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Erster Neujahrsempfang seit 2020 in Franz-Josef-Strauß Kaserne

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Von: Manfred Ellenberger

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Kaserne Altenstadt Neujahrsempfang 2023
Nach dem offiziellen Teil kamen die Teilnehmer nach drei seit dem letzten Neujahrsempfang vergangenen Jahren wieder ins Gespräch miteinander. © Ellenberger

Altenstadt – Für die beiden Gastgeber beim traditionellen Neujahrsempfang in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne war es das erste Mal, die Gäste zu diesem Anlass begrüßen zu dürfen. Sowohl der Standortälteste und Kommandeur des Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillons 3 (FA/UA-Btl 3) Oberstleutnant Sven Tillery als auch der Kasernenkommandant und Leiter der Luftlande-/Lufttransportschule (LL/LTS) Oberstleutnant Martin Holle waren beim letzten Empfang im Januar 2020 noch anderweitig eingesetzt. 

Tillery hatte sein Bataillon im Juli 2020 übernommen und Holle die Schule im Oktober 2021. Aber auch für Andreas Kögl war es der erste Neujahrsempfang als Bürgermeister der Garnisonsgemeinde. Tillery freute sich in seiner Funktion als Standort­ältester darüber, dass „ein solcher Empfang nach der Corona-Abstinenz wieder möglich ist“. Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine sprach er von „bewegten Zeiten“. Die Gesellschaft müsse „wieder näher zusammenrücken“; es gelte sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen, sich auszutauschen und bewusst darüber zu sein, welch hohes Gut Frieden und Freiheit sind.

Nach einem kurzen eindrucksvollen Imagefilm der LL/LTS hielt deren Leiter Martin Holle seine Ansprache. Darin betonte er, dass Altenstadt und die LL/LTS „seit nun bald 70 Jahren“ zusammengehören und sich die Soldaten stets darauf verlassen könnten, in der Gemeinde willkommen zu sein. Er berichtete auch über den aktuellen Tagesbefehl Boris Pistorius‘ an die Truppe. Darin verlautbart der neue Bundesminister der Verteidigung, dass es jetzt seine Aufgabe sei, die Bundeswehr gemeinsam mit deren Angehörigen erfolgreich durch diese historische Phase zu führen. Die Bundeswehr werde daraus gestärkt hervorgehen, dann deutlich kampfstärker und durchhaltefähiger sein. Dabei würden Aufbruch und Umbruch die Realität der kommenden Jahre sein.

Tillery Kaserne Altenstadt
Gleich zweimal – als Standort­ältester und als Kommandeur des FA/UA-Btl’s – ging Oberstleutnant Sven Tillery auf die Aufgaben am Standort und jene seiner ab dem IV. Quartal fließend aufzulösenden Dienststelle ein. © Ellenberger

„Wenig befriedigend“

Auf die von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2022 gekürte ‚Zeitenwende‘ ging er wie Tillery nochmals ein. Diese sei nämlich auch für die LL/LTS außerordentlich relevant, was in der Einnahme einer neuen Zielstruktur des Heeres begründet liege. Aus dieser leiteten sich die Ausbildungsbedarfe ab, was wiederum „in direkter Folge die Struktur der Luftlande-/Lufttransportschule“ betreffe. Da aber die Zielstruktur der Division Schnelle Kräfte als Hauptbedarfsträger noch nicht feststehe, könne auch der künftige Bedarf in den Bereichen Luftlande- und Lufttransport­ausbildung noch nicht verlässlich bestimmt werden.

Das Kommando Heer habe entschieden, den bereits 2019 festgestellten Bedarf von annähernd 40 zusätzlichen Ausbildern in 2023 bis auf weiteres nur knapp zur Hälfte zu decken. Damit werde die Zeitenwende für die LL/LTS zunächst zu einer „wenig befriedigenden weiterhin unteralimentierten Ausbildung vor Ort“ führen. Nach Vorliegen der Zielstruktur müsse hier zügig nachgesteuert werden.

Auch Positives

Holle konnte aber auch Positives berichten. So schreite die Einführung des neuen Truppenfallschirms EPC-B deutlich voran und die Ausbildung an dem neuen leistungsfähigen und risiko­ärmer als bislang zu landenden System soll schon heuer beginnen. Bei der Versorgung von Luftlandeoperationen aus der Luft sei man zwar derzeit noch schlecht aufgestellt, im laufenden Jahr sei aber die Zulassung von neuen Lastenabsetzsystemen, die unter Federführung der LL/LTS entwickelt wurden, zu erwarten. Darüber hinaus werde man die Wehrtechnische Dienststelle 41 ab etwa Oktober bei der Erprobung eines neuartigen Absetzsystems unterstützen. Dieses soll in Zukunft das sichere und zügige Absetzen von Lasten, insbesondere von Fahrzeugen bis 16 Tonnen, ermöglichen. Die nötigen Absetzversuche „werden sicherlich ein echtes Highlight“. Auch das Projekt Windtunnel sei mit einem Investitionsvolumen von 14 Millionen Euro mit dem Ziel der Übernahme im Jahr 2030 auf den Weg gebracht worden. Hinzu kommt ein seit letztem Jahr im Bau befindlicher Abseil- und Kletterturm für rund zwei Millionen. „Summiert man alle bis 2030 geplanten Infrastrukturmaßnahmen auf, so ist die Investition von 100 Millionen Euro notwendig“, fasste er zusammen.

Vor der Auflösung

Anschließend folgte eine weitere Ansprache von Oberstleutnant Tillery, diesmal in seiner Eigenschaft als Kommandeur des FA/UA-Btl 3. Zunächst ging er in einem Rückblick auf das Jahr 2022 ein. Da habe der Schwerpunkt auf der Ausbildung des Führernachwuchses und damit den Feldwebel- und Unteroffizieranwärtern gelegen. Unter anderem seien in dem Jahr 700.000 Schuss Munition verbraucht und insgesamt vier Truppenübungsplatzaufenthalte in Stetten am kalten Markt absolviert worden. Außerdem gab es zwei Vereidigungen. Die letzte davon öffentlichkeitswirksam auf dem Schongauer Marienplatz. Nach der Umstellung der Ausbildung werden seit Oktober keine Grundausbildungen mehr durchgeführt, was Tillery sehr bedauert. Verblieben sind die dreimonatigen Unteroffizierlehrgänge.

Den Blick auf das noch junge Jahr 2023 gerichtet gab er zu verstehen, dass der Ausbildungsauftrag des Bataillons zum Oktober endet. Bis dahin werde man noch drei Unteroffizierlehrgänge durchführen und danach in eine sechsmonatige Auflösungsphase gehen. Die Verringerung um etwa 160 Dienstposten soll fließend erfolgen. Welcher Truppenteil dem Bataillon nachfolgt, sei noch offen. Tillery selbst dürfte das Bataillon wohl spätestens zum Ende der Ausbildung verlassen, was auch bedeutet, dass der aktuelle Neujahrsempfang nicht nur sein erster, sondern auch einziger bleiben dürfte.

Garnisonsbürgermeister Kögl hob hervor, dass beide Ausbildungseinrichtungen und deren Soldaten weit über die Gemeindegrenzen Altenstadts hinweg große Wertschätzung genießen. Zu hoffen bleibe, dass die angekündigten Mittel baldmöglichst zielgerichtet vor Ort ankommen. Auch am eigenen Standort gebe es schließlich noch einiges zu tun.

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