Bürokratie funkt dazwischen:

EU-Bremse für Weihnachtstrucker

Weihnachtstrucker Reintsch Krankenhausbetten
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Dieses Quartett krempelte die Ärmel hoch, um den Tansport der Krankenhausbetten nach Ungarn zu gewährleisten: Marcel Reintsch, Matthäus Unsinn, Michael Kögl und Hermann Hartmann (v. links).

Schwabbruck – Seit Jahren läuft die bekannte Aktion Weihnachtstrucker, für die sich Berufskraftfahrer Marcel Reintsch 2008 das erste Mal hinters Steuer seines Sattelzuges klemmte. Er wollte helfen, um die von Bürgern gespendeten Geschenkpakete nach Bosnien zu bringen. In diesem Jahr startete die Aktion bedingt durch Corona erst Anfang Januar. Und das für Reintsch mit einer bitteren Enttäuschung: Einen Teil der Ladung musste er zurücklassen. Die EU stellte sich quer.

Der Frust über eine Entscheidung der EU sitzt tief bei Marcel Reintsch: Der Berufskraftfahrer, der unterm Jahr mit seinem 40-Tonner quer durch Europa karrt, hat jetzt eine neue Strophe für ein altes Lied in Sachen Bürokratie dazugelernt.

Wie jedes Jahr hatte er sich gemeldet, zum Weihnachtsfest einen Sattelzug mit Paketen zu beladen und nach Bosnien zu fahren. Das hatten stets die Johanniter organisiert. „Zu diesem Weihnachtsfest musste die Organisation wegen Corona-Auflagen an Firmen übertragen werden, sonst wäre alles ins Wasser gefallen“, erzählt Reintsch. Das heißt: Nur Berufskraftfahrer durften sich mit den Paketen auf die Reise machen. „Diese müssen nicht in Quarantäne“, ergänzt Reintsch, der somit ohne Beifahrer auf Tour musste. Glück im Unglück: Juniorchef Stefan Emter der gleichnamigen Firma aus Altenstadt stellte den Sattelzug kostenlos zur Verfügung.

Reintsch hatte im Vorfeld seiner Tour nach Bosnien 800 Pakete gesammelt und verladen. Ganz besonders stolz war er auf eine Besonderheit: Aus dem Lager des ehemaligen Krankenhauses Peißenberg bekam er 14 Krankenbetten mit elektrischer Hebevorrichtung kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Aktion fädelte er mit Zustimmung der Landrätin Andrea Jochner-Weiß ein.

Doch zwei Tage vor Abfahrt die eiskalte Dusche: Weil Bosnien keiner ihrer Mitgliedsstaat ist, verbot die EU die Mitnahme der Betten. Reintsch lud die für ein Krankenhaus in Banja Luka bestimmten Betten wieder ab. Aber wohin damit auf die Schnelle? Anton Sinn, Bauhofleiter von Schwabsoien, erfuhr von der Lage und stellte sofort Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Betten wurden abgeladen und eingelagert. Den freien Laderaum des Sattelzugs wollte Reintsch nicht ungenutzt lassen.

Also auf nach Donauwörth, wo auf 13 Paletten noch 700 Weihnachtspakete warteten. Die abenteuerliche Fahrt Richtung Bosnien konnte beginnen. Drei Tage und Nächte war Reintsch unterwegs, dann hatte ihn die Heimat wieder.

Doch die gespendeten Betten beschäftigen ihn die ganze Fahrt über. Nach Rückkehr aus Bosnien nahm er Kontakt mit Michael Kögl aus Schwabsoien auf. Von ihm wusste er, dass er sich seit Jahren mit Matthäus Unsinn und Hermann Hartmann sowie einem Helferkreis für Heime in Rumänien und Ungarn einsetzt. Kögl aktivierte seine Kontakte und erfuhr, dass ein Behindertenheim im südungarischen Mohács dringend Betten benötigte. Im Vorfeld hatte Landrätin Jochner-Weiß signalisiert, dass nochmals 16 Betten aus den Krankenhäusern Schongau und Peißenberg abzugeben waren.

Das Helfer-Quartett machte Nägel mit Köpfen: Stefan Emter stellte wieder den Sattelzug zur Verfügung, Michael Kögl seinen firmeneigenen Stapler, Reintsch erledigte den nötigen Papierkram in Sachen Zoll. Insgesamt 30 Betten mit Matratzen wurden jetzt verladen.

2.100 Kilometer liegen nun vor Marcel Reintsch, Mittwochnacht tritt er die Fahrt an. Wieder drei Tage und Nächte auf dem Bock. Er macht es gerne. Weil er weiß, wie dankbar die Menschen in Ungarn über die großzügige Spende sein werden.

Hans-Helmut Herold

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