Casting für Rettungshunde

Spielen, schnuppern, suchen

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Ein perfektes Zusammenspiel beim „Eierlauf“ von Frauchen Birgit aus Peiting und „Keks“, dem erst fünf Monate alten Sprössling eines Berner Sennhundes mit einer Appenzellerin.

Peiting – Sie sind bei der Suche vermisster Personen eine unverzichtbare Hilfe, beim Auffinden verschütteter Menschen unter Lawinen oder in Erdbebengebieten leisten sie immer wieder wertvolle Dienste und sind bei vielen Einsätzen nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist von Rettungshunden mit ihren Führern, die eine komplexe Einheit bilden. Auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs für die BRH Rettungshundestaffel Pfaffenwinkel Werdenfelser Land wurde jetzt das erste Rettungshundcasting abgehalten.

Ein Casting für Rettungshunde, das weckt wahrlich Interesse. Hier geht es darum, die Möglichkeit zu bekommen, einen Tag lang in die Arbeit eines Rettungshundes reinzuschnuppern. Mit eigenem Hund im abgelegenen, fremden Gelände. 15 Vierbeiner mit ihren Frauchen und Herrchen nahmen die Gelegenheit wahr, einen Tag lang mit Tierärzten und Hundeführern gemeinsam zu verbringen. Bemerkenswert, die Frauchen waren deutlich in der Mehrzahl.

Vor 26 Jahren wurde Claudia Wagner mit diesem besonderen Virus infiziert. Zusammen mit ihrem Vierbeiner verfolgte sie eine Aktion mit einem Rettungshund und schloss sich begeistert der Gruppe an. Mittlerweile führt sie eine Hundeschule und kümmert sich um den Nachwuchs und die Ausbildung bei der Rettungshundestaffel Pfaffenwinkel Werdenfelser Land . So wie an diesem Sonntag, an dem die interessierten Teilnehmer zum Casting gekommen sind. Aus allen Regionen des Oberlands. Ein Team ist sogar aus München angereist.

„Wenn Sie gerne eine intensive Zeit mit ihrem Vierbeiner verbringen und Menschen in Notsituationen helfen wollen, dann sind Sie hier genau richtig“, begrüßt Claudia Wagner die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Funkturm zwischen Peiting und Rottenbuch. Dieses Gelände wurde von ihr gewählt, um auf mehreren Stationen das Verhalten von Tier und Mensch zu begutachten. In aller Ruhe, weg von der Zivilisation. Natürlich nicht alleine. Claudia hat einen ganzen Arbeitsstab mitgebracht. Zwei Tierärztinnen und drei erfahrene Hundeführer werden sich an diesem Tag um die Teams kümmern. Ohne Eile, ohne Hektik, man nimmt sich alle Zeit der Welt.

Bevor es losgeht, müssen alle zum Gesundheitscheck. Einer nach dem anderen. Eine der Tierärztinnen ist Stephanie ­Schmitt, die erst mal in ruhiger Art das Vertrauen des Hundes gewinnt. Sie tastet Gelenke und Wirbelsäule der Tiere ab, prüft den Zahnstand des Gebisses. Mit einem Lesegerät liest sie die Daten des Chips am Hund aus und vergleicht diese mit denen im Heimtierausweis. Passt alles, gibt sie grünes Licht.

Um das Potential von Vierbeiner und Frauchen zu prüfen, werden an diesem Tag mehrere Stationen durchlaufen. „Hier wollen wir erkennen, ob der Hund motivierbar und die Zusammenarbeit von Mensch und Tier homogen ist“, erklärt Hundeführer Andreas Luidl.

Eigensuche: Hier soll „Kongo“ sein Frauchen Anna-Lena suchen und finden. „Kongo“ ist nicht gerade angetan von dem Versteck. Die verfallene Holzbude ist ihm nicht geheuer. Beim dritten Anlauf, unterstützt durch gutes Zureden und Leckerli findet „Kongo“ sein Frauchen. Und der Kommentar von Tierärztin Stephanie: „Er lässt sich gut motivieren“, dazu eine Streicheleinheit.

Eierlauf am Kindergeburtstag. Jeder kennt es. An der nächsten Station gibt es eine Variante für Frauchen und Hund im Team. Frauchen muss mit einem kleinen Ball auf dem Löffel einen Slalomparcours von Pylonen durchlaufen. Der Hund folgt an der Leine. Das ganze Spiel dauert drei Minuten lang, um möglichst viele Bälle von A nach B zu bringen. Von Einsatztruppführer Rico Müller ist zu erfahren, dass er hier das enge Zusammenspiel von Mensch und Tier beobachtet und beurteilt. Jill aus München mit ihrem Catahula Mix „Kiwi“ schafft sieben Bälle beim Eierlauf. „Eine tolle Leistung“, bestätigt Rico. Jetzt kommt der große Moment für „Keks“ mit Frauchen Birgit aus Peiting. Obwohl noch nicht aus den Kinderschuhen entwachsen, zeigt sich „Keks“ wie ein alter Hase. Er folgt seiner Birgit wie ein Schatten, so dass diese die stolze Zahl von neun Bällen schafft. Tagesrekord.

Weitere Stationen stehen an, bereichert durch eine Vorführung der alten Hasen. „Wir wollen deutlich machen, was auf das jeweilige Team zukommt, wenn es geeignet ist“, erklärt Claudia Wagner. Das wird nach Auswertung aller Ergebnisse entschieden. Dann beginnt die Ausbildung zum Rettungshund, die nach zirka zwei Jahren mit der Einsatzprüfung abschließt. Bei dieser Ausbildung wird auf fremdem Gebiet im Oberland genauso geschult und geübt wie in Abbruchhäusern in München. „Eine Ausbildung mit spannenden Aufgaben und absoluter Vielseitigkeit“, beschreibt es Claudia Wagner.

Weitere Informationen unter www.rhs-pfaffenwinkel.de oder Tel. 0174/6952337.

hh

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