verhandlungen platzen ließ. Im nächsten Bild gab Michael Reith den weinenden Martin Schulz (SPD); Florian Stögbauer schlüpfte als junger Mann mit schwarzer Perücke in die Rolle der Fraktionschefin Andrea Nahles. Im Mittelpunkt schließlich wieder der schöne Söder, da gab Luitpold Braun den Transvestiten – sogar mit Nürnberger Akzent. Braun ist als Regisseur der große Impulsgeber beim Singspiel.

Andere Reihenfolge

Die Akteure waren beim Schockerberg im Wesentlichen dieselben. Neu war Maria Scholz aus Sachsenried, die zusammen mit dem CSU-Ortvorsitzendem Oliver Kellermann die Beiträge anmoderierte. Im Unterschied zu den Vorjahren wurde 2018 die Abfolge geändert: Der Auftritt der Schönachdorfer Feuerwehrkapelle mit Frontman Jürgen Fischer kam vor dem Singspiel.

Und er hatte jede Menge Lokalkolorit. Zur Melodie von Johnny Cashs Countrysong „The ring of fire“ ging‘s um Falk Sluytermans große Eier, die seine Frau Cordula auf dem Fischerhof in Hohenfurch kaufte und die er dann auf Facebook postete. So reagierte der Bürgermeister auf den Vorwurf bei einer Demo gegen die Strabs, wo gefordert wurde: „Wir brauchen einen Bürgermeister mit Eiern“.

Das Publikum wurde einbezogen: Kommandant Fischer forderte auf zu „Finger hoch“ bei Fragen wie „Wer wurde von Landrätin Andrea Jochner-Weiß schon mal gedrückt?“ oder „Wer im Saal wählt die CSU?“ Auch sorgte die Feuerwehrkapelle dafür, dass sich was rührte: Die Besucher wurden ermuntert aufzustehen, die Hand auf die Schulter des Vordermannes zu legen und beim „Bobfahrer-Lied“ den Oberkörper nach links, nach rechts, vor und zurück zu bewegen und mitzusingen. Dabei wurde auf die Begebenheit reflektiert, dass Landrätin Jochner-Weiß in der Rodelbahn am Königsee im Viererbob mitgefahren ist und sich blaue Flecken zugezogen hat.

Bruder Okulus

Robert Kassebaum gab nach dem Fassanstich des Schockerbocks, den Markus Langer braute, wieder den Fastenprediger Okulus. Er frotzelte über die Frequenz auf dem Marienplatz und würdigte an den Teilnehmern der Montagsdemos zur Abschaffung der Strabs, dass sie Schongau „zur Hauptstadt des Widerstands“ gemacht hätten. Auch verlor er anerkennende Worte zur Öffnungszeit beim Bikerpark, der immerhin zwei Monate im Jahr offen habe. Und er prophezeite frischen Wind im Rathaus, wenn der Gastronom Huber Beni vom Löwenhof jetzt zur Stadt wechsle und Standortförderer werde.

Marianne Porsche-Rohrer zeigte sich im Blaumann und mit Kelle als Maurer von der Grundschulbaustelle. „Ja, Bernbeuren ist so ein heißes Eisen – da könnte die Andrea Geschick beweisen“, sagte Porsche-Rohrer zum Streit um den Schnitzer-Stadel. Sie spannte thematisch einen breiten Bogen. Dabei bekam schließlich der Stimmkreisabgeordnete Alexander Dobrindt als neuer Landesgruppenchef der CSU auch sein Fett ab: „Er ist doch so schön, so schlank und apart – es gibt gar nicht viele von seiner Art.“

Luigi von Südtirol

Markus Wühr besuchte als Luigi aus Südtirol das Mittelzentrum, das jetzt Ammer-Lech-Land heißt. Dies sei durchaus mit einem Bauernhof zu vergleichen. Schongau sei der Kuhstall; da verdiene man das Geld an der gemolkenen Milch. Die „gackerten Hennen“ seien in Altenstadt daheim. Und in Peiting stünde der Saustall, schenkte Wühr kräftig ein. All die Beiträge und dazwischen Musik von der Stadtkapelle – heuer ohne Verstärker und in kleiner Besetzung mit 16 Bläsern – führten doch zu einem ausgedehnten Programm mit fünf Stunden Länge.

Johannes Jais

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