Planungswettbewerb für Echelsbacher Brücke

Lösung für "Problemfall"

+
Der Zahn der Zeit nagt an der Echelsbacher Brücke. In fünf Jahren soll daher die Sanierung beginnen.

Rottenbuch – Der Putz bröckelt, Risse breiten sich aus, die Fahrbahn ist uneben. Die Echelsbacher Brücke ist in die Jahre gekommen. Maximal zehn Jahre würde sie noch durchhalten, vermuten die Experten vom Staatlichen Bauamt in Weilheim. Daher muss schnell gehandelt werden.

„Auf Dauer können wir nicht zusehen, wie sich die Schäden weiter ausbreiten“, sagt Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts. Verschiedene Einflüsse von außen setzen der 1929 fertiggestellten Brücke zu. Vor allem der immer schwerere Verkehr beschleunigt den Verfall. 9 185 Fahrzeuge überqueren durchschnittlich jeden Tag die Echelsbacher Brücke. 7,2 Prozent davon sind Lastwagen. „Auch die Umwelteinflüsse und das Salz im Winter nagen an der Brücke“, erklärt Kordon. 

Nun stellte sich die Frage: Soll die Brücke abgerissen, teilerneuert oder saniert werden? Ein Abriss steht auch schnell außer Frage. „Wir gehen mit Respekt mit den alten Bauwerken um“, betont Kordon. Das erfreute natürlich auch die Denkmalschützer. Dennoch gab es einen „Blumenstrauß an denkbaren Lösungen“, weiß Kordon. „Das Dreigestirn aus Naturschutz, Denkmalschutz und Verkehr“ galt es daher unter einen Hut zu bringen.

Bei sechs Arbeitskreissitzungen berieten daher Naturschützer, Gemeindevertreter, Denkmalschützer und die zuständigen Experten des Bauamtes darüber, wie es mit der Brücke weitergehen soll. „Jeder hat berechtigte Interessen im Auge“, zeigt Kordon Verständnis für alle Seiten. „Ein Bauingenieur denkt anders als ein Ökologe oder ein Bürgermeister.“ 

Eine Besonderheit ist aber nicht nur, dass die beiden Rundbögen der 182 Meter langen und somit längsten Merian-Bogenbrücke der Welt, erhalten werden sollen. Auch die Natur bei der Bauplanung muss berücksichtigt werden. Die Ammerschlucht ist ein ausgewiesenes FFH-Gebiet. Das bedeutet Flora, Fauna und Lebensraum gelten laut EU-Richtlinie als besonders schützenswert. Doch nicht nur die Schlucht an sich, sondern auch die Fledermauskolonie, die sich im südlichen Bogen der Brücke eingenistet hat, ist ein eigenständiges FFH-Gebiet. Die Tiere gehören der Fledermausart „Großes Mausohr“ an und haben sich bei der letzten Erneuerung der Fahrbahn in den 80er-Jahren relativ unbeeindruckt von den Baumaßnahmen über ihrem Zuhause gezeigt. Das Bauamt geht daher davon aus, dass die Kolonie sich auch dieses Mal nicht aus der Ruhe bringen lassen wird und die „ökologisch wertvolle Brücke“, wie sie Kordon bezeichnet, weiterhin als Herberge für die nach Bundesartenschutzverordnung geschützen Tiere erhalten bleibt.

Um allen Seiten gerecht zu werden, wurde im Dialogverfahren nach einer zufriedenstellenden Lösung für den „Problemfall Echelsbacher Brücke“ gesucht. Dieses wurde von Markus Michalka geleitet. „Es herrschte eine sehr konstruktive Atmosphäre“, zeigt sich der Wirtschaftsmediator zufrieden. „Probleme, Vorschläge und Grenzen wurden gemeinsam erarbeitet und immer wieder die Machbarkeit geprüft.“ Schließlich kam heraus, dass eine Behelfsbrücke und die Sanierung der alten Brücke mit gleichzeitiger Erhaltung der beiden Rundbögen und einem möglichst geringen Eingriff in das Ammertal die Lösung ist, die angestrebt wird.

Auch Karl Goj, laut Kordon „oberster Brückenbauer“ Bayerns sagt, im Innenministerium sei man „zufrieden mit dem Ergebnis“. Zunächst sei man zwar erstaunt gewesen, da eine vorherige Einschätzung der Obersten Baubehörde den Denkmalschutz höher stellte. Doch schnell sei deutlich zu erkennen gewesen, dass den umliegenden Gemeinden vor allem der Verkehr wichtig ist. 

Nun soll also eine Behelfsbrücke etwa 30 Meter südlich von der alten Brücke entstehen. Maximal ein halbes Jahr soll deren Bau dauern, da auf mehrfach verwendbare Fertigteile, die bereits existieren, zurückgegriffen wird. Läuft der Verkehr an der neuen Stelle, ist dann die Echelsbacher Brücke selbst an der Reihe. Deren Sanierung wird dann etwa zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Der Baubeginn ist allerdings erst in fünf Jahren geplant. Und selbst das ist laut Goj ein „sportlicher Termin“. 

Etwa 15 Millionen Euro sollen die Baumaßnahmen, die vom Bund finanziert werden, nach derzeitigem Sachstand kosten. Wie stark die Schäden sind, sehe man aber oft erst bei der Sanierung. Genauere Schätzungen können daher momentan noch keine abgegeben werden. Nun wird ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich Planungsteams bewerben können. Mitte des Jahres bekommen sieben von ihnen genauere Unterlagen, Ende des Jahres entscheiden die Preisrichter dann, welcher Entwurf gewinnt. „Es ist eine sehr komplexe Maßnahme“, erklärt Goj. „So etwas gab’s in ganz Bayern noch nicht.“

Von Ursula Gnadl

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder

Kommentare