Altenstadter Geheimbund:

Einblicke beim Schweinebratenverein

Schweinebratenverein Altenstadt Bank
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Das Logo des garantiert nicht eingetragenen Vereins, der im Dezember 2014 gegründet wurde.
  • VonHans-Helmut Herold
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Altenstadt – Fischereiverein: klare Richtung. Boxverein: knallharte Beschreibung. Schützenverein: ins Schwarze getroffen. Aber bitteschön was ist ein Schweinebratenverein? Der Sache muss unbedingt nachgegangen werden. 

Es ist nur eine kleine Inschrift auf einem Plastikschild, die aber sofort ins Auge sticht. Kurioserweise ist es nicht etwa an einer Bratwurstbude oder Steakhütte angebracht, sondern an der Rückenlehne einer Bank befestigt. In idyllischer Landschaft mit freiem Blick in die Natur.

Der Text: „Gutes Sitzfleisch und entspannte Momente auf dieser Bank wünscht der Schweinebraten Verein Altenstadt n.e.V.“ Wenn das keine Ansage ist. Seitlich dazugesetzt natürlich ein kleines Wappen, das so auch noch keinen großen Bekanntheitsgrad hat. Die Basilika mit weiß-blauen Rauten optisch aufgepeppt und natürlich darunter ein nettes kleines Hausschweinchen.

Auch an anderer Stelle wurden schon Bänke dieser Art entdeckt. Gleiche Größe, gleicher Stil, gleiches Hinweisschild. Eine dieser Holzbänke dient am vereinbarten Tag als Treffpunkt, um für Aufklärung zu sorgen.

Drei junge Männer erscheinen, die Gesichter hinter der FFP2-Maske schwer identifizierbar. Das Trio stellt sich als Biff, Beni und Waschtl vor, nimmt schnell auf der Bank Platz und bittet um Unterlassen eines Frontalfotos. Die Anonymität soll gewahrt bleiben. Biff übernimmt das Kommando, beginnt zu erzählen. Erst über die Schweine, dann über die Bänke.

Biff ist stolzer Besitzer eines alten Küchenherds Marke Wamsler, ein Ferrari unter den nostalgischen Kochstellen. Mit diesem Herd hat seine Großmutter früher gezaubert, da war die Kruste noch Kruste nach altem Rezept. Der Schweinsbraten der Oma ein Gaumenschmaus für die ganze Familie. Diese Erinnerung wollte Biff nach langen Jahren wieder wecken. Er holt Beni und Waschtl mit ins Boot. Alles Spezln von der örtlichen Feuerwehr.

Der Testlauf beginnt am 6. Dezember 2014. Die schweinische Spende kommt von Beni, der ein großes Stück Bratenfleisch locker macht. Das alte Rezept von der Großmutter wird umgesetzt, der „Wamsler“ immer noch in Hochform. Beiwerk muss her: Knödel und Kraut. Also telefonische Bestellung bei weiteren Feuerwehrlern.

Genau 13 Personen haben in Biffs Hütte Platz, alles Floriansjünger aus Altenstadt. Der Schweinebraten glückt, die Kruste perfekt. „Das müssen wir jedes Jahr wiederholen“, so der mehrstimmige Einwurf. Noch am selben Abend wird in Bierlaune der (nicht eingetragene) Verein gegründet. Genau für 13 Mitglieder. Mit der Satzung, die besagt, dass an jedem 1. Samstag im Dezember der „Wamsler“ wieder zum Einsatz kommt. Wer Knödel und Kraut zubereiten muss, wird ein Jahr vorher ausgelost.

Bei dem letzten Treffen vor Corona kommt man auf die maroden Ruhebänke auf Altenstadter Flur. „Warum können wir die nicht neu anfertigen und aufstellen?“, lautet die Frage, die eigentlich sofort entschieden ist. Biff hat eine kleine Werkstatt, die anderen steuern das Holz bei. So verbringen sie immer wieder ihre Freizeit in der „Holzwurmstube“, um Stück für Stück der Sitzbänke anzufertigen. „Von den Besitzern der Grundstücke, wo wir sie aufstellen wollten, haben wir sofort grünes Licht bekommen“, erzählt Waschtl.

Und auch jede Menge Lob von den Spaziergängern, die sich auf einer der (bisher sechs) Bänke ausruhen können. Einzige Ausnahme: Eine Dame beharrt lauthals darauf, dass sie sich als Vegetarierin in keinem Fall auf so ein Ding setzen werde. „Da muss sie eben warten, bis ein Rosenkohl- oder Tomatenverein gegründet wird und ebenfalls Sitzbänke aufstellt“, heißt es aus Richtung Sitzbank.

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