Verkehrssituation am Schongauer Schulzentrum:

Heißes Eisen Hol- und Bringzone

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Die Anbindung des Hauses für Kinder und die Verkehrssituation rund ums Schulzentrum erregten am Dienstag die Gemüter im Stadtrat.

Schongau – Bereits im Februar 2017 beschäftigte sich der Stadtrat mit der Vorplanung rund um den Verkehr am Schulzentrum. In der jüngsten Sitzung ging es nun an die Details der Entwurfsplanung, die im Allgemeinen gut ankam. Nur ein Punkt sorgte für Bauchschmerzen.

Zu Beginn fasste Bauamtsleiter Sebastian Dietrich den Sinn des Vorhabens zusammen: Es gehe um die Verbesserung der Erschließung des Schulzentrums und der Sportstätten, die Entschleunigung des Verkehrs an der Marktoberdorfer Straße, die Entschärfung der Gefahrensituation an der Ausfahrt des Gartenweges, die Erschließung neuer Parkplätze für das Gymnasium, die Anbindung des Hauses für Kinder sowie die Verbesserung der allgemeinen Sicherheit, vor allem in der Fanschuhstraße.

Nachdem Planer Holger Theisen das gesamte Projekt vorgestellt hatte, sorgte die vorgesehene Hol- und Bringzone für Aufregung. Dort könnten Eltern ihre Kinder aus dem Auto aussteigen und nach der Schule wieder einsteigen lassen. In einer baulich getrennten Bucht entlang der Marktoberdorfer Straße kurz vor der Bushaltestelle soll Platz für acht Autos hintereinander entstehen und ein Gehweg direkt zum Schulzentrum führen.

Zahlreiche Stadträte stellten die komplette Zone infrage. „Fast 400.000 Euro, damit man die Kinder bis vors Loch fährt und ihnen den Spaß am Schulweg nimmt“, zweifelte Ilona Böse (SPD) das Vorhaben an. Nina Konstantin (ALS) befürchtete, die Zone sei ein „Anreiz für Eltern, die es sich bisher noch überlegt haben, mit dem Auto zu fahren“. Als „pervers“ und „Schnapsidee“ bezeichnete Bettina Buresch (ALS) die Hol- und Bringzone. Sie wisse aus sicherer Quelle, dass auch die Lehrerschaft diese ablehnen würde. Ihr Fazit: „Wir sollten es Leuten, die sich verkehrt verhalten, nicht noch erleichtern.“ Diese Einstellung stieß bei Robert Stöhr (CSU) auf komplettes Unverständnis. Er lobte die Hol- und Bringzone: „Es steigt doch jedes Kind sicherer ein und aus“, konterte er. „Das ist das Sinnvollste, was man verkehrstechnisch tun kann.“

Dietrich appellierte, sich für die Zone zu entscheiden, denn seitens der Stadt sei angesichts des täglichen Chaos rund um die Schulen bereits alles versucht worden, um die Eltern vom Fahrdienst wegzubewegen: Informationsbroschüren, bauliche Maßnahmen, Kontrollen durch die Polizei; „Alles wird ignoriert. Die Eltern werden weiter fahren. Ich wüsste nicht, was wir noch machen sollen, um das zu verhindern.“ Gefährliche Situationen, die derzeit täglich entstünden, könnten durch die Neugestaltung verringert werden.

Im Gegenteil zu der Hol- und Bringzone fand der geplante Kreisverkehr große Zustimmung, nur bei der Größe machten sich einige Sorgen. „Wir sind hier ein gebranntes Kind“, meldete sich Armin Schleich (SPD) zu Wort. Bereits an anderen Stellen seien Nachbesserungen nötig gewesen, um die Straßen für Lkw befahrbar zu machen. Kornelia Funke (CSU) forderte ebenfalls: „Der Kreisel muss groß genug sein.“

Theisen versuchte zu beruhigen: „Der Kreisverkehr wurde an anderer Stelle bereits mehrfach gebaut und er funktioniert.“ Außerdem sei der Durchmesser ohnehin bereits auf 30 Meter vergrößert worden. „Sattelschlepper und Gelenkbusse kommen ohne Probleme durch.“

Friedrich Zeller (SPD) brachte einen weiteren Kritikpunkt aufs Tapet: „Es fehlt die Einbindung des Radverkehrs“, attestierte er dem Bauvorhaben noch „deutliche Schwächen“ und bat darum, die Radwege bei den weiteren Planungen nochmals zu behandeln. „Wir müssen es Radfahrern so einfach wie möglich machen“, fand auch Buresch (ALS) und wurde von den Beiträgen weiterer Räte bestärkt.

Die bisher von einem anderen Büro geplanten Radwege, die im Rahmen des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts IKEK bereits angedacht seien, gingen konform mit den rund um das Schulzentrum entstehenden Achsen, erläuterte Dietrich den Istzustand. Bei weiteren Planungen könne man mit dem landkreisweit planenden Büro zusammenarbeiten und weitere Punkte besprechen.

Ein Verkehrschaos befürchteten zahlreiche Räte während der Bauphase. Als „nicht ganz einfach“ bezeichnete auch Planer Theisen die Situation an der Marktoberdorfer Straße. Der Grund seien rund 13.000 bis 14.000 Fahrzeuge sowie ein hoher Anteil an Lkw, die die Fahrbahn täglich nutzen. Daher seien die Bedenken nachzuvollziehen.

„In Schongau sind wir 2018 straßenbaumaßnahmengeschädigt“, sagte Helmut Hunger (CSU) und hakte nach, wie die Regelung für die Baustelle aussehen soll. Tobias Kalbitzer (ALS) ging sogar noch weiter und sprach im Zusammenhang mit anderen Großbaustellen – denn auch die Sanierung der Oberfläche der Lechtalbrücke sei geplant – von einem „Verkehrs­infarkt“, wenn diese gleichzeitig angegangen würden. Zeller wünschte sich ein „gutes Baustellenmanagement an der Lebensader“ .

„Wir müssen noch etwas Hirnschmalz reinstecken“, gestand Theisen, dennoch sei er zuversichtlich, eine Lösung zu finden, die ohne eine Vollsperrung oder eine Baustellenampel gelingen kann. Durch die Breite der Markt­oberdorfer Straße gebe es genug Platz, um zwei Spuren dauerhaft beizubehalten. „So würde das Jonglieren funktionieren“, erklärte er genau, welcher Teil in welcher Reihenfolge häppchenweise dran wäre. Lediglich die Lkw müssten großräumig umgeleitet werden, um ein Chaos zu verhindern.

Bereits bevor Kritik bezüglich der Kosten von insgesamt 2,3 Millionen Euro kommen konnte, erklärte Theisen die Gründe für die hohe Summe. Ein großer Kostenpunkt sei die Entsorgung des abgetragenen Materials. Eine geologische Untersuchung wurde bereits im Februar veranlasst, um herauszufinden, was im Untergrund schlummert.

Das Ergebnis: Zahlreiche Tonnen Aushub müssen auf Deponien gebracht werden. Derzeit belaufen sich die Kosten pro Tonne auf etwa 100 Euro. „Bereits ein Kubikmeter Kies wiegt etwa zwei Tonnen“, verdeutlichte Theisen die Mengen und riet zu baldigen Schritten, da die Preisspirale für die Entsorgung derzeit stetig nach oben laufe.

Dies gelte auch für den Einkauf von neuem Kies, denn in den letzten drei bis vier Jahren sei der Kubikmeterpreis von 25 auf 35 Euro gestiegen. Teilweise würden derzeit sogar 45 Euro verlangt.

An der Marktoberdorfer Straße selbst sei die Situation besser als erwartet und sogar seien Einsparungen möglich. Außer am neuen Kreisverkehr müsse doch kein Vollausbau stattfinden. Voraussichtlich werde die Sanierung der Oberfläche im gesamten Abschnitt genügen, da die Risse nicht sehr tief reichen. „Wenn die alte Binderschicht okay ist, können wir 75.000 Euro sparen.“

Auf die Frage nach der Bauzeit erläuterte Dietrich, diese sei an einige Fristen gebunden. Es müssten beispielsweise rechtzeitig Parkplätze für das Gymnasium geschaffen werden. Außerdem sei auch den Anwohnern eine schnelle Lösung zugesagt worden.

„Wir haben nicht mehr viel Luft“, warb Dietrich für eine rasche Entscheidung. Auch um Förderungen zu erhalten – rund 60 Prozent der Kosten für den Kreisverkehr –, müsse der Antrag bald gestellt werden.

Schließlich gaben alle Stadträte – unter der Prämisse, die Radwege noch einzuarbeiten – in allen Punkten außer der Hol- und Bringzone ihre Zustimmung für das Großprojekt. Bei dem umstrittenen Punkt siegten die Befürworter knapp mit 13:10 Stimmen. 

ug

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