Casa Verde eingeweiht:

Ein Haus für Geflüchtete, Behinderte und die Gärtnerei

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Segnung durch Pfarrer Dirk Wollenweber. Vorne (von rechts) die Fachbereichsleiter Markus Sinn, Andreas Kurz und Werner Deuring von der Gärtnerei.

Herzogsägmühle – Um das erste reine Mietshaus, das in Herzogsägmühle gebaut wurde, handelt es sich bei dem Gebäude Casa Verde, das östlich der Gärtnerei errichtet und nun vom evangelischen Pfarrer Dirk Wollenweber aus Peiting geweiht wurde. Dort haben im Erdgeschoss sechs geistig Behinderte ein Zuhause. Oben wohnen 17 anerkannte Flüchtlinge in 13 Apartments. Und im Westflügel sind Sozialräume, Umkleiden und ein Schulungsraum für Mitarbeiter und Auszubildende der Gärtnerei untergebracht.

Das Gebäude mit der grünen Fassade hat 2,5 Millionen Euro gekostet, wie die leitenden Mitarbeiter Andreas Kurz und Markus Sinn von Herzogsägmühle schildern. So eine Anlage, die komplett von Herzogsägmühle vermietet wird, ist im Diakoniedorf bei Peiting bislang einmalig. Die evangelische Landeskirche hat 100.000 Euro beigesteuert. Wesentlich gefördert wurde Casa Verde – die Begriffe stehen für Haus und guten Boden – über den sozialen Wohnungsbau der Regierung von Oberbayern. Der Staat gab ein Darlehen von mehr als 1,5 Millionen Euro.

In der Anlage treffen drei Fachbereiche zusammen: Flüchtlinge, also Menschen in besonderen Lebenslagen (Fachbereichsleiter Andreas Kurz), Behinderte (Fachbereichsleiterin Ruth Conolly) und Lehrlinge sowie Ausbilder der Gärtnerei, wenn sie dort den Schulungsraum und die Sozialräume aufsuchen (Fachbereich Arbeit und Integration, Leiter ist Markus Sinn).

Die Apartments sind seit März bezogen worden. Einer der 21 Bewohner ist der anerkannte Flüchtling Yousufzi Noruddin. Er sprach (für ihn ist es „der Anfang eines neuen Lebens“) ebenso ein kurzes Grußwort wie drei Lehrlinge.

Die Miete ist auf 4,50 Euro je Quadratmeter festgesetzt und kann – angepasst an die Inflation – nur moderat erhöht werden. Die Förderung für die Bewohner sieht so aus, dass der Staat die Differenz zum regulären Mietpreis in der Region (zirka neun Euro) drauf gibt. Der Passus mit dem sozialen Wohnungsbau ist für 30 Jahre festgeschrieben.

Architekt Fritz Weinberger (Schongau) blickte darauf zurück, dass ein Projekt dieser Größenordnung „in extrem kurzer Zeit“ realisiert worden sei. Spatenstich war im November 2016. In der Bauzeit habe es mehrere Veränderungen gegeben: Ein Lift in einem freistehenden Aufzugschacht auf der Nordseite sei dazu gekommen, der Zuschnitt der Apartments kurzfristig geändert worden. Auch habe man die Flure komplett aufgelöst und eine „große Halle“ zwischen dem Ost-, Süd- und dem Westflügel geschaffen.

Franz Seidel, zweiter Bürgermeister von Peiting meinte, da entstünde „ein Ort des Wohlfühlens“. Mit dem Bau in Herzog­sägmühle sei eine Last von der Marktgemeinde Peiting genommen worden, indem dringend benötigter Wohnraum geschaffen worden sei. Susanne Seeling, Ehrenamtskoordinatorin für Asylhelfer, anerkannte das Zusammenführen von Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenslagen in so einem Gebäude.

Werner Deuring – er ist seit 1980 in der Gärtnerei – freute sich über die zeitgemäßen Räume. Zusammen mit Leonhard Ressler, Stefan Bzufka, Johann Kuntscher, Sandra Graf, Heike Börmann und Andrea Ott kümmert er sich in Herzogsägmühle um die inzwischen knapp 30 Auszubildenden. Diese werden, wie Dr. Wolfgang Besener vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg schilderte, zum Garten- und Landschaftsbauer (zwölf Jugendliche), zum Zierpflanzenspezialist und Gemüsegärtner ausgebildet und zu nahezu 100 Prozent weitervermittelt. 

Johannes Jais

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