"Fast nicht zu stemmen"

Schongauer Feuerwehr blickt auf 3.000 Stunden Einsatz zurück

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Robert Michl erhielt vom Kommandanten und Ludwig Fernsemmer eine Auszeichnung für 25 Jahre aktiven Dienst in der Wehr. Michael Echtler und Christian Spelziger wurden zum Feuerwehrmann und Andreas Mock zum Hauptfeuerwehrmann ernannt. Darüber hinaus erhielten zahlreiche Mitglieder für ihre Zugehörigkeit zum Feuerwehrverein eine Auszeichnung. Hermann Klauser ist seit mittlerweile 60 Jahren im Verein.

Schongau – Zurück zu den Anfängen hieß es für die Schongauer Floriansjünger. Daniel Mahl, nicht mehr ganz so neuer erster Vorstand des Feuerwehrvereins hatte seine Mannschaft ins Ballenhaus, in dem die Feuerwehr bis 1973 untergebracht war, eingeladen. Eine Wehr, die auch im abgelaufenen Jahr wieder viele Einsätze zu stemmen hatte. Oder wie es der Vertreter der Kreisbrandinspektion ausdrückte: Ein Einsatzstand, der für einen ehrenamtliche Wehr fast nicht mehr zu stemmen ist. Nicht nur deshalb sind die Floriansjünger aber auf der Suche nach aktiven und fördernden Mitgliedern.

Zwischen dem Fehlalarm um kurz nach Mitternacht am Neujahrstag und dem schweren Verkehrsunfall auf der Dießener Straße an Heilig Abend lagen 63 Brandeinsätze und 138 Technische Hilfeleistungen, in Summe mehr als 3.000 Stunden Einsatz für die Schongauer Floriansjünger. Daneben drückten sie mehr als 3.300 Stunden die Schulbank, um sich fortzubilden oder sich fit zu halten für den Ernstfall mit Übungen. 85 Aktive rückten aus, um Türen zu öffnen, hinter denen hilflose Menschen vermutet wurden, um Feuer oder Wasser zu bekämpfen, eingeklemmte Menschen aus ihren Autos zu befreien oder Tiere und Sachwerte zu schützen. Ein Einsatzspektrum und Aufkommen, die einer Berufswehr alle Ehre machen würde und von einer freiwilligen Wehr fast nicht mehr zu leisten ist. Und doch machte keiner der Aktiven, die der Einladung zur Jahreshauptversammlung ihres Kommandanten Werner Berchtold sowie des Feuerwehrvereins gefolgt waren, den Eindruck, nicht mehr zu wollen. Auch wenn mittlerweile neben dem Stichwort Feuer oder Technische Hilfeleistung Gaffer und gewalttätige Zeitgenossen den Feuerwehren immer mehr zu schaffen machen. Fakten, die auch Ludwig Fernsemmer, Kreisbrandinspektor aus Weilheim, in seinen Dankesworten an die Kameraden ansprechen musste.

Eine Anerkennung, die es seitens der Stadt Schongau bzw. ihres Bürgermeisters, nicht nur in Worten, sondern auch durch den Umstand zum Ausdruck kommt, dass man selbstverständlich Ersatzbeschaffungen vornimmt. Auch wenn die notwendige Renovierung des Hörsaales noch ein oder zwei Haushaltsjahre warten muss, hat Falk Sluytermann das gute Gefühl, „dass ich und die Schongauer uns auf euch verlassen können, wenn es zu einem Einsatz kommt“. Dass die Kameraden mit entsprechendem Material und Ausrüstung in den Einsatz gehen können, hatte Daniel Mahl eingangs angemerkt. In seiner ersten Rede als Vorstand nach einem „kompletten Jahr“, so Mahl, ging er auf die Beschaffungen ein, die der Feuerwehrverein finanziert hatte, etwa das Kleinalarmlöschfahrzeug mit dem Rufnamen 65/1, das in seinem ersten Jahr bei der Freiwilligen Feuerwehr drei Viertel der Zeit im Einsatz war. Beschafft hatte die Wehr den VW Caddy mit Hilfe des Feuerwehrvereins, der über zwei Drittel der 28.000 Euro übernommen hatte und auch weiterhin Ausrüstung und Material für das Fahrzeug beschafft. Doch wie dem Schriftführer auch war es Mahl ein Bedürfnis, über die Mitgliederwerbung zu sprechen. Seit gut einem Jahr ist vor allem Christian Birke, Gruppenführer und Schriftführer im Verein, aktiv, um Nachwuchs zu werben.

So war Birke vor allem beim Tag der offenen Tür am Weg und warf Jugendlichen die feuerrote Frisbeescheibe zu mit den Worten „Fang… bei uns an“. Zwar ist die Wehr mit 85 Aktiven gut aufgestellt, mittlerweile sind auch 15 Jugendliche ab zwölf Jahren dabei. Sogar eine Spätberufenengruppe gibt es. Doch noch wüssten nicht alle Schongauer über ihre Feuerwehr Bescheid, so Birke. Vor allem glaubten viele, dass die Männer und Frauen in den gelben Anzügen für ihre Arbeit bezahlt werden, also eine Berufswehr seien. Dabei müssen Uniformen etwa über den Verein gesponsert werden. Und kaum jemand wisse, dass man bei der Feuerwehr auch Altpapier sammle, hier könne man das ganze Jahr über alte Zeitungen abgeben und somit die Wehr unterstützen. Oder als Fördermitglied aktiv werden. „Das kostet nur zwei Euro im Monat“, so Birke – eine Fördermitgliedschaft somit nur 24 Euro im Jahr. Trotzdem gibt es derzeit nur 37 Schongauer, die ihre Floriansjünger aktiv unterstützen; bei etwa 12.000 Einwohnern. Gerade für den Nachwuchs gibt es einiges zu erleben und auch das eine oder andere Nützliche zu erlernen. Dabei ist man stolz darauf, dass der Kreisjugendfeuerwehrtag im kommenden Jahr, am 25. Mai, in Schongau auf dem Marienplatz stattfinden wird. Im gleichen Jahr feiert auch der Kreisfeuerwehrverband sein 40-jähriges Bestehen. Und wer die Schongauer Feuerwehrmänner nicht nur in der Einsatzkluft sehen will, sollte Ausschau halten nach dem Kalender, den der Verein aufgelegt hat. So hängt der Kommandant derzeit etwa in einer Waschanlage.

Oliver Sommer

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