266 Meter und 31.000 Schrauben

Deutschlands größte Behelfsbrücke freigegeben

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Seit Samstag rollt der Verkehr über die Echelsbacher Behelfsbrücke über die Ammerschlucht zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien.
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Seit Samstag rollt der Verkehr über die Echelsbacher Behelfsbrücke über die Ammerschlucht zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien.
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Seit Samstag rollt der Verkehr über die Echelsbacher Behelfsbrücke über die Ammerschlucht zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien.
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Seit Samstag rollt der Verkehr über die Echelsbacher Behelfsbrücke über die Ammerschlucht zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien.

Rottenbuch/Bad Bayersoien – Nun rollt der Verkehr auf der größten Behelfsbrücke Deutschlands. Die Konstruk­tion mit 266 Meter Spannweite, die auf drei Hilfspfeilern steht und über die Ammerschlucht führt, ist seit Samstag für den Verkehr offen. Sie ist als vorläufiger Ersatz errichtet worden, damit das Hauptbrückenbauwerk in wesentlichen Teilen erneuert werden kann. Losgehen soll’s damit am Montag, 9. Juli.

Uwe Fritsch, der Chef des Staatlichen Bauamts in Weilheim, sprach am vergangenen Samstag von der „spektakulärsten Baustelle“ im Gebiet der Behörde, die für fünf Landkreise zuständig ist. Das Aufstocken im Budget des Bundes sei Voraussetzung dafür gewesen, dass die Echelsbacher Brücke in wesentlichen Teilen erneuert werden und damit „dauerhaft für die nächsten Generationen“ gesichert werden könne.

Christoph Prause – beim Bauamt Weilheim zuständig für den konstruktiven Ingenieurbau und damit für Brücken, berichtete vor den 80 Gästen, dass die Behelfskonstruktion einem Baukastensystem entstamme. Die Elemente wurden mit 70 Lastwagen-Ladungen von so genannten Brückenbauhöfen aus Mönchengladbach und Mainz zur Großbaustelle zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien transportiert.

Gewicht ruht auf drei Hilfspfeilern

Die mehr als 1.000 Tonnen schwere Behelfskonstruktion, die nur wenige Meter südlich der Echelsbacher Brücke die Ammerschlucht überspannt, ruht auf drei Hilfspfeilern. Der kleine Pfeiler auf der Ostseite ist 15 Meter hoch, der mittlere 50 Meter und der dritte 70 Meter hoch. Die beiden großen Pfeiler sind zwecks Statik abgespannt. 16.000 große Schrauben mussten bei der Konstruktion angezogen werden, weitere 15.000 Schrauben für den Übersteigschutz an beiden Seiten des Fußgängerweges. Alle drei Monate ist eine bautechnische Prüfung notwendig.

Prause rief in Erinnerung, dass nach einem ausführlichen „Planungsdialog“ 2013 bis 2015, der die Notwendigkeit einer Ersatzbrücke für die Bauzeit ergab, und nach dem zeitgleichen Planungswettbewerb innerhalb von sechs Monaten die Planfeststellung durch die Regierung von Oberbayern erfolgte – eine Zeit, die er „rekordverdächtig“ nannte. So konnte im Mai 2017 der Spatenstich für die Behelfskonstruktion erfolgen und das Bauwerk nun im Juni 2018 für den Verkehr freigegeben werden.

Als Sieger aus dem Planungswettbewerb war das Büro „Dr. Schütz Ingenieure“ aus Kempten hervorgegangen. Die Ausschreibung für die wesentliche Erneuerung des Hauptbrückenbauwerks – die denkmalgeschützten Bögen unten bleiben erhalten –erfolgte im Februar 2018. Mitte Juni wurde der Auftrag an die Firma Strabag in Österreich vergeben. Auftragssumme: 17,4 Millionen Euro.

Der Baubeginn für die Teilerneuerung der Echelsbacher Brücke ist auf Montag, 9. Juli, terminiert. Mitte 2021, so blickte Christoph Prause als Abteilungschef für den Brückenbau voraus, soll sie für den Verkehr freigegeben werden. Danach erfolgt bis 2023 der Rückbau der Behelfsbrücke, die immerhin auch neun Millionen Euro kostet. In den Kosten sind das Beseitigen der Behelfsrampen und der Fundamente im Ammertal sowie die Renaturierung enthalten.

Fürs Oberland wie die »Golden Gate Bridge«

Der frühere Bundesverkehrsminister und jetzige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, MdB Alexander Dobrindt, sagte bei der Feier, die Echelsbacher Brücke sei „für das Oberland das, was die Golden Gate Bridge für San Francisco darstelle“. Sie sei eine bedeutende Verbindung vom Großraum Augsburg ins Werdenfelser Land und nach Österreich. Die denkmalgeschützten Bögen, die auch Heimat der Fledermäuse seien, werden erhalten.

Dobrindt ergänzte, die zuständige Behörde in Weilheim sei wohl das am meisten mit Arbeit betraute Bauamt in ganz Bayern. Ermöglicht werde so eine große Investition trotz der Kostensteigerungen um vier Millionen Euro auf insgesamt 26 Millionen Euro – durch das Brückenbau-Programm, das der Bund aufgelegt habe und das 740 Millionen Euro umfasse.

Landtagabgeordneter Harald Kühn beschrieb die Brücke als wichtigen Baustein für die Zukunft. Sie sei zugleich Beleg dafür, dass man bei der Infrastruktur auch im ländlichen Raum zum Durchbruch gelange.

Im Anschluss an das symbolische Durchschneiden des Bandes auf der Westseite spazierten die Gäste auf der 6,10 Meter breiten Fahrbahn hinüber zur Ostseite und wieder zurück, ehe die Baken beiseite geräumt wurden und der Verkehr fließen konnte. Dabei konnten die „Wanderer“ einen interessanten Blick auf die imposante Echelsbacher Brücke nebenan werfen.

Die Baken wurden dann zur 1930 erbauten Echelsbacher Brücke versetzt, wo am Samstagvormittag ab halb elf Uhr kein Auto mehr unterwegs war. Diese ungewohnte Situation nutzten zwei Frauen, die ihre Pferde über die lange Brücke Richtung Echelsbach führten, ohne dass sie von irgendeinem Auto oder Motorrad gestört wurden.

Johannes Jais

Rubriklistenbild: © Jais

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