Deftig und mit Charme

Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus

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Michi Marchner sorgte als Bruder Michael wieder für einige Lacher beim Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus.

Schongau – Es wurde deftig eingeschenkt an diesem Abend. Doch es kam auch der Charme nicht zu kurz. Zwischen der treffenden Fastenpredigt des Michi Marchner und dem Vollgas-Auftritt des Kabarettisten Horst Eberl hatte auch die bayerische Bierkönigin Lena Hochstraßer beim Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus einen gewinnenden Kurzauftritt.

Die 23-Jährige, die aus Höhenrain am östlichen Starnberger See kommt, verdeutlichte die bayerische Bierkultur mit einer Zahl. Es gebe immerhin 600 Brauereien im Freistaat, darunter viele kleine Betriebe.

Stephan Albrecht, der die 100 Gäste namens der Wirtsleut (gemeint sind seine Eltern) und namens des Personals im Brauhaus willkommen hieß, ging speziell auf den Fastinator ein, der im Januar eingebraut wurde. 18 Prozent Stammwürze hat der Bock und acht Prozent Alkohol. Stephan Albrecht macht in Schongau und in Andechs eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Das erste Fass hat Bürgermeister Falk Sluyterman am Mittwochabend angezapft.

Bruder Michael

Nach dieser Zeremonie und ein paar Musikstücken, dargeboten von der kleinen altbairischen Besetzung der Stadtkapelle, war’s Zeit fürs Derblecken. Michi Marchner aus Pähl gab in der braunen Kutte mit weißem Strick den Bruder Michael. Dem Schongauer SPD-Vorsitzenden Daniel Blum, dessen „Hochzeit auf den ersten Blick“ in der auf Sat 1 ausgestrahlten Sendung schnell gescheitert war, rief er den Satz zu: „S‘ Leben is net so wia im Fernsehn“. Und er fragte später in die Runde: „Is irgend jemand da, der den Blum heiraten möcht‘?“

Der oberbayerische Musikkabarettist Horst Eberl präsentierte bei seinem Auftritt einen Streifzug durchs Alltägliche.

Thomas Lippmann, dem Chef der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau, bescheinigte der Fastenprediger einen deutlich erkennbaren Prozess. Das Schongauer Krankenhaus sei dereinst berühmt gewesen für gutes Essen und schlechte Ärzte. „Dank Eahna ham mer jetzt a schlechte Küche und gute Ärzte“, frotzelte Michi Marchner.

Mit der Frage „Was macht a Landrätin?“ wandte er sich an Andrea Jochner-Weiß. In deren Job sei’s halt so wie bei einer Hausfrau. Antwort: „Ma siagt halt d‘ Arbeit, wenn’s ned g‘macht weard.“

Dick aufgetragen hatte Marchner beim Stimmkreis­abgeordneten und ehemaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Schön zu sein, das reiche nicht. Und dann setzte Marchner den Satz drauf: „Der Mann hat mehr Dreck am Stecken als Schmalz im Hirn.“ Immerhin habe der Ex-Verkehrsminister erreicht, dass der Regionalzug bald mit „20 Stundenkilometern“ aus dem Peißenberger Bahnhof rauschen könne.

Kerniger Kabarettist

Wer diesen Starkbieranstich – zurecht – als gelungenen Abend bewertet, der darf den Auftritt des kernigen oberbayerischen Musikkabarettisten Horst Eberl keinesfalls unter den Teppich kehren. Der verschaffte sich mit seinem Einwurf „I dat sogn, iatz sollen a dia s’ Maul hoitn, dia dahoam a nix zum Sogn ham“ gleich mal Respekt, bevor er zu einem erfrischend-spritzigen Streifzug durch das Alltägliche ansetzte.

Bemerkenswert fand Eberl, dass bei so einem Starkbieranstich mit Derblecken „die, wo saufen“ mehr Applaus bekämen als diejenigen, die arbeiten. Weitere Themen des Energiebündels Horst Eberl: der Humor im Bayerischen Wald („der is a bisserl stabiler als in anderen Gegenden“), die deutsche Vergangenheit („In einer Metzgerei in der früheren DDR muss oa Wurst hängen, weil damit der Unterschied zum Fliesengeschäft erkennbar ist“) oder das Nordic Walking („Des kann doch ned gsund sei“).

Resümee: Dieser Abend kann – wenn sie nicht zu sehr dem starken Bockbier zusprechen – für die Besucher durchaus gesund sein. Weil er unterhaltsam ist. Und weil erst der Fastenprediger und dann der Musikkabarettist mit ihren Pointen genug Anlass zum Lachen geboten haben.

jj

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