Brückenschlag nach Herzogsägmühle

Ein Konzept für den Radverkehr

Ein Senior, der sich noch gerne aufs Rad setzt: Reinhold Rohrbach, hier auf der Poststraße an der Engstelle beim Optik/Uhren Obermeier.
+
Ein Senior, der sich noch gerne aufs Rad setzt: Reinhold Rohrbach, hier auf der Poststraße an der Engstelle beim Optik/Uhren Obermeier.

Peiting/Herzogsägmühle/Schongau – Eine Fahrradbrücke über die Peitnach auf dem Weg nach Herzogsägmühle, eine sichere Gestaltung der Strecke nach Schongau (ab der Einmündung der Dießener Straße bis zum Bahnhof), eine klare Kennzeichnung der vielen Straßen und landwirtschaftlichen Wege in der weiten Peitinger Flur sowie ein Ausbau der Verbindung nach Hohenpeißenberg: Das sind wesentliche Vorschläge im Radverkehrskonzept, das Matthias Reintjes vom Fachbüro Kaulen (Aachen/München) kürzlich vorgestellt hatte. 

Innerhalb der interkommunalen Zusammenarbeit haben die Kommunen Altenstadt, Schongau und Peiting im Ammer-Lech-Land ein solches Konzept erstellen lassen. Befasst war damit das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen, das schon an der Ausarbeitung eines Radverkehrskonzepts für den Landkreis Weilheim-Schongau beteiligt war.

Dabei wurden Alltags-Radrouten untersucht, jedoch keine Trassen, die in der Freizeit gern genutzt werden. Außerdem hat der Markt Peiting eine Untersuchung zu Abstellplätzen für Räder in Auftrag gegeben. Das Konzept liegt nun in der endgültigen Fassung vor. Matthias Reintjes präsentierte es in der Oktobersitzung den Marktgemeinderäten.

Es handle sich „um eine Grundlage für die nächsten Jahre“, führte Bürgermeister Peter Ostenrieder in das Thema. Nach und nach könne das Radwegenetz optimiert werden. Ein Beschluss dazu, wann was umgesetzt wird, ist nach der Vorstellung des Konzeptes für Peiting noch nicht gefasst worden. Für wichtig erachtete es Matthias Reintjes, ein eigenes Info-Portal zum Radfahren im Ammer-Lech-Land auf den Weg zu bringen. 87 Seiten umfasst die Ausarbeitung des Stadt- und Verkehrsplanungsbüros Kaulen.

Generell wird festgestellt, dass bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf eigene Radverkehrswege verzichtet werden könne. Die Sicherheit für den Radverkehr sei durch die niedrigere Kfz-Geschwindigkeit gewährleistet; die Gefahr schwerer Unfälle mit hohem Verletzungsrisiko sinke mit Abnahme der Geschwindigkeit um ein Vielfaches.

Eine andere Variante sei die Ausweisung von Fahrradstraßen, die große Vorteile mit sich bringe. Der Radverkehr sei bevorrechtigt, und Fahrradstraßen seien auch außerorts zulässig. In Fahrradstraßen gelte eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Voraussetzung zur Anordnung einer Fahrradstraße ist, dass der Radverkehr vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald wird.

Für Fahrräder 336 Parkplätze

Neben den Voraussetzungen für den fließenden Radverkehr gehören auch Anlagen des ruhenden Radverkehrs zu einer hochwertigen Infrastruktur. In dem Konzept heißt es: „Nur wenn es Abstellmöglichkeiten an den Quell- und Zielpunkten gibt, findet das Fahrrad als Verkehrsmittel eine hohe Akzeptanz.“ Durch die Integration von Service-Elementen kann die Attraktivität des Gesamtnetzes weiter gesteigert werden.

Für die Analyse der Quell- und Zielpunkte an Fahrradabstellplätzen hat das Verkehrsbüro gemeinsam mit dem Markt Peiting zirka 25 Punkte ausgewählt. Dabei sind Bürgerinnen und Bürger beteiligt worden. Die tatsächliche Kapazität in Peiting liege bei 336 Fahrradparkplätzen, schilderte Matthias Reintjes. Die größte Anlage befinde sich am Wellenfreibad mit 72 Abstellmöglichkeiten. Insgesamt gebe es damit an diesem Standort bei drei Anlagen 133 nutzbare Fahrradplätze.

An den 25 begutachteten Quell- und Zielpunkten wurden an 15 Punkten insgesamt 20 Abstellanlagen mit einer theoretischen Kapazität von 353 Fahrradparkplätzen erfasst. Drei dieser Standorte liegen auf privatem Gelände. An zehn Zielpunkten existierten keine Abstellanlagen.

Die beste Bewertung erhält laut Verkehrsbüro Kaulen die Anlage am Rathaus, die schlechteste eine der Anlagen am Wellenfreibad. Bessere Noten wurden für Komfort und Nutzerfreundlichkeit erzielt. Handlungsbedarf bestünde vor allem bei der Standsicherheit und beim Witterungsschutz. Positiv aufgefallen seien die Sauberkeit der Anlagen und die insgesamt gute Zugänglichkeit, ergänzte Reintjes. Die höchste Auslastung habe man am Bahnhof Peiting-Ost festgestellt. Dort seien mal bei einer Stichprobe 53 Prozent der Abstellplätze belegt gewesen.

Was der Landkreis dafür ausgeben wird

In der Diskussion fragte Thomas Elste von den Grünen nach, welche Maßnahmen zuerst angegangen werden sollen und was dafür zu investieren sei. Rathauschef Ostenrieder erklärte, man werde dazu eine „grobe Zahl“ nachreichen. Der Landkreis Weilheim-Schongau habe über viele Jahre verteilt dafür 30 bis 40 Millionen Euro veranschlagt.

Andreas Schmid (Bürgervereinigung) lenkte die Aufmerksamkeit auf den Radweg von Peiting nach Schongau; vor allem am Loamer Stichl sei es gefährlich. Zu bedenken sei schon, dass mehrere hundert Kinder an vielen Tagen im Jahr mit dem Rad von Peiting nach Schongau zur Schule fahren. Andreas Barnsteiner (Bürgervereinigung) fand die Vernetzung wichtig. Es müsse einen Konsens geben zwischen Radfahrern und landwirtschaftlichem Verkehr. Freilich stelle er bei diesem typischen Schönwetter-Thema fest, dass der eine oder andere Radler grad so tue, also ob ihn die Straßenverkehrsordnung „nichts mehr angeht“.

Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus dem Garten auf die Straße: Autoschlange zum Abfallentsorgungszentrum
Aus dem Garten auf die Straße: Autoschlange zum Abfallentsorgungszentrum
Dauerbrenner Butterwerksgelände: Neuer Anlauf mit Startschwierigkeiten
Dauerbrenner Butterwerksgelände: Neuer Anlauf mit Startschwierigkeiten
Auf Einkaufstour durch die Schongauer Altstadt: Kreativer Laden-Mix, der Überraschendes bietet
Auf Einkaufstour durch die Schongauer Altstadt: Kreativer Laden-Mix, der Überraschendes bietet
»Das schönste Amt der Welt«: Max Bertl aus Steingaden
»Das schönste Amt der Welt«: Max Bertl aus Steingaden

Kommentare