In der dritten Runde

Stadtrat lehnt Ihle-Café im Forchet ab

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So hätte es aussehen sollen, das neue Bäckerei-Café an der Zugspitzstraße. Der Stadtrat lehnte das Bauvorhaben nun aber in dritter Runde ab.

Schongau – Erst Nein, dann Ja, jetzt wieder Nein: In einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Stadtrates hat sich das Gremium mit 6:12 Stimmen gegen das geplante Ihle-Café in der Zugspitzstraße ausgesprochen. Weniger ging es dabei aber um die Befreiungen vom Bebauungsplan, als vielmehr um das Vorhaben an sich.

Bereits zweimal war der Antrag auf Vorbescheid bezüglich des Neubaus eines Bäcker-Cafés in der Zugspitzstraße 1 im Bauausschuss beraten worden. Mitte Mai hatte das Gremium hauchdünn gegen den Neubau gestimmt. Schon damals hagelte es Kritik an den Plänen der Landbäckerei Ihle: Zum Einen gegen die zahlreichen Befreiungen vom Bebauungsplan, zum Anderen wünschte sich eine knappe Mehrheit der Bauausschussmitglieder auf dem Grundstück am Kreisel Wohnbebauung (der Kreisbote berichtete). Außerdem wurde der Wunsch geäußert, mehr Informationen zum genauen Vorhaben zu erhalten.

Ihle besserte nach. In der vorvergangenen Woche stellte Bernhard Bauer, bei dem Unternehmen für Expansion und Vertrieb zuständig, dem Bauausschuss die überarbeiteten Pläne vor. Unter anderem wurde die Terrassenanlage reduziert und die Stellplätze neu aufgeteilt. Eine Schallschutzwand zum Nachbargrundstück tauchte nun ebenfalls in den neuen Plänen auf. Auch den Wünschen nach einem begrünten Flachdach, war Bauer bereit nachzukommen. „Wir machen das alles so, wie die Stadt es will“, versicherte der Vertriebsleiter.

Konkret plant Ihle ein zweigeschossiges Gebäude auf 300 bis 400 Quadratmetern. Schwerpunkt soll auf dem gastronomischen Angebot liegen, versicherte Bauer. Also ein Café, das Montag bis Samstag zwischen 6 und 20 Uhr sowie Sonntag von 8 bis 17 Uhr geöffnet sein soll. Auf Nachfrage sagte Bauer, man könne sich auch vorstellen, das Angebot auf den Abend auszudehnen, wenn der Bedarf da ist. Den Standort in der Tannenberger Straße wolle man aufgeben. „Wir stellen uns da oben schlecht dar“, so Bauer. Die Filiale würde der Marke Ihle nicht mehr gerecht.

Das kam bei einer knappen Mehrheit (4:3 Stimmen) gut an. Der Bauausschuss stimmte dem Antrag auf Vorbescheid zu. Da­rin enthalten waren Befreiungen von der Baugrenze, der Gebäudeform, dem Lärmschutzwall und für die Lärmschutzwände sowie der Dachform, -neigung und -eindeckung.

Mit der Begründung, die weitgehenden Ausnahmen würden dem Bebauungsplan nicht gerecht, reichte Michael Eberle (CSU) jedoch am gleichen Tag für seine Fraktion noch einen Antrag ein, der Punkt möge noch einmal im Stadtrat behandelt werden. Nachdem die Verwaltung den Antrag auf seine Zulässigkeit hin geprüft hat, wurde kurzerhand eine Sondersitzung des Stadtrates für den vergangenen Dienstag einberufen. Da der Antrag der Firma Ihle bereits am 12. Juni eingegangen ist, muss die Entscheidung darüber bis spätestens 12. September vorliegen – nach der Sommerpause wäre es also zu spät gewesen. „Der Beschluss des Bauausschusses besitzt nun keine Gültigkeit mehr“, stellte Hauptamtsleiterin Bettina Schade zu Beginn der Sitzung fest.

Erneut trug also Bauamtsmitarbeiter Michael Wölfle das Vorhaben vor, genauere Erläuterungen übernahm wie in der Woche zuvor Bernhard Bauer von Ihle. Was folgte, war eine lange Pro- und Contra-Liste der Stadträte. Antragsteller Eberle führte die Festsetzungen im Bebauungsplan an: „Wollen wir diese Regeln alle über Bord werfen?“, fragte er seine Stadtratskollegen. Bürgermeister Falk Sluyterman verwies darauf, dass es sich hier ja nicht um ein „Lex Ihle“ handele. Es handele sich um ein Misch­gebiet, in dem ein solches Bäcker-Café durchaus zulässig sei. „Solche Befreiungen sind ja keine Besonderheit, die erteilen wir im Bauausschuss am laufenden Band“, so der Rathauschef.

Für Siegfried Müller (ALS) hatte die ganze Sache einen „eigenartigen Beigeschmack“. Er kritisierte, dass Eberle in der Woche zuvor, als es zur Abstimmung kam, selbst nicht im Bauausschuss anwesend war und auch keinen Vertreter geschickt habe. „Stattdessen sitzen wir jetzt zum dritten Mal hier“, so Müller.

„Dieser Neubau und die damit verbundenen Anlieferungen ab vier Uhr morgens sind für die Nachbarn unzumutbar“, warf Peter Huber (SPD) ein. Außerdem sei es „beinahe pervers, dieses Ding noch neben einen einheimischen Bäcker hinzuklatschen“. Gemeint ist die Bäckerei Enzensperger mit ihrem Geschäft am Karwendelring in unmittelbarer Nähe. Der ortsansässige Bäcker hatte eine Unterschriftenaktion gegen den geplanten Ihle-Neubau gestartet, für die innerhalb weniger Tage rund 800 Bürger unterzeichnet haben.

„Das hat der Bürger doch selber in der Hand“, sagte Ilona Böse (SPD). Sie sehe in dem neuen Ihle keine Konkurrenz zur Bäckerei Enzensperger. Dem konnte Nina Konstantin (ALS) nur zustimmen: „Ich sehe darin eine Belebung – speziell für ältere Leute“.

Dass das überhaupt nicht Gegenstand der Diskussion sei, hob Bürgermeister Sluyterman noch einmal hervor: „Es geht hier ausschließlich ums Baurecht.“ Wenn der Investor nämlich keine Befreiungen vom Bebauungsplan bräuchte, dürfte er dort sowieso bauen. Doch das änderte nichts. Tobias Kalbitzer (ALS), der zugab, keine Ahnung vom Baurecht zu haben, fühlte sich bei der Entscheidung nicht gut. Er zählte das gastronomische Angebot auf und betonte, die Leute hätten in der Gegend genug Auswahl.

„Den Ihle gibt es da oben doch eh schon“, ergriff Müller erneut das Wort. In Schongau habe er es in seiner langen Zeit als Stadtrat immer wieder mit solchen Ängsten zu tun. „Aber solche Abschottungsmaßnahmen führen nicht zum Ziel“, so der ALS-Mann. Die Entscheidung fiel letztendlich mit 6:12 Stimmen gegen den Antrag. 

Astrid Neumann

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