»Ganz nah am Bürger«

Auf Streife mit der Sicherheitswacht Schongau

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Auch hierhin führt sie ihr Rundgang immer wieder: Die überdachte Stadtmauer ist eine beliebte Party-Location, wissen Phillip Bissot und Thomas Arndt (links).

Schongau – Es ist ein Thema, das vielerorts diskutiert wird, bisweilen auch sehr kontrovers. Zuletzt beispielsweise in Landsberg oder in Weilheim: Die Einführung einer bürgerschaftlichen Sicherheitswacht. Schongau ist da schon einen Schritt weiter, seit neun Jahren unterstützen Ehrenamtliche die Polizei in ihrer Arbeit und fungieren als Bindeglied zur Bewohnerschaft in der Lechstadt. Der Erfolg gibt dem Projekt recht, die Zusammenarbeit hat sich seither eingespielt und bewährt. Der Kreisbote hat sich mit zwei Freiwilligen auf ihre abendliche Tour gemacht.

Es ist ein lauer Sommerabend, als sich Thomas Arndt und Phillip Bissot auf ihren Rundgang durch die Altstadt aufmachen. Die beiden sind Mitglieder der Sicherheitswacht Schongau und wie alle anderen im Team ehrenamtlich tätig. Gegründet wurde die Sicherheitswacht am Ort vor zirka neun Jahren. Bissot, Mitglied der ersten Stunde, erinnert sich noch gut an die Anfänge.

Seinerzeit wurde der alleinerziehende Vater mit der Situation konfrontiert, dass sich Grundschulkinder im Alter seines Sohnes bedroht fühlten. Er suchte das Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister, um die Gründungsbestrebungen der Sicherheitswacht zu unterstützen. Klar, dass er sich sofort für die erste Generation beworben hat. Arndt, der hauptberuflich als Pfleger im Schongauer Seniorenstift arbeitet, stieß gleich im nächsten Jahr dazu. Aktuell sind neun Ehrenamtliche aktiv, darunter drei Frauen.

Die Runde führt die beiden Männer heute nicht nur in die Altstadt, sondern auch in die Außenbezirke, zur Lech-Staustufe und den Spielplätzen. Besonders die neuralgischen Punkte werden angesteuert. So zum Beispiel der Friedhof, wo es kürzlich eine Sachbeschädigung an der Beleuchtung gab, oder in die Tiefgarage, in der sich Jugendliche ab und zu auf eine Partie Fußball zwischen den Autos treffen. Auch die überdachte Stadtmauer ist ein beliebter Platz, um dort abends gerne ein bisschen abzufeiern.

Die Kirche im Dorf

„Dagegen hat ja grundsätzlich niemand etwas“ stellt Bissot klar. Nur, wenn die Feiernden danach ihren Müll liegen lassen, stört das nicht nur die beiden Sicherheitswachtler. Die haben allerdings auch Verständnis für die Jugend. „Wir waren ja schließlich auch mal jung“, erinnert sich Arndt. Und Bissot ergänzt: „Da muss man schon mal die Kirche im Dorf lassen und nicht die Autoritätsperson raushängen lassen.“ Durch vernünftige Gespräche kehre meist Einsicht ein und zur Not hilft auch mal die Frage nach den Personalien.

Beide, Bissot und Arndt, haben das Gefühl, dass die Anzahl an Vorkommnissen seit Gründung der Sicherheitswacht stark zurückgegangen ist. Besonders die Wildpinkler sind bedeutend weniger geworden. „Manchmal ist es sogar etwas zu ruhig in der Stadt“, findet Arndt. Jeder aus dem Team ist drei bis fünf Mal im Monat im Einsatz, so kommen sie auf maximal 15 Stunden pro Mitglied. In den Anfängen wurden an die Schicht auch mal zwei bis drei Stunden herangehängt, wenn es gerade notwendig war. Das komme nun aber fast gar nicht mehr vor.

Vorbehalte abgebaut

Die Kollegen von der Polizei Schongau sind froh um die Verstärkung. „Für eine reguläre Polizeistreife fehlen uns einfach die Kapazitäten“, so Michael Jahn von der Inspektion Schongau, dem die Koordination der Sicherheitswacht obliegt. Auch wenn er ab und zu mal mit auf die Runde geht, um auf dem Laufenden zu bleiben.

„Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist sehr kollegial“, lobt Arndt. Am Anfang hätte es zwar ein paar Vorbehalte gegeben, die hätten sich aber schnell zerstreut. „Wir sehen uns weder als Hilfspolizisten, noch als ­Sheriffs“, betont Bissot. Das merken auch die Bürger, bei denen die Organisation offenbar mittlerweile gut angenommen wird, wie die beiden Sicherheitswachtler an den Reaktionen feststellen. Dabei helfen auch kleine Erfolge, wie das Aufgreifen eines Graffiti-Sprayers, der im Februar unter anderem den Brunnen am Marienplatz beschmierte.

Bindeglied zum Bürger

Doch es wird nicht nur kontrolliert: Die Sicherheitswacht soll vor allem als Bindeglied zum Bürger fungieren und Hilfeleistungen anbieten. „Wir sind ganz nah dran am Bürger“, schildert Bissot.

Auf der Tour, die immer etwas anders verläuft, um nicht vorhersehbar zu sein, geht es auch an Schongaus Stadtmauer vorbei. Von unten hallt das geschäftige Treiben des historischen Marktes nach oben. Dort ist allerdings ein privater Sicherheitsdienst tätig. „Bei so einem Wetter ist es natürlich angenehm, eine Runde an der frischen Luft zu drehen“ freut sich Arndt, obwohl die beiden in ihren Westen einiges mit sich herumtragen.

Darunter eine Erste-Hilfe-Ausrüstung, Funkgerät, um bei Bedarf die Polizeistreife anzufordern sowie Reizgas. „Das Spray dient rein der Selbstverteidigung“, erläutert Bissot, „aber wir haben es in den ganzen Jahren noch nie gebraucht.“ Wie übrigens auch die anderen Kollegen im Team nicht. Denn die Devise der Männer und Frauen der Sicherheitswacht lautet ganz klar Deeskalation. Der Umgang mit aggressiven Personen wird auch in regelmäßigen Schulungen immer wieder geübt.

Mit Asylbewerbern gibt es übrigens kaum Probleme. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Sicherheitswachtler allen Menschen gegenüber offen sind. „Für mich sind alle gleich“, so Arndt. „Mir ist es egal, welche Hautfarbe oder Religion jemand hat oder wo er herkommt.“

Freiwillige willkommen

Beide würden es begrüßen, wenn sich weiterhin Engagierte für diese ehrenamtliche Aufgabe begeistern könnten. Gerne auch weitere Menschen mit Migrationshintergrund, um die Truppe sprachlich zu ergänzen. Das helfe in manchen Situationen, wenn Sprachbarrieren die Kommunikation erschweren. Und Kommunikation ist das A und O bei dieser Tätigkeit. „Man nimmt ganz viel für seine eigene Persönlichkeitsentwicklung mit“, resümiert Bissot. Genau wie Arndt möchte er auf jeden Fall weitermachen.

Stefanie Spengel

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