Verlegung weiter offen

Fallschirmjäger in Altenstadt: Vorsichtig optimistisch

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Kommandeur Carsten Jahnel mit Bayerns Finanz-Staatssekretär Joahnnes Hintersberger und dem Stimmkreisabgeordneten Harald Kühn (v. li.).

Altenstadt – Zieht die Luftlande- und Lufttransportschule nach Oldenburg um oder darf sie in Altenstadt bleiben? Eine Antwort auf diese seit der Strukturreform der Bundeswehr schwelende Frage konnte auch die CSU-Delegation um Finanz-Staatssekretär Johannes Hintersberger nicht geben, die am vergangenen Montag dem Stützpunkt in Altenstadt einen Besuch abstattete. So gab es vor allem kämpferische Worte zu hören. Immerhin: Am Status quo ändert sich wohl so schnell nichts.

Mehrere Stunden lang hatte sich Hintersberger, den unter anderem der Stimmkreisabgeordnete Harald Kühn und Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck begleitete, von Kommandeur Carsten Jahnel die verschiedenen Einrichtungen der Luftlande- und Lufttransportschule zeigen lassen. 

Es war nicht das erste Mal, dass eine Politiker-Delegation der Franz-Josef-Strauß-Kaserne einen Besuch abstattete. Seitdem der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière 2011 die Strukturreform der Bundeswehr in Gang setzte, laufen Bemühungen, jene Entscheidung zu revidieren, die das Leben der Fallschirmjäger in Altenstadt jäh auf den Kopf stellte. Nach über 50 Jahren soll die Luftlande- und Lufttransportschule nach Oldenburg umziehen, lautete der umstrittene Beschluss, der in Altenstadt für Fassungslosigkeit sorgte. 

Auch Hintersberger machte am Montag keinen Hehl daraus, dass er die getroffene Entscheidung für falsch hält. „Es gibt hier perfekte militärische Infrastrukturen, dazu einen Heeresflugplatz mit allem, was dazugehört“, stellte der Staats-sekretär fest. All das müsse in Oldenburg erst mühsam aufgebaut werden. „Da kommen schnell 100 bis 120 Millionen Euro zusammen“, betonte er. Vom freien Luftraum über Altenstadt und der guten geografischen Lage ganz zu schweigen. 

Das sehe im übrigen nicht nur die bayerische CSU so, fügte Hintersberger hinzu und verwies auf den gemeinsamen Beschluss von Christ- und Sozialdemokraten im Wirtschaftsausschuss des Landtags, mit dem man die Staatsregierung aufgefordert habe, sich für einen Verbleib der LL/LTS einzusetzen. 

Größter Fürsprecher in Berlin ist Alexander Dobrindt. Gemeinsam mit dem aus Peißenberg stammenden Verkehrsminister habe er vor kurzem ein Sechs-Augen-Gespräch mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geführt, berichtete Harald Kühn. „Sie hat uns eine wohlwollende Überprüfung zugesagt.“ 

Unabhängig davon scheint man beim Kommando Heer mittlerweile Zweifel an der geplanten Verlegung zu hegen. Zwar stehe die Entscheidung pro Oldenburg offiziell nach wie vor, erklärte Jahnel. Einen genauen Umzugstermin gebe es jedoch noch nicht. Vor dem zweiten Halbjahr 2017 werde sich da wohl auch nichts tun, vermutete er.

Und selbst wenn Oldenburg dann weiterhin den Vorzug gegenüber Altenstadt erhalten würde, könnten noch Jahre vergehen, bis die Fallschirmjäger tatsächlich der Franz-Josef-Strauß-Kaserne den Rücken kehren müssen. Denn noch haben die Bauarbeiten für die benötigten Einrichtungen in Oldenburg nicht begonnen. „Für eine Siegesfeier ist aber definitiv zu früh“, betonte der Kommandeur. 

Dass das feststehende Aus des Fliegerhorsts in Penzing 2018 negative Auswirkungen auf die Entscheidung in Altenstadt haben könnte, glaubt Jahnel nicht. Schon jetzt werde bei einem Teil der Fallschirmspringer-Ausbildung auf zivile Flugzeuge zurückgegriffen, die in Altenstadt starten können. „Das wollen wir ausbauen, um möglichst autark zu werden.“ Die übrig bleibenden Einsatzsprünge aus großen Militärmaschinen könnten dann etwa von Lagerlechfeld oder Memmingen geflogen werden.

Christoph Peters

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