"Nebelfänger in der Wüste"

60 Jahre Erziehungsberatung

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60 Jahre Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung im Landkreis feierten: Stefan Leister (stellvertretender Vorsitzender der KJF), Mechtild Gödde (Leiterin KJF Kinder- und Jugendhilfe), Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Referent Peter Martin Thomas und Kurt Dorn (Bereichsleiter in Schongau) (v. links).

Schongau – Die Anfänge der Erziehungsberatung im Landkreis sind 1958 in Schongau zu suchen. In der Münzstraße konnte sich einmal pro Woche beraten lassen, wer Bedarf hatte. Mittlerweile ist das Modell fester Bestandteil im Landkreis und kann in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiern.

Und das taten alle Beteiligten am vergangenen Donnerstag im Schongauer Ballenhaus. Welch passenden Rahmen das historische Gebäude biete, hob die Leiterin der KJF Kinder- und Jugendhilfe Weilheim-Schongau Mechtild Gödde hervor, denn das Ballenhaus sei auch immer ein Ort der Begegnung gewesen.

Auf die Ursprünge der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung ging der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) Stefan Leister ein. Nach den Anfängen in der Lechstadt ab 1958 kamen später auch Beratungsstellen in Weilheim und Penzberg hinzu. Am Standort Schongau zog man von der Münzstraße in die Bauerngasse, 2014 schließlich an die jetzige Adresse in der Weinstraße. Der Kernauftrag sei jedoch bis heute gleich geblieben, nämlich Rat, Hilfe und Unterstützung zu bieten, wann immer es notwendig werde. Ganz nach dem Motto der KJF „Mut zum Leben“, so Leister.

„Stellen Sie sich vor, Sie irren mutterseelenallein in der Wüste umher“, begann Landrätin Andrea Jochner-Weiß ihr Grußwort. Der einzige Wunsch: Wasser. Und irgendwann kommt ein Helfer mit Wasser und „Sie trinken sich Schluck für Schluck zurück ins Leben“. Das Wasser hat der fromme Helfer von einem der zu Hunderten in der Wüste aufgestellten Nebelfänger. Nein, sie habe nicht die falsche Rede dabei, versicherte Jochner-Weiß. Die Wüste, das sei die mögliche Notlage, in die Familien geraten könnten. Die Erziehungsberatung stelle den Nebelfänger dar. Mit dem Nachwuchs, so die Landrätin, sei man schon mal ratlos oder überfordert. Und manche Pro­bleme seien nicht ohne Hilfe lösbar. Vor allem aber habe sich die Arbeit mit Kindern seit den Anfängen der Erziehungsberatung einem starken Wandel unterzogen.

Diesem Wandel widmete sich Peter Martin Thomas auch in seinem Fachvortrag zum Thema „Erziehung und Erziehungsberatung heute – Welche Erkenntnisse bringt uns die Sinus-Sozialforschung?“. Daneben beschäftigte er sich mit verschiedenen Eltern-Milieus sowie mit dem Thema Jugendliche, Liebe und Partnerschaft.

Thematisch passte auch die musikalische Begleitung gut zum Vortrag. Jugendsozialarbeiter an der Schönach-Schule in Altenstadt Jörg Münsterer widmete sich mit seinen Kindern Max und Anne beatboxend und rappend ebenfalls einer Art Sozialstudie – und zwar mit dem Lied „Ich bin aus Hürth“ von den „Wise Guys“. Textzeilen wie „Das Leben ist ok, was ich immer ‚mittel‘ fand. Ey, Scheiße, Mann, ich glaub ich komm vom Mittelstand“ brachten die Festgäste im Ballenhaus zum Lachen und führten zu anschließendem lang­anhaltenden Applaus für das Trio, bevor Peter Martin Thomas mit seinem Vortrag begann.

asn

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