Ein VW Käfer lässt in Erinnerungen schwelgen

Wiedersehen nach über 50 Jahren

Elisabeth Götz (links) hält das Modell eines VW Käfer, Anneliese Sluyterman van Langeweyde den Kaufvertrag von 1969. Beide Damen haben sich über 50 Jahre nicht gesehen.
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Elisabeth Götz (links) hält das Modell eines VW Käfer, Anneliese Sluyterman van Langeweyde den Kaufvertrag von 1969. Beide Damen haben sich über 50 Jahre nicht gesehen.

Schongau – In vielen Ländern auf dieser Erde rollt der VW Käfer immer noch zuverlässig Kilometer um Kilometer. Mit über 21 Millionen Exemplaren war er bis 2002 das meist verkaufte Automobil der Welt. Wer also kennt nicht all die Geschichten über den legendären VW Käfer, der mit seinem unverwechselbaren Motorgeräusch ja schließlich selbst zur Erfolgsgeschichte wurde? Nun kam in Schongau eine weitere Episode dazu. 

Man schreibt das Jahr 1966. Die junge Elisabeth Rheinländer hat gerade mit Erfolg ihre Fahrprüfung bestanden. Geschult auf einem Opel Rekord mit Lenkradschaltung, damals der Stand der Technik. Die Prüfung hat sie aufs erste Mal geschafft.

Heutzutage greifen dann so manche Väter tief in die Taschen der Spendierhosen und überraschen ihre Töchter mit einem Wunsch-Wägelchen. Nicht so damals bei Elisabeth. Die junge Arzthelferin musste die nächsten drei Jahre lang D-Mark um D-Mark auf die Seite legen, um sich ihren heiß ersehnten Wunsch eines Autos zu erfüllen.

Jetzt greift der Vater doch noch ins Geschehen ein. Als Mann mit Fachverstand für alles rund um die Motorwelt will er für seine Tochter das richtige Fahrzeug finden. Da sich Elisabeth einen VW-Käfer in den Kopf gesetzt hat, studiert er die Anzeigen der Tageszeitung in Hannover rauf und runter. Und stößt auf ein passendes Exemplar.

Es ist ein Modell 1200 A, Baujahr 1967. Also erst zwei Jahre alt. „Genau richtig für meine Tochter“, denkt sich der Vater und greift beherzt zu, bevor ein anderer zum Zuge kommen kann. Der Kaufvertrag wird von Elisabeth unterschrieben, das Ersparte in Scheinen auf den Tisch geblättert. Erst dann darf sie das Fahrzeug samt Brief ihr Eigen nennen. „Es war ein unbeschreiblicher Moment, als ich das erste Mal meinen Käfer von Hannover nach Kulmbach steuerte“, erinnert sie sich heute. Und nimmt sich die Worte des netten Ehepaars zu Herzen, das ihr den Wagen verkaufte. „Im Zweifelsfall nie!“

50 Jahre später: Elisabeth heißt schon lange nicht mehr Rheinländer, sie trägt den Familiennamen Götz. Auch hat sich ihr Wohnort geändert. Schongau ist seit vielen Jahren ihre Heimat. Als sie vor zwei Jahren bei einem Senioren-Aktionstag den Bürgermeister kennenlernt, klingelt‘s bei ihr irgendwie. Der Name Sluyterman van Langeweyde... da war doch mal irgendwas ?

Zuhause kramt Elisabeth Götz in alten Unterlagen und wird tatsächlich fündig. Ihr Gedächtnis hat sie über die langen Jahre nicht im Stich gelassen.

Da hält sie doch wirklich den alten Kaufvertrag in den Händen, den sie am 2. August 1969 in Hannover unterschrieben hat. Und dort steht doch glatt als Verkäuferin eine Anneliese Sluyterman van Langeweyde darauf. Elisabeth fasst sich ein Herz und zeigt dem Bürgermeister das Dokument.

Dieser bestätigt, dass die Verkäuferin tatsächlich seine Mutter ist. Es kommt noch besser: Der Kaufvertrag wurde genau einen Tag vor seiner Geburt unterschrieben.

Als die vergangenen Tage durch Zufall bekannt wurde, dass sich die Mutter des Bürgermeisters in Schongau aufhält, hat der Verfasser dieses Beitrags keine Ruhe gegeben, schon fast genervt, die beiden Damen für ein Foto zusammen zu bringen. Es ist gelungen.

Riesig ist die Freude der beiden einstigen Käfer-Besitzerinnen, sich nach über 50 Jahren wieder zu treffen. Nette Geschichten werden ausgetauscht, natürlich alles rund um den VW-Käfer. Er wurde von Elisabeth Jahre später weiterverkauft. Ohne einen Kratzer oder gar eine Delle. Denn den Rat des Ehepaars Sluyterman befolgte sie ein Leben lang: „Im Zweifelsfall nie!“

Hans-Helmut Herold

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