Eindringlicher Appell

Es sind „echte“ Opfer (Mitglieder des Jugendrotkreuzes) in den beiden Autowracks eingeschlossen. Rotes Kreuz und Feuerwehr bemühen sich um sie, doch für einen kommt jede Hilfe zu spät. Das hinterläßt bei jedem Spuren. Und angesichts dessen möchte keiner mehr bei einem betrunkenen Freund ins Auto steigen. Foto: Sommer

Bis zum Schluss haben die Retter um das junge Leben gekämpft. Ein letzter Reanimationsversuch noch, dann kehrt Ruhe ein. Der Trubel verebbt, als der Notfallseelsorger neben dem Unfallopfer kniet und betet. Und die Umstehenden sind sichtlich schockiert, bleich und mitgenommen stehen sie da. So endete „Discofieber“, ein Aktionstag der Brücke Oberland für junge Fahranfänger und Führerscheinbesitzer in Peiting.

Seit sechs Jahren bereits organisiert die Brücke diesen Aktionstag, zusammen mit Feuerwehr und Rotem Kreuz, der Polizei sowie der Notfallseelsorge. Wobei man immer wieder von der Aktualität überholt werde, so Werner Hoyer, Verkehrserzieher der Polizei und Moderator des Aktionstages, wie die Polizeimeldungen beweisen. Bei Diskolicht und der richtigen Atmosphäre sitzen diesmal rund 30 junge Fahrer zusammen im Feuerwehrhaus in Peiting. Es flimmern kurze Filmchen über den Schirm, zeigen, welche Konsequenzen Fehlverhalten im Straßenverkehr hat. Im Wechsel dazu berichten Vertreter der Polizei, des Roten Kreuzes und der Feuerwehr von ihrer Arbeit. Man nimmt den Männern ab, dass es keinen kalt lässt, wenn sie am frühen Freitag- oder Samstagmorgen auf einen Notruf reagieren. Da steht dann der Notarzt, selbst Vater, und erzählt, was ihm durch den Kopf schießt bei der Einsatzfahrt, wie er sich versucht, darauf vorzubereiten. Um dann vor Ort feststellen zu müssen, dass selbst seine Künste versagen, wenn der junge Mensch tot ist. Oder der Feuerwehrkommandant, der vom Zeitfenster für die Rettung berichtet. Und oft genug gar nicht weiß, wie er das Wrack aufschneiden soll, in dem kaum jemand überleben kann. Und schließlich der Polizist, der erlebt hat, zu was Menschen unter Alkoholeinfluss imstande sind. Da muss es nicht unbedingt zum tödlichen Verkehrsunfall kommen, damit ein Leben zerstört wird. Tote im Straßenverkehr sind schlimm, tragisch aber ist es, wenn ein junger Mensch, der sein Leben noch vor sich hätte, dieses verliert. Aber es gehe nicht um den erhobenen Zeigefinger, so Werner Hoyer. Wenn nur ein Leben gerettet werde durch diesen Aktionstag, dann sei viel getan. Und um den jungen Menschen eine Vorstellung zu geben, was bei einem Diskounfall passiert, endet der Tag mit der Rettungsaktion. Dafür sind Jugendliche in zwei Autowracks eingeschlossen und müssen herausgeholt werden. Wobei der Realismus der Helfer die umstehenden Jugendlichen unvorbereitet und tief trifft. Und in dem Vorsatz bestärkt, selbst nie betrunken Auto zu fahren und andere davon abzuhalten.

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