"Ein wertvoller Schatz"

Heiß als Peitings Heimatpfleger

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Ausführlicher Bericht vor den Gemeinderäten: Gerhard Heiß, der das Ehrenamt des Ortsheimatpflegers weiter innehat.

Peiting – Die Heimatpflege braucht Gesichter. Sind das für den Bereich Weilheim-Schongau die beiden Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer und Klaus Gast, so steht dafür in der Marktgemeinde Peiting der Name Gerhard Heiß. Der 72-Jährige aus Ramsau, der im April nach 42 Jahren aus dem Gemeinderat ausgeschieden war, hat sich bereiterklärt, weiterhin die Aufgabe des Ortsheimatpflegers wahrzunehmen.

Im Dezember 2001 war Heiß erstmals zum Ortsheimatpfleger bestellt worden. Damals war der frühere geschäftsleitende Beamte bei der Gemeinde, Sebastian Ostenrieder, an ihn herangetreten mit der Bitte, dieses Ehrenamt zu übernehmen, blickte Heiß in seinen Ausführungen vor den Marktgemeinderäten zurück.

Unabhängig davon, dass Landkreise, kreisfreie Städte und Große Kreisstädte einen ehrenamtlichen Heimatpfleger zu bestellen haben, können auch kreisangehörige Kommunen wie Peiting ohne rechtliche Verpflichtung, kulturell aktive Menschen zu Ortsheimatpflegern berufen. Sie sollen – unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten – in folgenden Bereichen tätig werden: Natur und Landschaft, Ortsgeschichte, Boden- und Baudenkmalpflege, Baupflege, Volkskunde, Schrifttum, Jugendarbeit sowie in der Zusammenarbeit mit Schulen.

Wie vielfältig die Aufgaben aus Peitinger Sicht sind, hat Gerhard Heiß im Gemeinderat aufgezeigt. Dabei betonte er, dass ihm besonders daran liegt, Schilderungen von Zeitzeugen zu Papier zu bringen. Als weitere Stichwörter nannte Heiß die Erklärungen zu Straßennamen, zu alten Hausnamen auf den Höfen (ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband), die Bestimmung erhaltenswürdiger Grabsteine oder die Erinnerung an Traditionen wie z.B. die Grafrather Wallfahrt zu dokumentieren.

Mozarts Brief

Als einen großen Peitinger Bürger erwähnte der Ortsheimatpfleger Augustin Schelle. Der sei ein Freund von Wolfgang Amadeus Mozart gewesen und habe von diesem mal einen Brief bekommen. Solche Raritäten gelte es für die Nachwelt zu bewahren, fügte Heiß hinzu, der in seinen Dank alle einbezog, die sich im Sinne des Brauchtums, der Kultur und des Ortsbildes engagieren.

Anekdoten seien eine willkommene Bereicherung des umfangreichen schriftlichen Materials. Heiß erinnerte daran, dass mal bei einer Beerdigung nach einem Gewitter ein Sarg auf nassem Untergrund am Hang in Bewegung geriet. Oder dass ein Kamerad der Peitinger Wehr bei einem Brand die zu Hilfe eilenden Nachbarn auf der Schongauer Straße mit den Worten ausbremste: „Halt, dös isch unser Feuer“.

Susann Tabatabai-Schweizer (Grüne) zeigte sich „ganz fasziniert“ von den Ausführungen. Heimatpflege mit Archiv im Klösterle sei „ein wertvoller Schatz“. Sie erkundigte sich nach der Kooperation mit Schulen. Heiß antwortete, dass Klassen der Lentner-Schule regelmäßig Ausstellungen im Klösterle-Museum besuchen.

Überhaupt sei es wichtig, bei jungen Leuten das Bewusstsein für die Ortsgeschichte zu wecken. Da gebe es durchaus Jugendliche, die alte Bilder und Schriftstücke der Großeltern schätzen und aufbewahren.

Schriftstücke digitalisieren

Bei all dem Engagement, das Gerhard Heiß an den Tag lege, sei es „unser aller Aufgabe“, einen jüngeren Nachfolger zu suchen. Mit diesem Satz wandte sich Herbert Salzmann (SPD) an die Kollegen im Gremium. Es sei auch wichtig, die Dokumente der Heimatpflege künftig digital aufzubereiten und in die sozialen Medien zu bringen, um sie so für junge Menschen interessanter zu machen.

Zwei weitere Anliegen sprach Salzmann an. Erstens sollte das große, wertvolle Archiv an die Gemeinde überführt werden. Und zweitens: Die Zeit von 1933 bis 1945 sei in der Ortschronik von Karl Fliegauf vernachlässigt worden. Da lohne es sich nachzuforschen. Es habe auch Peitinger gegeben, die ins KZ Dachau eingewiesen worden seien. So etwas zu recherchieren, sei durchaus ein Thema für eine Diplomarbeit, meinte Salzmann. 

jj

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