Zum 200. Geburtstag des bekannten Pfarrers

Erneuerung der Schongauer Kneipp-Anlage

Kneipp-Anlage Schongau Lechuferstraße
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Soll bald aus dem Winterschlaf erwachen: Die Kneipp-Anlage an der Schongauer Lechuferstraße.

Schongau – Heuer jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp. Im Gedenken an sein Leben und Wirken sowie seine Verdienste um die Gesundheit seiner Mitmenschen würdigt der Freistaat Bayern Kneipp in vielfältiger Weise. Unter anderem bietet er den Kommunen seine Unterstützung bei der Instandsetzung ihrer Kneipp-Anlagen an. Die Stadt Schongau hat sich in ihrer jüngsten Stadtratssitzung dafür ausgesprochen, diese wahrzunehmen.

Ziel des Sonderprogrammes „Touristische Infrastruktur – Kneipp-Anlagen“ ist es, zum Jubiläumsjahr möglichst viele Anlagen bayerischer Kommunen in einen zeitgemäßen und attraktiven Zustand zu bringen sowie die Infrastruktur im Einzelfall durch neue Anlagen auszubauen, schilderte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich dem Gremium. Auch die Schongauer Anlage an der Lechuferstraße hat schon bessere Zeiten gesehen.

Förderzusage bekommen

In Zusammenarbeit mit Stadträtin Marianne Porsche Rohrer habe sich die Verwaltung daher für das Förderprogramm beworben und ein Konzept für die Sanierung und Erweiterung der Anlage erstellt. „Wir haben die Förderzusage im Januar bekommen“, sagte Dietrich in der Stadtrats-Sitzung vergangene Woche.

Die vorhandene Anlage an der Lechuferstraße soll nun nach den fünf Säulen der Kneipp-Therapie saniert und erweitert werden. Diese Säulen werden dargestellt von Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance. Hauptbestandteil ist natürlich die Wassertret-Anlage. Das Becken wurde seit längerem nicht gewartet, erklärte Dietrich. Weiterhin ist der Zu- und Ablauf mit Armaturen zu richten und neue Handläufe aus Edelstahl anzubringen. Der Pflasterbelag genüge nicht mehr der Verkehrssicherheit und sei zu ersetzen; im Bereich der Verkehrswege für mobilitätseingeschränkte Personen sei dies mit einem Pflaster mit engen Fugen, im übrigen Bereich mit einem Pflaster mit breiten Fugen zu geschehen.

Das „Schachbrett“ werde so belassen, jedoch soll eine Reinigung der Pflastersteine vorgenommen beziehungsweise schadhafte Stellen ausgetauscht werden. Auch hier soll ein neuer Pflasterbelag als Einfassung angebracht werden. Zum Bespielen wird eine Lagerbox mit Spielsteinen installiert. Die vorhandenen Ruhebänke werden zurückgebaut und neue angeschafft.

Angrenzend soll der Bereich „Ruhe und Bewegung“ geschaffen werden. Hier schlug der Stadtbaumeister Balancier­elemente – zum Beispiel aus Baumstümpfen – in der Wiese vor. Des Weiteren soll eine Relax-Liege zur Entspannung dienen.

Im Zuge der Barrierefreiheit soll der Bereich bis zum Armtauchbecken mit einem Pflasterbelag mit engen Fugen gestaltet werden. Als weiteres Angebot sei auch ein zusätzliches Armtauchbecken mit niedriger Höhe geplant, so Dietrich. Als Alternative könnte ein Fußtauchbecken mit Ruhebank errichtet werden.

Um etwaigen Kritikern zuvor zu kommen, ergänzte Marianne Porsche-Rohrer: Martin Blockhaus vom Tiefbauamt habe sich sehr viele Gedanken gemacht, wie man auch mit einem Rollstuhl in das Tretbecken gelangen könne. Jedoch würde das dem Prinzip der Kneipp-Therapie, die eher auf sehr kurzes Verweilen im kalten Wasser ausgelegt ist, deutlich widersprechen, machte Porsche-Rohrer deutlich. Alternativ könnte man eher an einen Gießschlauch denken. Über das Anlegen eines Kräutergartens sowie einer Obstwiese könne man in einem weiteren Schritt außerdem noch nachdenken, so der Stadtbaumeister.

Bei einer groben Kostenschätzung ist Dietrich auf knapp 50.000 Euro für die vorgestellten Maßnahmen gekommen. Die Förderung liege bei 18.000 Euro. Hinzu kommen noch Eigenregiearbeiten von Bauhof, Stadtgärtnerei und Bauamt, die er mit etwa 27.400 Euro beziffert. Das besondere an dem Förderprogramm sei es nämlich, dass nach erster Information auch kommunale Eigenleistungen gefördert werden. Durch die Corona-bedingt fehlenden Veranstaltungen habe der Bauhof sowie die Stadtgärtnerei Kapazitäten frei, so der Stadtbaumeister. Unter dem Strich bleiben der Stadt Schongau rund 4.520 Euro, die sie selbst aufbringen muss.

Ein stückweit handele es sich bei der Kneipp-Anlage um ein Kleinod, bei dem dringend Handlungsbedarf bestehe, äußerte sich Ilona Böse (SPD) zu der Planung. „Ein freier Blick auf den Lech wäre noch ein Zuckerl oben drauf“, merkte sie an. Bürgermeister Falk Sluyterman wies darauf hin, dass das nicht so einfach sei, schließlich liege das im Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamtes. Er versprach aber, mit dessen Leiter Kontakt aufzunehmen.

Aus touristischer Sicht erkannte Kornelia Funke (CSU) hier eine positive Entwicklung. Die Anlage sei fußläufig vom Wohnmobil-Stellplatz aus zu erreichen und sie liege auf dem Weg zum Lido. Einziges Thema sehe sie in der Pflege, so Funke. „Da müssen alle ein Augenmerk drauf haben.“

Kräuter statt Amphibien

„Toll, dass man sich da jetzt drum kümmert“, befand auch Bettina Buresch (Grüne) und bezeichnete es als ein „Highlight für Schongau“. Lediglich die Anlage eines Kräutergartens halte sie an dieser Stelle für wenig sinnvoll, da der Boden dort sehr feucht sei. „Vielleicht sollten wir eher an einen Teich für Amphibien denken“, meinte die Umweltreferentin. Eine der Säulen nach Kneipp seien nun einmal Heilkräuter, erwiderte Porsche-Rohrer. Da gebe es auch sehr robuste Exemplare.

Trotz eher verstaubtem Image des Kneippens, sei die Anlage auch wichtig für die Schule, betonte Gregor Schuppe (ALS), der das Becken gerne für einen Ausflug mit seinen Schülern nutze. Das größte Problem bei der Pflege sei seiner Meinung nach die Verlaubung des Beckens. Dieses könnte einfach mit der Anbringung eines Keschers gelöst werden, befand Schuppe.

Verkehrstempo drosseln?

Zu bedenken gab Alexander Majaru (SPD) die dortige Verkehrssituation. Zwar sei da jetzt schon auf Tempo 30 reduziert, jedoch werde sich daran nicht immer gehalten. „Vielleicht kann man an der Stelle noch weiter drosseln?“

Der Stadtrat beschloss mit einer Gegenstimme – der von Martin Schwarz (SPD) – das Planungskonzept für die Sanierung und Erweiterung der Kneipp-Anlage unter dem Vorbehalt der Förderung umzusetzen. Die entsprechenden Haushaltsmittel werden bereitgestellt.

Astrid Neumann

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