Vorschlag aus Peiting

Eine neue Trasse durch den Doswald?

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So sieht die Lösung aus, die aus Sicht von Peter Ostenrieder Schongau und Peiting vom Schwerlastverkehr entlasten könnte.

Schongau – Völlig unterschiedlich fallen die Reaktionen auf die Idee des Peitinger Gemeinderates Peter Ostenrieder aus, der eine neue Trasse für die Staatsstraße 2014 ab der Kanalbrücke in Peiting vorschlägt. Diese soll östlich an der Papierfabrik UPM vorbei durch den Doswald zu führen und dann auf den Kreuter Weg einschwenken, um über einen weiteren Kreisel an der Füssener Straße im Süden Peitings auf die Bundesstraße 17 zu gelangen.

Das Thema ist zwar kein Dauerbrenner. Aber in schöner Regelmäßigkeit kocht doch die Diskussion darüber hoch, wie Schongau und auch Peiting von dem vielen Lastwagenverkehr entlastet werden können, der vor allem auf das UPM-Werk im Osten der Stadt zurückzuführen ist.

Bahngleis unterqueren

„Die Durchfahrung“ nennt der Peitinger CSU-Fraktionschef Peter Ostenrieder seine Idee für eine St 2014 neu, die an der Kanalbrücke abzweigt und dann unter der Peitinger Straße sowie unter dem Bahngleis hindurch geführt werden soll. Als Vorteil listet er auf, dass nicht nur die Papierfabrik, sondern mehrere verkehrslastige Bereiche wie das Gewerbegebiet in Schongau-Ost an die B17 angebunden werden könnten. Dies führe zu einer Entlastung beim Verkehr, der durch Schongau und Peiting fließt.

Zudem ergäben sich durch so einen Anschluss Entwicklungsmöglichkeiten für Schongau-Ost und Peiting-West. Außerdem sei es möglich, den Freistaat Bayern mit ins Boot zu holen, weil es sich um eine Staatsstraße handelt. Bisher verläuft die St 2014 quer durch Schongau – von der Dießener Straße über die Lechbrücke und die Bahnhofstraße entlang der Altenstadter Straße und den Hollberg hinauf bis zum Kreisel nahe der B 17-Ausfahrt Schongau-Mitte/Altenstadt.

Ostenrieder schildert auch die Nachteile. Als erstes nennt er den baulich großen Aufwand; Stichwörter dafür seien die Querung der Bahnlinie, der Doswald-Aufstieg und die Hanglage. Außerdem gelte es die Auswirkungen auf die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) sowie die Flächenversiegelung im Zuge der 4,2 Kilometer langen neuen Trasse zu bewerten. Und: Gegenüber dem Freistaat Bayern sei viel Überzeugungsarbeit notwendig, um ihn an den Kosten für eine St 2014 neu beteiligen. Hinter vorgehaltener Hand ist bei einem solchen Projekt von mindestens 20 Millionen Euro die Rede.

Im Peitinger Gemeinderat ist eine Aussprache über die Vorschläge Ostenrieders vertagt worden. Dies soll im Januar als eigener Punkt in einer Sitzung auf den Tisch kommen.

Nicht kaputtreden

Bei allen Schwierigkeiten vor allem wegen der Naturschutzbelange im sensiblen Lechtal solle man Ostenrieders Idee dennoch „nicht gleich kaputtreden“. Diese Meinung vertritt Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman auf Anfrage des Kreisboten. Er habe mit dem Chef des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Michael Kordon, im ersten Quartal 2017 ohnehin ein Gespräch wegen Verkehrsbelangen im Raum Schongau. Da könne er sich durchaus vorstellen, auch den Vorschlag mit der St 2014 vorzubringen bzw. Ostenrieder speziell zu diesem Punkt dazu zu nehmen.

Wolfgang Ohnesorg, der Werkleiter bei UPM in Schongau, hält sich bedeckt. Er habe bislang viele Emotionen erkennen können, aber „wenig sachliche Substanz“. Zu dem Thema wolle er sich „in der nächsten Zeit“ mit dem Schongauer Bürgermeister und später eeventuell auch mit dem Peitinger Bürgermeister besprechen. Ansonsten wolle er sich nicht zu Ideen einzelner Personen und Mandatsträger äußern.

Völlig unrealistisch

Als „völlig unrealistisch“ bewertet Markus Keller von der Alternativen Liste Schongau (ALS) den Vorschlag Ostenrieders. Da seien zum einen die Kosten; man sehe ja schon an der Umfahrung von Hohenpeißenberg, wie teuer so etwas sei, argumentiert er. Das Gelände hinter UPM zwischen Einweichbecken und Hangkante, von der immer wieder etwas abrutsche, sei metertief mit Holzrinde aus früherer Papierproduktion aufgefüllt. Es müsste also komplett mit einer Brücke überbaut werden.

Und, so fährt Markus Keller fort: Wer wisse, wie viel Papier UPM nach 2030 – vorher sei eine Umsetzung einer solchen Trasse ohnehin kaum denkbar – im Werk in Schongau noch produziere. Dazu komme die ökologische Problematik: Die Straße würde mitten durch ein Vogelschutzgebiet verlaufen und außerdem weiter südlich den landwirtschaftlichen Bereich im Weiler Weinland tangieren.

Emotional wird das Thema St 2014 neu am Stammtisch bewertet. Das Echo fällt konträr aus. Nur ein Beispiel aus einer Runde bei einem Dämmerschoppen in einem Schongauer Bistro: Da reichten die Kommentare von „zumindest prüfenswert“ über „technisch viel zu kompliziert“ bis zur deftigen Bemerkung „hirnrissig“.

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