Radlfahrer bleiben staunend stehen

Hohenfurchs neuer (Modell-)Bahnhof

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Karlheinz Dörner mit Ehefrau Roswitha: Er trägt die Verantwortung für Gleisbau und Lokomotiven, sie für Häuser, Straßenfahrzeuge und Figuren.

Hohenfurch – Man kann fast von einer kleinen Sehenswürdigkeit sprechen, die da im Garten eines Hohenfurcher Ehepaars aufgebaut ist: Dutzende von Radfahrern, die entlang der Romantischen Straße oder auch Via Claudia unterwegs sind, legen einen Zwischenhalt ein, um neugierig über den Gartenzaun zu schauen. Blickfang ist eine Garteneisenbahn von nicht-alltäglichen Ausmaßen. Gute 14 Meter in der Länge und acht Meter in der Breite erstreckt sich die Miniaturwelt des Eisenbahnfans Karlheinz Dörner.

Es ist ein Weihnachtsfest mit Folgen, im Dezember 1960 in Meißen: Der kleine Karlheinz, gerade mal fünf Jahre alt, bekommt eine elek­trische Eisenbahn geschenkt. Ein Modell Firma Piko, die in der DDR die Bubenherzen höher schlagen lässt. Karlheinz steckt die Schienen zusammen und lässt die Lok mit zwei Waggons im Kreis fahren. Runde um Runde. Wie er sich erinnert, war eine Batterie für den Strom­anschluss in dem Trafo eingebaut. Das Ergebnis: Schon in der Nacht des Heiligen Abends ging nichts mehr. Batterie leer, Ersatzbatterie ebenfalls. Alle Läden geschlossen. Enttäuschung groß.

Zwei Jahre später, wieder unter dem Christbaum: Jetzt hat der Trafo Stromanschluss an die Steckdosen. Die Bahn läuft im Dauerbetrieb. Zur großen Freude von Karlheinz, nicht so sehr der der Eltern. Denn fortan dreht sich alles nur um Eisenbahnen.

Nach Abschluss der Schule studiert Dörner in Dresden Gleisbau und fängt danach bei der Bahnmeisterei in Thüringen als sogenannter Reichsbahn Technologe an. „Es gab damals keine Fremdfirmen, die für uns arbeiteten“, erinnert er sich. „Wir konnten alles noch selbst bewältigen. Sogar das Abräumen von gewaltigen Schneemassen im Winter vom Gleisbett.“ Im Jahr 2000 wird er nach Murnau versetzt und entdeckt dort seine Faszination für Großbahnen.

Also jene, die so richtig mit allem Drum und Dran im Garten aufgebaut werden können. Dörner fängt mit einer Bahn von Playmobil an, steigt aber schnell auf das System der Firma Lehmann Großbahnen (LGB) um. Der größeren Auswahl wegen. Die erste E-Lok vom Typ Taurus mit Wagenkombination dreht jetzt bei Dörners im Garten ihre Runden.

Was wäre so ein Hobby aber ohne die Zustimmung der besseren Hälfte? Leidenschaften nehmen bekanntlich ein jähes Ende, wenn der häusliche Frieden dadurch gestört wird. Doch Roswitha scheint hierfür die ideale Partnerin zu sein. Sie begeistert sich für den Aufbau der Gebäude und Alltagsszenen neben den Schienen. Sie ist die Gestalterin auf der großen Platte.

In den letzten Jahren hat sich das Treiben im Garten um eine Etage höher verlagert. Dörners sind nach Hohenfurch gezogen, um hier das Rentnerdasein zu genießen. „In diesem Alter fällt das Bücken nicht mehr so einfach, um all das Gleismaterial zu verbauen“, erklärt Karlheinz. Deshalb haben die Eheleute die große Anlage auf stabile Platten verlegt, die wiederum auf Pfählen montiert sind.

Roswitha ist quasi Bürgermeisterin „Neu-Hohenfurchs“ mit gut 150 Häusern. Und dessen Einwohnern: Diese gehen zur Arbeit in den Lokschuppen – der Erinnerungen an den in Schongau wachruft – ins Bahnbetriebswerk, das Schotterwerk oder in die Raffinerie. Klar, dass es auch ein Rathaus, Kneipen und eine Kirche gibt. Neben der Bäckerei arbeitet ein Steinmetz, der Hermann Ostler unwahrscheinlich ähnlich sieht. Sogar an eine Badeanstalt mit FKK-Bereich hat Roswitha gedacht. Und Hohenfurch hat wieder seinen eigenen Bahnhof.

Die Anlage, auf der bei schönem Wetter immer eine Auswahl der 100 Loks und 400 Waggons ihre Runden dreht, wird digital gesteuert. Oft vom Balkon aus, wo das Ehepaar im Liegestuhl die beste Aussicht genießt. Besucher sind jederzeit willkommen. Die Anlage im Garten an der Kreuzung Kinsauer Straße/Lechstraße ist nicht zu übersehen.

Hans-Helmut Herold

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