Aus Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"

+
Geht es den Wildschweinen im Sachsenrieder Forst an den schwarzen Kittel?

Landkreis – Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest treibt Landwirte und Jäger um. Noch hat das Virus die Bundesrepublik nicht erreicht, doch aus Osteuropa kommend, nähert es sich der deutschen Grenze. Am Dienstagabend fand auf Initiative des Arbeitskreises Wildtiere in Bayern der Region Sachsenrieder Forst ein Infoabend im Gasthaus Janser in Schwabniederhofen statt. Vorherrschende Forderung dabei: Die deutliche Reduzierung der Wildschwein-Bestände, teils mithilfe umstrittener Methoden.

Es ist eine fiktive aber keineswegs unwahrscheinliche Vorstellung: Auf seiner Fahrt legt der polnische Lkw-Lenker Jakub Nowak eine kurze Pause im Sachsenrieder Forst ein. Als ihm seine Salami-Semmel auf den Boden fällt, lässt er sie liegen. Wenige Stunden später macht sich ein Wildschwein darüber her. In genau diesem Moment erreicht die Afrikanische Schweinepest Deutschland. Sperrbezirke mit Notschlachtungen, Pufferzonen und viele Maßnahmen mehr sowie große wirtschaftliche Schäden für die Landwirtschaft in der Region und weit darüber hinaus sind die Folge.

Spätestens seit die für Menschen gesundheitlich ungefährliche Seuche im Jahr 2014 in den östlichen Ausläufern der EU festgestellt worden ist, herrscht Alarmbereitschaft. Vor wenigen Wochen hielten Bund und Länder eine gemeinsame Übung ab, die auf den Ernstfall vorbereiten sollte. Wie hartnäckig die Afrikanische Schweinepest ist, zeigt das Beispiel Sardinien: Dort im Jahr 1978 eingeschleppt, hat sie die Insel seitdem nicht mehr verlassen.

Die deutschen Landesämter und Ministerien sensibilisieren Landwirte, Jäger und Verbraucher mit detaillierten Hinweisen und Vorschriften. Der vermehrte Fund toter Wildschweine ist zu melden und Proben einzuschicken. Beim Füttern von Hausschweinen ist Vorsicht geboten, Speisereste im Sautrog sind verboten und der Betriebshygiene ein verstärktes Augenmerk zu widmen. Der Kontakt zwischen Wild- und Hausschwein, er ist – indirekt ebenso wie direkt – unbedingt zu vermeiden.

Andreas Tyroller, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern beim Bayerischen Bauernverband, kennt sich mit dem Thema aus. Er hat am Dienstagabend vor knapp 100 Interessierten im Schwabniederhofener Gasthaus Janser dazu referiert. „Wahnsinnig aufmerksam“ sei die Zuhörerschaft gewesen. Sachlich hätte man sich des Themas angenommen, keine Spur von der „Polemik“ und den „Schuldzuweisungen“, die er andernorts zwischen Landwirten, Jägern und anderen Akteuren häufig beobachte.

Die Empfehlung, die er für den „ganzen Landkreis und alle drumherum“ ausgibt und die sich seiner Beobachtung nach mit der Meinung seiner Schwabniederhofener Zuhörerschaft deckt, ist eindeutig: „Die Schwarzwildbestände sind drastisch zu reduzieren.“

Dabei gilt die Wahrscheinlichkeit, dass ein infiziertes Wildschwein die Grenze überquert und hiesige Bestände ansteckt, als deutlich geringer als eine durch Menschen beschleunigte Verbreitung der Krankheit – wie sie das fiktive Beispiel von Lkw-Fahrer Nowak skizziert.

Dennoch: „Schwarzwild ist ein äußerst bedeutsames Seuchenreservoir“, sagt Tyroller, das zudem für teure weitere Schäden verantwortlich sei. Seine Handlungsempfehlung fußt auf zwei Säulen. Da wäre einerseits die „Schwerpunktbejagung an schadexponierten Stellen“, die den Jägern durch den genehmigungspflichtigen Einsatz von Nachtzielgeräten und durch Schussschneisen in Maisfeldern zu erleichtern sei, so Tyroller.

Weil der Schwarzkittel jedoch nicht nur sehr clever ist – das Schwein gilt als eines der intelligentesten Säugetiere überhaupt – sondern auch schnell die Flucht ergreift, ließen sich die Bestände so kaum reduzieren. „Man muss sich mit der ganzen Rotte beschäftigen und diese möglichst vollständig erlegen“, so Tyroller, der großflächige Drückjagden im Gespräch mit dem Kreisboten als probates Mittel erachtet.

Auch den Einsatz umstrittener Saufänge – das sind Gatter, in die Rotten gelockt und dann Schwein für Schwein getötet werden – hält er für zielführend. „Das dauert nur ein paar Minuten. Die Argumente, das sei eine ‚Mittelalter-Methode‘, ist reine Polemik.“ Saufänge würden im Naturpark Bayerischer Wald „seit Jahrzehnten sauber angewandt“. Die Panik, die die Tiere dort durchlitten, sei „besser, als permanenter Jagdstress.“

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Von Urnen, Stelen und Bäumen
Von Urnen, Stelen und Bäumen
Ein steriler Kreislauf
Ein steriler Kreislauf
"Bezahlbarer" Badespaß
"Bezahlbarer" Badespaß
Samstags rollt der Enzian
Samstags rollt der Enzian

Kommentare