Erzieherinnen im Ausstand

Gemeinsam streiken für mehr Geld

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Mit Trillerpfeifen und Plakaten bewaffnet machten am Montag die Peitinger und Penzberger Erzieherinnen vor dem Streikbüro im Gasthof Draogoner lautstark auf ihre Forderung nach mehr Gehalt aufmerksam.

Peiting – Erst die Bahn, jetzt die Kindertagesstätten: Seit Montag streiken auch in Bayern die Erzieherinnen. Die Gewerkschaften fordern im Schnitt zehn Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes. Auch im Landkreis Weilheim-Schongau bleiben Kindergärten und -krippen geschlossen. Ein Besuch im Streikbüro.

Es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Normalerweise herrscht zu dieser Zeit längst betriebsame Hektik im Peitinger Therese-Peter-Kinderhaus und im Kindergarten am Rathaus. Doch heute nicht. Statt an ihren Arbeitsplatz zu fahren, haben sich die Erzieherinnen im Gasthof Dragoner versammelt. 

Dort hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ihr Streikbüro eingerichtet. Es ist eines von vielen bundesweit, denn in der ganzen Republik sind die Erzieher dem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt, die Arbeit niederzulegen, um so für eine bessere Entlohnung zu kämpfen. 

Jene, die Mitglied bei Verdi oder der GEW sind, tragen sich in Listen ein, sie haben Anrecht auf Streikgeld. Der Großteil der 45 Anwesenden, unter denen sich auch eine Gruppe Erzieherinnen der städtischen Penzberger Kita befindet, ist allerdings nicht gewerkschaftlich organisiert, ein Streiktag bedeutet in diesem Fall kein Lohn. Doch für das gemeinsame Ziel nehmen sie den Verdienstausfall in Kauf.

 „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt etwa Heidi Socher. Ein Zeichen, das an die kommunalen Arbeitgeber gerichtet ist, um zu zeigen, dass sie es ernst meinen mit ihrer Forderung nach mehr Gehalt. Seit 1976 arbeitet die 58-Jährige als Erzieherin, keine dürfte also besser wissen, wie sehr sich der Beruf in den letzten Jahren verändert hat. „Es ist viel pädagogischer geworden“, vergleicht Socher.

Erzieherinnen passen nicht mehr nur auf die Kinder auf, sondern müssen die Vorgaben des Bildungs- und Erziehungsplans umsetzen, pädagogische Konzepte entwerfen. Die gesellschaftlichen Erwartungen an den Berufsstand seien in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, betont auch Irmgard Schreiber-Buhl von der GEW. 

Wer qualitativ hochwertige Arbeit leiste, müsse auch gut bezahlt werden, folgert man daher bei der Gewerkschaft. Um rund zehn Prozent sollen deshalb die Gehälter im Durchschnitt steigen, lautet die Forderung, nachdem sich jahrzehntelang an den Eingruppierungen nichts geändert hat. 

Die Arbeitgeber halten das jedoch für nicht bezahlbar. Seit Ende Februar wurde verhandelt, alle fünf Gesprächsrunden blieben ergebnislos. Mit dem unbefristeten Streik soll nun Druck aufgebaut werden. Eine schnelle Einigung erwartet Manuel Mayr allerdings nicht. „Ich gehe davon aus, dass wir länger als vierzehn Tage streiken müssen“, prognostiziert der Gewerkschaftssekretär von Verdi. 

Die Bereitschaft dazu sei da, ist er sich sicher. Genauso ist er überzeugt, dass die Zahl der Erzieherinnen, die sich beteiligen, noch zunehmen wird. Bislang sind nur wenige Einrichtungen im Landkreis vom Streik betroffen – auch, weil nur Angestellte der städtischen Kitas die Arbeit niederlegen dürfen. 

Soweit blicken Socher und ihre Peitinger Kolleginnen am Montag noch nicht voraus. Ihr Ausstand endet erst einmal am heutigen Mittwoch. Freuen dürfte das vor allem die betroffenen Eltern, die ihre Kinder in den letzten Tagen anderweitig unterbringen mussten. Doch auch von dieser Seite habe man viel Unterstützung erfahren, sagt Socher dankbar: „Der Großteil hat Verständnis für uns.“

Christoph Peters

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