Aus einem Land vor unserer Zeit

Größer als eine Ein-Euro-Münze ist der fossile Haifischzahn, den Hobbygeologe Tobias Klöck im vergangenen Jahr am Auerberg gefunden hat. Foto: privat

Haie auf dem Auerberg: Was auf den ersten Blick wie ein Witz klingt, war vor Jahrmillionen Realität. Denn bevor die Alpen entstanden, befand sich in diesem Gebiet ein riesiges Meer, das bereits zahlreiche Lebewesen bevölkerten. Ihre Überreste finden sich heute in den verschiedenen Schichten des Erdbodens. 15 unterschiedliche Haiarten haben Forscher so allein im Allgäu entdeckt. Selten gelang ihnen aber bisher ein Fund wie er dem Hobbygeologen Tobias Klöck vor einem Jahr am Auerberg glückte.

Klöck staunte nicht schlecht, als er im Mai 2011 an einem Nagelfluhfelsen am Auerberg nach versteinerten Überresten aus längst vergangenen Zeiten suchte. Auf einem heruntergebrochenen Felsen verbarg sich unter einer dünnen, kalkigen Verwitterungskruste der Zahn eines riesigen urzeitlichen Haifisches. Funde von Haifischzähnen im Allgäu sind von vielen Stellen bekannt. Der Fund eines solch großen Exemplars stellte aber eine außerordentliche Seltenheit dar. Es ist nicht der erste Fund dieser Art am Auerberg. Schon 1906 stößt der Kaufbeurer Kurat Christian Frank bei Grabungen auf einen ähnlichen Zahn. Als Geschenk wanderte das Fundstück vier Jahre später nach Augsburg. „Bis auf einen Hinweis in den Berichten des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben und Neuburg aus dem Jahr 1911 gab es bisher keinen Anhaltspunkt dafür, dass diese Haiart, deren entfernter Verwandter der Weiße-Hai ist, in den Meeresablagerungen am Auerberg vorkommt“, erklärt Klöck. Gegenwärtig seien nur wenige Zähne, die in der Nähe von Kempten gefunden wurden und der gleichen Gattung zugeschrieben werden konnten, aus dem Allgäu bekannt. Die Bestätigung von Franks Fund wäre somit auch der Nachweis dieser Haiart am Auerberg. Der Hobbygeologe wandte sich daher an das Naturkundemuseum Augsburg. Doch dort konnte nach Durchsicht des Inventars kein Stück gefunden werden, auf welches die Beschreibung zutraf. „Es muss davon ausgegangen werden, dass der Franksche Fund während der Kriegsjahre verloren ging“, vermutet der Museumsleiter des Augsburger Naturkundemuseums, Michael Rummel. Um sicher zu gehen, dass es sich bei seinem eigenen Fund tatsächlich um den Zahn eines Hais der Gattung Isurus hastalis handelt, ließ Klöck das Fundstück von einem befreundeten Sammler untersuchen. Dieser hatte bereits mit Professor Dr. Scholz von der TU München vor Jahren eine Abhandlung über die fossilen Haifischzähne geschrieben. Seit kurzem steht fest, dass sich der Hobbygeologe tatsächlich nicht geirrt hatte. Für Klöck ist es jetzt umso erfreulicher, einen handfesten Beweis für die Existenz solcher Tiere in den Ablagerungen der Oberen Meeresmolasse vom Auerberg zu haben, noch dazu von einer Stelle, an der Kurat Frank vor fast 100 Jahren ein gleiches Exemplar fand. Warum außer den Zähnen nicht mehr von den Tieren gefunden wurde, kann Klöck einfach erklären: „Haie sind Knorpel- und keine Knochenfische.“ Seinen wertvollen Fund will er nun dem Stadtmuseum in Kaufbeuren zur Verfügung stellen.

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