Eigener Flughafen zum Üben

Europaweit einzigartiges Trainingszentrum in Altenstadt ausgezeichnet

Der Kommandeur des Lufttransportkommandos, Andreas Schick übergibt die Auszeichnung an de Leiter der Luftlande- und Lufttransportschule, Udo Francke.
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Der Kommandeur des Lufttransportkommandos, Andreas Schick übergibt die Auszeichnung an de Leiter der Luftlande- und Lufttransportschule, Udo Francke.
  • VonOliver Sommer
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Altenstadt – Mittlerweile ist es mehr als ein halbes Jahrhundert her, dass der erste Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten gesetzt hat. Dabei wäre der Flug zum Mond ohne die Logistik so wohl nicht möglich gewesen. Und auch heute hängt viel, hängen gerade militärische Operationen vom Nachschub und der Versorgung aus der Luft ab. Dabei kommt es auch auf die Männer und Frauen am Boden an. Um diese Zusammenarbeit, oft auch zwischen verschiedenen Nationen, zu verbessern, gibt es das Air Movement Training Center des europäischen Lufttransportkommandos. Als einer von zwei Standorten wurde das AMTC in Altenstadt für seine Ausbildung ausgezeichnet.

Vor zehn Jahren gegründet, soll das europäische Lufttransportkommando EATC die Effektivität und Effizienz militärischer Luftmobilität, einschließlich Transport, Luftbetankung und flugmedizinischer Evakuierung innerhalb Europas und der sieben Mitgliedsnationen verbessern. Dem EATC gehören neben Deutschland auch Belgien, Frankreich und Italien sowie Luxemburg, die Niederlande und Spanien an; Sitz des EATC ist das niederländische Eindhoven mit den beiden Ausbildungsstandorten Villafranca in Italien und Altenstadt. Seit 2013, so Generalmajor Andreas Schick, der derzeitige Kommandeur des Lufttransportkommandos, liege der Fokus verstärkt auf der Harmonisierung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsnationen.

Der Generalmajor war anlässlich der Auszeichnung des Übungsstandortes Altenstadt angereist und überbrachte die Urkunde persönlich. Im Besonderen anerkenne man die Qualität der Ausbildung, lobte Schick die Arbeit in Altenstadt und ihres Kommandeurs, Oberstleutnant Udo Francke. Wie bei der Mondlandung, so Generalmajor Schick, hänge viel von den Menschen im Hintergrund ab. Und es gehe darum, dass alle das gleiche Knowhow, die gleiche Ausbildung mitbrächten. Dafür gibt es seit 2015 einen Leitfaden für das Groundhandling, also den Bodenumschlag von Passagieren und Nutzlast auf einem Flughafen. Und in Verlängerung dieses Leitfadens eben das Training Center, wo regelmäßig ACATT-Lehrgänge stattfinden. Dabei trainieren die Lehrgangsteilnehmer die Abläufe auf einem Flughafen mit dem Umschlag von Nutzlast und Passagieren und üben das Beladen der modernen Frachtmaschinen wie einer amerikanischen Herkules oder eines Airbus sowie der Frachthubschrauber, die innerhalb Europas und der Nato ihren Dienst versehen. Sein Dank, so der Generalmajor, gehe an die Ausbilder. Doch die Auszeichnung sei vor allem auch eine Wertschätzung hinsichtlich der Multinationalität, eben dem Umstand, dass hier unterschiedliche Nationen und Partner wie aktuell etwa Litauen üben könnten und einheitliche Grundlagen im Bereich des Luftumschlags und -transports vermittelt würden. Gerade das Training in einer internationalen Umgebung sei Voraussetzung für ein optimales Zusammenspiel sowie eine Standardisierung der Methoden der Mitgliedsnationen. Er danke allen Beteiligten, sagte Schick abschließend, dass sie durch ihre Hingabe die Luftmobilität zu einem internationalen Erfolg machten.

Unter anderem sind mehr als 200 Experten beteiligt, um eine gute Ausbildung und beste Ergebnisse zu erzielen. Während allerdings die Ausbildung der Luftlandeschule doch recht augenfällig ist mit den regelmäßigen Fallschirmsprüngen bzw. dem Abwurf von Nutzlast-Schirmen, vollzieht sich das Training im Bereich Groundhandling in eher unscheinbaren Hallen. Neben Modellen der gängigsten Frachtflugzeugtypen, an denen das Be- und Entladen geübt werden kann, können alle relevanten Vorgänge am Rechner simuliert und mit Hilfe von VR-Brillen eine virtuelle Realität geschaffen werden. Wo die Abläufe eines Flughafens nachgestellt werden, ohne in den sensiblen Flugverkehr eingreifen zu müssen. „Im Simulationszentrum können wir einen Flughafen vollständig simulieren“, sagt Hauptmann Roßdeutscher. Der Reservist und Wirtschaftswissenschaftler hat innerhalb von zwei Jahren die Software erdacht, konzipiert und die Implementierung begleitet, die all das möglich macht. „Natürlich ist der virtuelle Raum kein Ersatz für die praktische Ausbildung. Aber er ist eben eine wertvolle Ergänzung. Mit der digitalen Ausbildungsumgebung haben wir einen Kompromiss geschaffen, mit dem wir effektiv und effizient ausbilden können“. So können dann verschiedenste Szenarien geschaffen und Fragen beantwortet werden, etwa wie unterschiedliche Frachtmaschinen am besten mit Paletten und Fahrzeugen beladen werden. Oder was beachtet werden muss, wenn sich die Rüstzustände bei einem Hubschrauber geändert haben. Welche Auswirkungen hat das unter Umständen auf den Transport von Passagieren, Material oder auch auf den Verwundetentransport?

Die Ausbildung befinde sich auf einem hohen Standard, heißt es von Seiten der Kaserne in Altenstadt und „unsere Infrastruktur findet regelmäßig international als Leuchtturmeinrichtung Erwähnung“. Damit wird Altenstadt, das nun als erstes Trainingszentrum ausgezeichnet wurde, ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung weiterer Schritte im europäischen Lufttransport wie der Luftbetankung, der integrierten belgisch-luxemburgischen A400M–Einheit und der Deutsch-Französischen C130-Einheit, die mit der amerikanischen Herkules arbeitet. Damit unterstreiche man die Rolle des EATC beim Lufttransport und Evakuierung von Verletzten, so Generalmajor Andreas Schick.

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