Arbeiten im Zeitplan

Einmalige Anlage in Erbenschwang nimmt Form an

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Der Spezialtransport war über Nacht angekommen. Am Tag wurden die Kessel mit Hilfe zweier Mobilkrane entladen.

Erbenschwang – Die neue Anlage zur Restmüllbehandlung auf dem Gelände der Abfall­entsorgung in Erbenschwang nimmt Form an. Vier Monate nach Baubeginn wurden jetzt zwei große Fermentertanks aufgestellt. Derzeit liegen die Arbeiten im Soll, es fehlt noch das Blockheizkraftwerk und der Gasbunker. Läuft es weiter nach Plan, beginnt der Probebetrieb der weltweit einmaligen Anlage im Frühjahr.

Auch ohne die beiden Biofilmfermenter, die per Spezialtransport angeliefert wurden, ist der Unterschied zum Sommer dieses Jahres auffallend: Im Juni war das Areal nördlich der Hallen, in denen der Müll getrennt wird, gerade erst planiert und aufgekiest.

In den vergangenen Monaten entstanden zuerst die große Betonwanne, die im Falle einer Havarie das Eindringen von Flüssigkeiten in den Boden verhindern soll. Zur Erinnerung: Hier baut die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft mbH (EVA) eine sogenannte Presswasservergärungsanlage. Hierin wird dem organischen Teil im Restmüll mittels Wasser weiter Energie entzogen. Bei der Vergärung entsteht in den Fermentertanks mit Hilfe von Bakterien Gas, welches im Blockheizkraftwerk, das Teil der Anlage ist, verstromt wird. Das erzeugt neben der Energie, rund drei Millionen Kilowattstunden, auch dreieinhalb Millionen Kilowattstunden Wärme, die zu 70 bis 80 Prozent, so Fritz Raab, EVA-Geschäftsführer, zur Deckung des Eigenbedarfs herangezogen werden soll. Heißt in der Konsequenz, dass der Strom für den Anlagenbetrieb und die Wärme für die Trocknung der Ersatzbrennstoffe genutzt wird.

Entsprechend ist die neue, so genannte Stand-alone-Anlage auch ausgelegt. Etwas gibt es noch nicht, deshalb auch wird der Bau und Betrieb durch das Umweltbundesamt begleitet und bezuschusst. An der Uni in Rostock die wissenschaftliche Begleitung. Da müsse man erst Erfahrungen sammeln, so Holger Poczka, Raabs Stellvertreter und Projektleiter. So ist der Gasbunker ausgelegt, um etwa einen Tag Versorgungssicherheit für den Gasmotor zu gewährleisten; nachts kann der nicht benötigte Strom ins Netz abgegeben werden.

Doch bis es soweit ist, haben die Ingenieure von Sutco, der Firma, die die Technologie entwickelt hat, noch einiges zu tun. Von Anfang September bis Mitte Oktober etwa stand die Müllsortierung wegen Umbaus still. So wurde nur die Fraktion größer 60 Millimeter, die man als Ersatzbrennstoffe an UPM verkauft, abgetrennt. Alles was kleiner ist, wurde zur thermischen Behandlung nach Augsburg gebracht. Fünf Lkw verließen Erbenschwang mit dieser Fraktion pro Woche. Derweil wurde die Anlage umgebaut, damit die biogene Fraktion mittels Rohrleitungen in die neue Vergärungsanlage transportiert werden kann. Man habe, so Poczka, die Homogenisierungsanlage „rausbrennen“ müssen.

Nun wird der Müll wieder getrennt und noch kommt der biogene Restmüll in die Rotte. Sobald die neue Anlage den Betrieb aufnimmt, wird das zu deponierende Restmüllvolumen nochmals kleiner. Auch die Ersatzbrennstoffe profitieren von der neuen Anlage, denn mit Hilfe der Wärme wird ihr Brennwert nochmals gesteigert. Dazu mussten spezielle Container beschafft werden, durch die die Wärme sie weiter trocknet. Somit kann die Abwärme des Blockheizkraftwerks auch im Sommer effizient genutzt werden.

Derzeit fehlt noch der Gasbunker, dessen Grundriss aber schon zu erahnen ist, die Rohrbrücken, mittels deren die Flüssigkeiten transportiert werden, und auch der große Rührkesselfermenter ist noch unvollständig. Dazu erwartet man noch einige Schwertransporte mit den Behältern und dem Container des Blockheizkraftwerkes. Bis Ende des Jahres werden dann diese Arbeiten abgeschlossen sein, im Frühjahr startet der Probebetrieb, ist Raab sicher.

gau

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