Genehmigungsantrag für dritten Teil zum Jahreswechsel

Erneuerung der Hochspannungsleitung: Zweiter Abschnitt auf Zielgerade

Der Abschnitt von Bidingen nach Schwabbruck ist der erste im Netzgebiet von LVN, der statt mit Gittermasten vollständig mit Stahlvollwandmasten umgesetzt wird. Nachdem die Arbeiten zwischen April und Oktober pausieren, laufen sie nun wieder.
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Der Abschnitt von Bidingen nach Schwabbruck ist der erste im Netzgebiet von LVN, der statt mit Gittermasten vollständig mit Stahlvollwandmasten umgesetzt wird. Nachdem die Arbeiten zwischen April und Oktober pausieren, laufen sie nun wieder.

Landkreis – Der Betreiber des regionalen Stromnetzes, die LEW Verteilnetz GmbH (LVN), führt die Erneuerung der 110-Kilovolt-Leitung zwischen Bidingen und Schwabbruck fort, die das Unternehmen im vergangenen Dezember begonnen hatte. Die Hochspannungsleitung ist Teil der Ost-West-Verbindung zwischen den Umspannwerken Bidingen und Schongau. Diese wird abschnittsweise erneuert. Bereits realisiert ist der erste Abschnitt zwischen den Umspannwerken Bidingen 1 und Bidingen 2. Derzeit in der Umsetzung ist der zweite, nämlich von Bidingen bis Schwabbruck. LVN plant, das Genehmigungsverfahren für den Ersatzneubau des dritten und letzten Leitungsabschnitts zwischen Schwabbruck und Schongau zum Jahreswechsel zu beantragen.

Die Leitung spiele eine entscheidende Rolle für die Stromversorgung der Region und für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, schildert LEW-Sprecherin Luisa Rauenbusch in einer Pressemitteilung. „Die Hochspannungsleitung wurde in den 1950er Jahren errichtet und ist am Ende ihrer technischen Lebensdauer angekommen.“ Im Rahmen der Erneuerung soll auch die Übertragungskapazität der Leitung erhöht werden.

Großteil der Masten bereits erneuert

13 von insgesamt 19 Strommasten auf dem zweiten Abschnitt hat LVN bereits erneuert. Von April bis Oktober 2020 mussten die Arbeiten pausieren, da in diesem Zeitraum in der Region besonders viel Strom aus Wasserkraft und Photovoltaik eingespeist wird. Damit der in der Region erzeugte Strom auch abtransportiert werden konnte, musste die Leitung mit maximaler Kapazität zur Verfügung stehen. Anfang November liefen die Arbeiten an den restlichen sechs Masten an. Die Leitungserneuerung soll bis Ende des Jahres weitestgehend abgeschlossen sein und der erneuerte Abschnitt bis dahin in Betrieb gehen. Einzelne Restarbeiten folgen bis ins Frühjahr hinein. LVN investiert in die Erneuerungsarbeiten insgesamt rund vier Millionen Euro.

Ersatzneubau in bestehender Trasse

Die Erneuerung der rund fünf Kilometer langen Leitung erfolgt als Ersatzneubau in bestehender Trasse. Einzelne Maststandorte wurden dabei in Abstimmung mit Grundstückseigentümern verändert. Der Abschnitt von Bidingen nach Schwabbruck ist der erste im Netzgebiet von LVN, der statt mit Gittermasten vollständig mit Stahlvollwandmasten umgesetzt wird. Dies geschehe in enger Abstimmung mit der Gemeinde Ingenried, so LEW-Sprecherin Rauenbusch. Dafür baut LVN zunächst neben den bestehenden Maststandorten neue Fundamente. Danach werden die Stahlvollwandmasten mit Hilfe eines Autokrans errichtet, die alten Masten abgebaut und die neuen Leiterseile eingezogen.

Da die 110-kV-Verbindung über zwei voneinander unabhängige stromführende Systeme verfügt, ist es möglich, jeweils eines am Netz zu lassen, während am anderen gearbeitet wird. Netzkunden in der Region merken von den Erneuerungsarbeiten nichts.

Letzter Abschnitt nach Schongau

Die Leitung Bidingen-Schwab­bruck ist Teil der Ost-West-Verbindung zwischen den Umspannwerken Bidingen und Schongau. „Und von zentraler Bedeutung für die Stromversorgung in der Region“, so Rauenbusch. Die gesamte Leitung wird abschnittsweise erneuert.

Das Genehmigungsverfahren für den Ersatzneubau des dritten und letzten Leitungsabschnitts zwischen Schwabbruck und Schongau will LVN zum Jahreswechsel beantragen. In Abstimmung mit den Gemeinden und Grundstückseigentümern in Schwabbruck, Schwabsoien und Altenstadt habe LVN einen Trassenverlauf erarbeitet, der noch etwas weiter von bestehender Wohnbebauung abrückt, schildert Rauenbusch. Tatsächlich war der Trassenverlauf mehrfach Gegenstand der Gemeinderatssitzungen in den betroffenen Gemeinden. Dabei ging es mitunter kontrovers zu (wir berichteten). Für den Bereich südwestlich von Altenstadt ist auf Wunsch der Gemeinde eine Erdverkabelung geplant. Die durch die Verkabelung entstehenden Mehrkosten trägt sie selbst.

So funktioniert das Stromnetz in Deutschland

Das deutsche Stromnetz ist unterteilt in Übertragungsnetze (Höchstspannung) und Verteilnetze (Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung). Die oft als Stromautobahnen bezeichneten Übertragungsnetze nehmen den in den Großkraftwerken produzierten Strom auf und transportieren diesen mit einer Höchstspannung von 380 beziehungsweise 220 Kilovolt (kV) über lange Entfernungen zu den Verbrauchsschwerpunkten. Auf der Ebene der Verteilnetze wird der Strom in Hoch-, Mittel- und Niederspannung übertragen. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird Strom zunehmend auch auf der Verteilnetzebene in das Übertragungsnetz zurückgespeist.

• Hochspannung (110 kV) im regionalen Verteilnetz: Hochspannungsnetze übernehmen die regionale Verteilung von Strom. Sie verbinden Netzknotenpunkte in einer Region, etwa Ballungszentren oder sehr große Industriebetriebe.

• Mittelspannung (10 kV bzw. 20 kV) im regionalen Verteilnetz: Mittelspannungsnetze verbinden die kleineren Ortschaften. Auf dieser Spannungsebene erfolgt die Versorgung von Industrie- und größeren Gewerbebetrieben.

• Niederspannung (230 V bzw. 400 V) im lokalen Verteilnetz: Niederspannungsnetze sind für die Feinverteilung von Strom zuständig. Private Haushalte, kleinere Industriebetriebe, Gewerbe und Verwaltung beziehen hierüber ihren Strom. Die Niederspannung entspricht damit dem „Strom aus der Steckdose“.

Umspannwerke beziehungsweise die Ortsnetzstationen und Trafohäuschen bilden die Verbindung zwischen den Spannungsebenen. Sie machen den Strom für die jeweilige Spannungsebene „kompatibel“, indem sie die Spannung hoch- bzw. heruntersetzen.

kb

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