Dunkle Wolken

Schongauer Kleiderkammer vor dem Aus

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Zwei der ersten Stunde der Kleiderkammer Schongau sind Karin Toth und Sonja Zeug (v. links). Sie wollen nach vier Jahren die Einrichtung an jüngere Helfer übergeben.

Schongau – Es ist eine Geschichte, die sich zur Erfolgsgeschichte gemausert hat. Seit fast vier Jahren besteht die Kleiderkammer Schongau, die im Köhlerstadl ihre Räumlichkeiten hat. Doch es hängen jetzt schwarze Wolken über der Einrichtung. Das ehrenamtliche Personal muss aus gesundheitlichen Gründen die Kleiderbügel an die sprichwörtlichen Nägel hängen. Findet sich kein Nachfolgepersonal, muss die beliebte Einrichtung geschlossen werden.

Wer hätte damals im Oktober 2015 sich vorstellen können, dass die Einrichtung der Schongauer Kleiderkammer so einen Erfolg verbuchen wird. Sicherlich nur eine Handvoll, aber die waren felsenfest davon überzeugt. Zu den Initiatorinnen der ersten Stunde gehörten Sonja Zeug und Karin Toth. Sie verfolgten damals den Zustrom der Asylbewerber nach Schongau und nahe Umgebung. „Wir wollten einfach nur helfen und diese Menschen unterstützen“, erinnert sich heute Sonja Zeug. Da sie erkannte, dass gerade Kleidung an allen Ecken und Kanten fehlte, holte sie Karin Toth mit ins Boot, um vor allem Bekleidung und Schuhwerk für die Asylbewerber zu sammeln.

„Sehr große Unterstützung erhielten wir durch die Stadt Schongau. Bürgermeister Falk Sluyterman stand voll hinter uns“, erzählt Sonja Zeug weiter. Das positive Ergebnis war, dass die Räumlichkeiten im hinteren unteren Bereich des Köhlerstadels dem Kleiderkammer-Team zur Verfügung gestellt wurde. Die Initiatoren der ersten Stunde und weiter Helfer organisierten Kleiderständer und Regale, um gespendete Kleidungsstücke vor allem nach Größe einzuordnen. Selbstveständlich getrennt nach Teilen für Männer, Frauen und Kinder.

Da die Initiative bei den Asylbewerbern sehr gut ankam und sich immer mehr Menschen der breiten Öffentlichkeit sich für die günstigen Bekleidungen interessierte, wurde im Februar 2016 die Kleiderkammer für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Henriette Nitsche konnte als weitere Kraft zum Team dazugewonnen werden. Kleiderspenden kamen weit über die Grenzen von Schongau hinaus.

„Die Menschen, die jetzt zu uns kamen, konnten nicht unterschiedlicher sein“, erzählt Karin Toth. Jung und alt gab sich jeweils am Mittwoch Nachmittag die Klinke in die Hand. Junge Mütter waren auf der Suche nach Kleidung für die Sprösslinge, Schüler der Theatergruppe des Gymnasiums entdeckten hier ausgefallene Stücke für ihre Aufführungen und natürlich Asylbewerber konnten sich hier überaus kostengünstig einkleiden. „Eine unserer Stammkundinnen ist eine Seniorin aus dem Altenheim mit 93 Lenzen, die regelmäßig mit dem Rollator vor der Tür steht“, ergänzt ihre Ausführung Karin Toth. Auch wenn der Zulauf der Asylbewerber mittlerweile zurückgegangen ist, der allgemeine Zulauf ist ungebrochen. „Immer wieder entdecken wir neue Gesichter, die von uns erfahren haben“, sagt Sonja Zeug. „Und die Menschen sind dankbar um jedes Stück.“

Doch der Zahn der Zeit nagt auch an der Gesundheit der drei ehrenamtlichen Helferinnen. Nach fast vier Jahren Engagement für die Kleiderkammer will das Trio Ende Oktober Schicht im Schacht machen. Dass die Erfolgsgeschichte Kleiderkammer nicht beendet werden muss, liegt daran, neue ehrenamtliche Helferinnen oder auch Helfer zu finden. Deshalb der dringende Aufruf, damit sich wieder jemand zur Verfügung stellt. Auch dem Bürgermeister ist es ein dringendes Bedürfnis, dass diese große Lücke, die entstehen würde, geschlossen wird.

Wer sich also berufen fühlt, die Kleiderkammer in Eigenregie auf ehrenamtlicher Basis weiterzuführen, möchte dies bitte bei Vera Friedl unter Tel. 08861/214136 (Stadtverwaltung) melden. Oder per E-Mail unter servicestelle@schongau.de. Selbstverständlich werden am Anfang die „Alten“ die „Neuen“ unterstützen und einarbeiten.

Wie Sonja Zeug ankündigt, werden bis Oktober Sonderverkäufe veranstaltet. Der Erlös kommt der Familie der Explosionskatastrophe von Rettenbach zugute. Öffnungszeiten sind jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr.

Hans-Helmut Herold

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