Wo einst die Römer badeten

Das Schutzhaus über den Überresten des römischen Badehauses wird an diesem Wochenende eröffnet. Foto: privat

Tatsächlich, Werner Schmitt geht ans Telefon. Dabei könnte man es dem 65-Jährigen nicht übelnehmen, würde er das Klingeln an diesem Dienstag ignorieren. Denn der Schriftführer des Peitinger Fördervereins Villa Rustica hat Stress. „Endstress“, wie er selber lachend sagt. Seinen Humor hat Schmitt dennoch nicht verloren, und so findet er inmitten der Vorbereitungen für die 20-Jahr-Feier des Vereins und der feierlichen Eröffnung des Schutzhauses über dem ausgegrabenen römischen Badehaus am heutigen Samstag sogar Zeit für ein ausführliches Gespräch.

Dass das römische Landgut, das 1956 durch Zufall bei Grabungen neben der Straße zum Weiler Kreut entdeckt worden war, Schmitts Leidenschaft ist, merkt man bereits nach wenigen Sekunden. Mühelos doziert der 65-Jährige aus dem Stegreif über die Entwicklungen während der seither vergangenen Jahrzehnte. Mehr-mals habe dem sieben Fußballfelder großen Areal in dieser Zeit die Zerstörung gedroht, beginnt er, manche archäologische Schätze seien durch den Bau der B17 sogar unwiederbringlich verloren gegangen. Dies habe sich erst 1992 geändert, als der damalige Peitinger Bürgermeister Klement Sesar zum Schutz des Geländes die Gründung eines Vereins anregte. „Der Förderverein Villa Rustica war geboren“, sagt Schmitt, der damals zu den Gründungsmitgliedern zählte. 20 Jahre ist das her, viel haben der Schriftführer und seine Mitstreiter seitdem bewegt. Aus allen Ecken trug der Verein Informationen zusammen und bemühte sich um den Kauf des Grundstücks, um weitere Zerstörungen zu verhindern. Dies gelang bis 1995 dank zahlreicher Spenden. Fast noch aufwändiger gestaltete sich anschließend allerdings, eine Genehmigung für eine erneute Ausgrabung der 1956 entdeckten und wieder zugeschütteten Badehausfundamente zu bekommen. „Das Landesamt für Denkmalschutz hat gesagt, dass man ja schon alles kenne. Doch beim ersten Mal hatte man nur 30 Zentimeter tief freigelegt, wir wollten der Anlage nun auf den Grund gehen“, erinnert sich Schmitt. Schließlich gab die Behörde nach. 2000 begann die Freilegung des Badehauses, während der sich herausstellte, dass es sich bei der Peitinger Villa Rustica um eines der größten, bisher in der ehemaligen römischen Provinz Rätien und in Süddeutschland aufgefundenen Landgüter handelt. Und noch etwas erstaunliches förderten Schmitt und seine Mitstreiter zutage. Neben Resten von Wandmalereien und Glasfenstern fanden sie eingemauert in die Grundmauern, eine kleine, auf beiden Seiten beschriftete Bleitafel, auf der sich ein – so wird angenommen – Liebeszauber befindet, der sich an eine Frau namens Gamella richtet. „Ein bisher weltweit einmaliger Fund, welcher bis heute noch nicht vollständig entschlüsselt ist“, sagt Schmitt stolz. Als 2004 die Grabung endlich abgeschlossen war, stand der Verein vor dem nächsten Problem. „Wir mussten uns entscheiden, wie wir die freigelegten Mauern konservieren wollen. Da blieben nur drei Möglichkeiten: Zuschütten, künstlich aufbauen oder ein Schutzhaus errichten.“ Letztere war die teuerste Methode, doch man habe sich schnell dazu entschlossen, diesen Weg zu beschreiten, erklärt Schmitt. Und so begannen die Arbeiten am Schutzhaus, die sich mangels vorhandener Infrastruktur wie Strom und Wasser schwieriger gestalteten als ursprünglich gedacht. Doch der Einsatz hat sich gelohnt: Nach acht Jahren wird das Schutzhaus samt Informationspavillon und einem römischen Kräuter- und Lehrgartens am heutigen Samstag offiziell eröffnet. Rund 29000 ehrenamtliche Stunden sind seit Gründung des Vereins in die Arbeit geflossen, 400000 Euro an privaten Spenden und öffentlichen Zuschüssen wurden verbaut. 170 Mitglieder zählt der Verein. Am heutigen Samstag werden viele von ihnen dem Festakt beiwohnen, darunter auch Landrat Friedrich Zeller, Peitings Bürgermeister Michael Asam und natürlich der Vorsitzende des Fördervereins, Jakob Leicher (Programm siehe Kasten). Letzterer war im übrigen anders als Schmitt in den vergangenen Tagen telefonisch nicht zu erreichen: Er legte laut Schmitt vor Ort an der Villa Rustica letzte Hand an. Festprogramm: Zur Eröffnung der Villa Rustica hat sich der Förderverein allerhand einfallen lassen. Der Festakt beginnt am heutigen Samstag um 10.30 Uhr mit Ansprachen (u. a. Landrat Friedrich Zeller, Peitings Bürgermeister Michael Asam). Von 12 bis 18 Uhr erwartet die Besucher im Festzelt Getränke und römisches Essen nach original antiken Rezepten. Auf dem Gelände hat außerdem die Römergruppe „Populares Vindelicenses“ aus Augsburg ihr Lager aufgeschlagen und bietet Vorführungen von römischem Handwerk, Kostproben römischer Schmankerl und Getränke, einen Kräuterstand mit römischen Kräutern und deren Verwendung, sowie Vorführungen römischer Kriegsführung an. Führungen am und im Schutzhaus sowie den römischen Lebhr- und Kräutergarten finden den ganzen Tag über statt. Das gleiche Programm (bis auf den Festakt) bietet sich Besuchern auch am Sonntag, dem Tag des Offenen Denkmals.

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