Das Fass bleibt zu

"Marie-Juchacz-Platz" am Münzgebäude

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So soll der Platz am Münzgebäude aussehen – heißen wird er trotz Einwänden nach AWO-Gründerin Marie Juchacz.

Schongau – Der Platz vor dem Münzgebäude soll künftig nach der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Marie Juchacz benannt werden. Das hat der Stadtrat erst am 26. März so beschlossen. Vermehrt hat es seither Einwände gegen die Namensgebung gegeben – nicht zuletzt auch von Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, der den historischen Namen „Bei der Fronveste“ für den Platz bevorzugen würde. Eine neuerliche Befassung mit dem Thema in der jüngsten Sitzung am vergangenen Dienstag lehnte der Stadtrat allerdings ab.

Mit 15:8 Stimmen hatte das Gremium im März dem Antrag von Barbara Karg, SPD-Stadträtin und Vorsitzende der AWO Schongau, zugestimmt. Karg hatte ihren Antrag damit begründet, dass Marie Juchacz einen bedeutenden Platz in der deutschen Geschichte einnehme. Der Platz vor dem Münzgebäude erschien ihr angemessen für eine Benennung nach der AWO-Gründerin und Frauenrechtlerin.

Bedenken hatte bereits da die CSU-Fraktion geäußert. Fraktionsvorsitzende Kornelia Funke sprach sich dafür aus, an diesem für Schongau so bedeutendem Gebäude einen historisch belegten Namen zu wählen. Ihr Vorschlag: Fronveste. Zu einer Änderung der Tagesordnung kam es aber im März nicht. Stattdessen stimmte man über den Namensvorschlag von Barbara Karg ab, der auch mehrheitlich angenommen wurde.

Doch der „Marie-Juchacz-Platz“ fand nicht nur Akzeptanz, offenbar auch von Seiten der Schongauer Bevölkerung. Daher wandte sich Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer schriftlich an Bürgermeister Falk Sluyterman. „Als Zuhörer der Stadtratssitzung konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Beschluss zu wenig vorbereitet und, was mögliche Alternativen betrifft, recht unprofessionell diskutiert wurde“, so Schmidbauer.

Bisher sei es eine gute Übung gewesen, dass die Verwaltung Straßenbenennungen vorbereitet hat, wobei in der Regel der Kreisheimatpfleger um Stellungnahme gebeten worden sei, führt Schmidbauer weiter aus. Vor dem Hintergrund, dass in der historischen Altstadt Straßennamen immer einen deutlichen Erinnerungswert an die Schongauer Stadtgeschichte haben sollten, seien hier aus der Sicht der Kreisheimatpflege Benennungen mit allgemeinen, nicht ortsbezogenen und politischem Inhalt zu vermeiden. „Der richtige Name des Platzes wäre: ‚Bei der Fronveste‘“, schließt Schmidbauer seine Ausführungen. Er bittet außerdem darum, den Beschluss noch einmal zu diskutieren und gegebenenfalls neu zu fassen.

Bei einer sogenannten Eingabe, wie der vorliegenden des Kreisheimatpflegers, müsse entschieden werden, wie man vorgehen wolle, so Hauptamtsleiterin Bettina Schade: „Wollen wir das Fass noch einmal aufmachen oder soll es beim Status Quo bleiben?“

Funke sprach sich dafür aus, Schmidbauer, der als Zuhörer anwesend war, das Wort zu erteilen. „Hier geht es um die Geschäftsordnung“, widersprach der Rathauschef, der sein Bedauern darüber äußerte, dass der Kreisheimatpfleger ihn nicht kontaktiert habe, sondern stattdessen diese Eingabe gemacht hat. Friedrich Zeller (SPD) meinte ebenfalls, man solle sich nicht mit der Eingabe befassen: „Der Sachverhalt hat sich nicht geändert.“

Mit 8:15 Stimmen wurde eine neuerliche Befassung mit dem Thema abgelehnt. Der neu geschaffene Platz am Münzgebäude wird also den Namen Marie Juchacz‘ tragen.

asn

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