Arbeiter in den Startlöchern

Dreifaltigkeitskirche: Jugendräume werden umgebaut, die Glocken saniert

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Die Fenster sind der ganze Stolz der Kirche. Doch noch gehen sie in dem dunklen Chorraum etwas unter. Das soll sich nach der Sanierung ändern.

Schongau – Die Liste ist lang. An dem gut 100 Jahre altem Gebäude der Dreifaltigkeitskirche muss einiges repariert, renoviert und saniert werden. Auch das Gemeindehaus ist überholungsbedürftig. Natürlich kann das nicht alles aufeinmal erledigt werden. Doch Schritt für Schritt kommt die Evangelisch-Lutherische Gemeinde ihrem Ziel näher.

„Es sieht hier nicht sehr einladend aus“, gibt Pfarrerin Julia Steller zu, als sie die Jugendräume im Keller des Gemeindehauses betritt. Das liegt wohl vor allem daran, dass durch die kleinen Fenster kaum natürliches Licht dringt. „Man merkt halt, dass man in einem Keller ist.“

Doch das soll nicht mehr lange so bleiben. Bei all den Arbeiten, die bei Kirche und Gemeindehaus anstehen, sind die Umbaumaßnahmen der Jugendräume gerade der Schwerpunkt. Wie die Pfarrerin erzählt, soll es mit den Arbeiten bereits in den nächsten Wochen losgehen. „Die Genehmigungen haben wir schon alle und der Plan des Architekten steht auch“, strahlt Steller. Dass es jetzt alles recht schnell vorangeht, liege auch an den Jugendlichen. Die seien „total engagiert“ und würden eigene Ideen einbringen.

Konkret ist geplant, neue Fenster einzubauen, die auch den Brandschutzbestimmungen entsprechen. Thema Fluchtwege. Im vorderen Bereich soll zudem ein Lichtgraben geschaffen werden, wie Steller anhand des bereits fertigen Bauplans zeigt. In die Wand wird eine Glastür eingebaut, die nach draußen in den angrenzenden kleinen Garten führt. Dafür muss natürlich ordentlich Erde abgetragen werden. Der kleine Garten wird dann voraussichtlich im Frühling von den Jugendlichen zusammen mit einem Gartengestalter angelegt.

Mit Eigeninitiative zum Ziel

Für die Innenräume wünschen sich die Jugendlichen einen neuen Anstrich. Dass das alles nicht gerade günstig ist, ist klar. Etwa 55.000 Euro kostet die Kirchengemeinde der Umbau der Kellerräume. Die jungen Mitglieder der Kirche wollen ihren Teil dazu beitragen. Nach Beendigung der Umbauarbeiten, wollen sie eine Art Mini-Benefizkonzert in den Räumen geben. Steller freut sich sehr über die Eigeninitiative der Jugendlichen.

Vom Jugendraum geht es die schmalen Holztreppen hoch in den Kirchturm. Denn auch die Glockensanierung steht ganz oben auf der To-Do-Liste der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde. „Das Geld dafür haben wir fast zusammen“, lächelt Steller. Eigentlich fehle nur noch das Geld für eine Fernbedienung. Denn wie fast alles heutzutage, sollen auch die Glocken per Fernsteuerung bedienbar sein.

Dabei geholfen, das nötige Kleingeld zusammen zu bekommen, hat sicherlich das Sommerfest, bei dem zahlreiche Aktionen und Erlebnisse versteigert wurden. Das Geld dafür fließt in die Glockensanierung, die insgesamt rund 30.000 Euro kosten wird.

Wie viel schon zusammen gekommen ist, macht auch ein Puzzle sichtbar, das im Schaukasten der Pfarrgemeinde hängt. Es besteht aus 200 Teilen, ein Puzzlestück steht dabei für 50 gespendete Euro. Und viele fehlen nicht mehr. „Eine Zeit lang sind jede Woche mehrere Teile hinzugekommen. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Steller.

Wenn die Pfarrgemeinde dann auch den letzten Cent zusammen hat, muss so einiges erneuert werden. Die Glocken selbst sind überholungsbedürftig. Steller deutet auf die vorderste Glocke. Es sind deutliche Absprengungen zu sehen. „Das liegt daran, dass der Klöppel viel zu groß und zu hart ist“, erklärt die Pfarrerin. Zudem ist die Joche, der Teil, an dem die Glocken aufgehängt sind, stark verrostet. Neue Teile aus Eiche sollen Abhilfe schaffen. „Die rosten dann nicht mehr und halten locker die nächsten hundert Jahre.“ Auch der Motor der Glocken muss erneuert werden. „Der schwimmt im Öl. Das ist heute gar nicht mehr zulässig.“

Weil bei den Glocken ja auch die Akustik sehr wichtig ist, werden zudem die Schallläden am Kirchturm erneuert. Deren Winkel ist nämlich extrem ungünstig, wie Steller bemängelt. Beschallt wird quasi nur die umliegende Nachbarschaft. „Aber der Glockenklang soll ja in die Weite gehen.“

Da kommt noch mehr

Jugendraum und Glocken. Das sind derzeit also die Prioritäten. Aber beim Abstieg vom Kirchturm in die Kirche selbst wird klar, das da noch einiges mehr ansteht. An den Wänden sind große farbige Quadrate als Farbtest gemalt worden. Die hinterste Bank direkt am Eingang hat mittlerweile auch drei verschiedene Farben. Bis irgendwann tatsächlich alles erledigt ist, wird die Pfarrgemeinde etwa 753.000 Euro ausgegeben haben. Zumindest belaufen sich darauf die bisherigen Berechnungen, wie Steller erläutert. Der Großteil des Geldes ist bereits gesichert. Doch rund 50.000 Euro fehlen noch, für die die Pfarrgemeinde auf Spenden angewiesen ist. Allerdings betont Steller, dass es nicht nur um Geldspenden gehe. „Jede Art von Unterstützung ist willkommen.“ Wer also nicht gerade zwei linke Hände hat, kann auch die ein oder andere Arbeit übernehmen. So spare man sich das Geld für teure Handwerker.

Mit der Kirchensanierung dauert es übrigens nicht mehr lange. „Die Pläne stehen schon.“ Die Landeskirche von Bayern müsse bei ihrer nächsten Sitzung im Winter nur noch grünes Licht geben. „Wir werden dann wahrscheinlich im Frühjahr mit der Sanierung beginnen.“

Und gemacht werden muss hier einiges. Vom Kirchturm verputzen über die Erneuerung der 70er Jahre Mikrophonanlage bis hin zum Bankanstrich. Der bisher doch eher düstere Chorraum soll dann auch einen neuen Glanz bekommen. Steller hofft, dass dadurch die drei kunstvollen Kirchenfenster auch besser zur Geltung kommen. „Die sind wirklich unser ganzer Stolz.“ Das liege nicht nur daran, dass sie von dem Schongauer Künstler Hubert Distler entworfen wurden, sondern weil sie ein „wunderschönes Farbspiel aufwerfen, wenn die Sonne abends reinscheint.“

Neben der Kirchensanierung fehlen dann nur noch die Orgelsanierung – die Pfeifen haben über die Jahre nämlich schon Schimmel angesetzt – und die Umbauarbeiten für ein barrierefreies und inklusives Gemeindehaus.

Wer noch mehr über die anstehenden Arbeiten erfahren möchte, kann dies in der neu erstellten Broschüre der Pfarrgemeinde tun. Darin sind auch verschiedene Spendenmöglichkeiten aufgelistet.

Stephanie Novy

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