Einzug 2022 geplant

Mehr Platz für Alfons-Brandl-Schule

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Bestandsgebäude (links) und Erweiterungsbau (rechts), hier die Süd-Ansicht, sind durch eine gläserne Brücke miteinander verbunden. Ausschlaggebend dafür, dass dieser Entwurf sich durchsetzte, war auch, dass der wichtige Freibereich erhalten bleibt.

Herzogsägmühle – Die Modelle, die seit einigen Wochen in der Alfons-Brandl-Schule ausgestellt sind, erfreuen sich einiger Beliebtheit. Sie sind Gegenstand des HSK-Unterrichts sowie angeregter Diskussionen. Bis 2022 wollen die Verantwortlichen das hier Gezeigte Wirklichkeit werden lassen: Ein Erweiterungsbau soll die Zeiten räumlicher Beengtheit beenden. Der Siegerentwurf ist gekürt, am Mittwoch vergangener Woche legten die Architekten ihre Vorstellungen in einem Pressegespräch dar.

Für die Jahrgangsstufen fünf bis neun war die im Jahr 2002 bezogene Alfons-Brandl-Schule ausgelegt. Doch weil nach und nach immer mehr Klassen im Grundschulalter dazukamen, mussten Physik-, Mehrzweck- und PC-Räume zwischenzeitlich zusätzlichen Klassenzimmern weichen. „Wir haben den Moment für ein ‚Stop‘ verpasst“, schätzt Schulleiter Manfred Hörmann ein. 100 Kinder von der ersten bis zur neunten Klasse besuchen sein Förderzentrum für emotionale und soziale Entwicklung mittlerweile. Tendenz steigend.

„Wir sind die einzige Förderschule dieser Art in einem Radius von 70, 80 Kilometern“, erklärt er. 1.000 Quadratmeter Nutzfläche mehr stehen der Schule zu. So habe es die Regierung von Oberbayern ermittelt. Das entspricht in etwa dem bestehenden Gebäude. Dass für die anvisierte Flächenverdopplung ein Neu- und nicht nur ein Anbau notwendig ist, habe sich schnell gezeigt.

Die Umsetzung will wohldurchdacht sein: „Unsere Kinder sind im Erleben anders“, schildert Hörmann die mitunter „extremen Wahrnehmungsschwierigkeiten“ seiner Schüler. „Es fliegen schnell mal Stühle“, Robustheit und das Ausstrahlen von Ruhe seien im neuen Gebäude also ebenso Trumpf, wie das Vorhandensein von Freiraum. „Einige haben einen irrsinnigen Bewegungsdrang.“ Kinder mit Autismus oder ADHS bräuchten ferner eine gewisse räumliche Klarheit.

Gleich 62 Architekturbüros aus ganz Europa wollten sich dieser Herausforderung annehmen und bewarben sich im Zuge der Ausschreibung, schildert Gerhard Dolp, geschäftsführender Gesellschafter bei der Landsberger Dolp Projektmanagement GmbH, die als Wettbewerbsbetreuer auftritt. Zehn Teilnehmer wurden ausgelost. Unter ihnen überzeugte das Münchener Büro Baur & Latsch Architekten am nachhaltigsten, als am 2. Juli das Preisgericht tagte.

Bei den Schülern sei der Siegerentwurf weniger hoch im Kurs gestanden, schildert Hörmann. „Sie wollten was rundes, spaciges.“ Er selbst sei indes froh, dass er mehrfach hingeschaut habe. Aus dem anfänglichen „Naja“ sei so nämlich ein echter „Aha-Effekt“ geworden.

Dass die Herangehensweise, „räumlich hochwertig aber reduziert“, sich nicht direkt erschließe, weiß auch Architekt Florian Latsch. „Wir haben selbst lange gekämpft, alles probiert.“ Die Erkenntnis: „Ein Pavillon auf der Wiese funktioniert nicht.“ Erst spät habe man die Vorzüge eines länglichen Baukörpers mit flach geneigtem Dach erkannt, schildert er beim Pressegespräch am Mittwoch vergangener Woche. Verbindung zwischen diesem und dem südwestlich versetzt parallel stehenden Bestandsgebäude schafft eine gläserne Brücke. So entsteht ein gemeinsamer Eingangshof.

Die Architekten Martin Baur und Florian Latsch freuen sich über das Lob von Schulleiter Manfred Hörmann, Projektmanager Gerhard Dolp und Thomas Buchner, Bereichsleiter Finanzen und zentrale Dienste in Herzogsägmühle (v. links).

„Das Grundstück ist gar nicht so groß, wir wollten aber die Großzügigkeit erhalten“, sagt Architekt Martin Baur. Das Grübeln hat sich gelohnt. Denn es brachte den bestechenden Gedanken hervor, der den Ausschlag zugunsten des Siegerentwurfs gegeben habe, so Hörmann: „Dass man den Kindern nicht die Natur durch das neue Gebäude nimmt“.

Besonders gut habe ihm auch die Gestaltung der Klassenzimmer im Obergeschoss gefallen. Diese sollen Nischen und Nebenräume, Aufenthalts- und Spielbereiche bieten; ein Öffnen und Schließen hin zum Flur schaffe Flexibilität und die Möglichkeit, Bewegungsdrang in einer Lernlandschaft auszuleben. Im Erdgeschoss, das die Ganztagsschule beherbergen wird, lassen sich die Flure ebenfalls öffnen. „So eine Mittelflurschule ist eigentlich eine recht trockene Typologie“, sagt Baur. „Wir wollten Qualität reinbringen.“ Herrschen innen unbehandelte, robuste Oberflächen vor, fallen von außen die schwarz beflammte Verschalung des in einfacher Massivholzbauweise zu errichtenden Gebäudes auf sowie die hohen Fenster, die das Erdgeschoss zur Umgebung hin öffnen sollen. „In Herzogsägmühle herrscht bereits eine sehr gute Struktur mit hochwertiger Architektur“, findet Baur. „Dem ordnen wir uns unter.“

Zum Schuljahr 2022/23 wolle man das neue Gebäude, in dem vier Klassenräume, eine Stütz- und Förderklasse und im südlichen Teil eine Sporthalle unterkommen, mit den Jahrgangsstufen eins bis vier beziehen, blickt Dolp voraus. Die vormaligen Mehrzweck-, PC- und Physikräume im Bestandsbau sollen dann wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden. „Wir gehen vorsichtig und mit einem großzügigen Zeitplan ran“, so Dolp.

Denn bevor die Bagger anrollen, ist noch einiges zu klären. Genehmigungsplanung, Kosten und Finanzierung, beispielsweise. „Wir werden mit 4.300 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche gefördert“, erklärt Thomas Buchner, Bereichsleiter Finanzen und zentrale Dienste bei Herzogsägmühle. „Hundertprozentig finanziert wird uns der Neubau sicher nicht.“ 

ras

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