200 Jahre Selbstständigkeit in Altenstadt

Emanzipation eines »Anhängsels«

+
Kennt sich aus in der Altenstadter Geschichte: Historiker und Festredner Dr. Karl Pörnbacher.

Altenstadt – Stehempfang, Festvortrag, Kunstausstellung und eine neue Ortschronik. Das Jubiläum zur 200-jährigen Selbstständigkeit der Gemeinde ist am Dienstagabend in Altenstadt in großem Rahmen in der Turnhalle begangen worden.

Der offizielle Beginn der Selbstverwaltung war am 17. Mai 1818. Warum das Jubiläum erst im Herbst gefeiert wurde? Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck, der zum Festabend zahlreiche Ehrengäste in der voll besetzten Turnhalle begrüßen konnte, hatte darauf eine einfache Antwort.

Das Edikt musste vor 200 Jahren erst organisiert und umgesetzt werden, so dass die ersten verbürgten Verwaltungsunterlagen tatsächlich vom 1. Oktober 1818 datiert sind. Fest­redner und Historiker Dr. Karl Pörnbacher führte die Geschichte auf kurzweilige Art und Weise noch weiter aus.

Angefangen beim „großen Spektakel“ am 26. Mai 1818, als in München von einem gut bewachten Herold hoch zu Ross die neue Verfassung des Königreichs Bayern verkündet wurde, bis hin zum Altenstadt in heutiger Zeit, ließ er am Beispiel der Schönach-Gemeinde ein Stück bayerischer Geschichte Revue passieren.

„Der Weg vom Untertanenstaat zum Verfassungsstaat war schwierig“, meinte Karl Pörnbacher. Zum Beispiel taten sich die Richter schwer, trotz verfassungsgemäßer „Gleichheit vor dem Gesetz“, einem einfachen Mann die gleichen Rechte zuzugestehen, wie einem vergleichsweise gehobenen Bürger oder Pfarrer.

Mühsamer Beginn

Die Stadt Schongau freilich, die im Jahr 1818 sehr arm war, war seinerzeit froh, dass das Anhängsel Altenstadt fortan weg war. Nach 600 Jahren als abgelegener Teil der „neuen“ Stadt Schongau taten sich die Altenstadter allerdings gar nicht so leicht, unter ihrem ersten Gemeindevorsteher Anton Schuster ihre Selbstverwaltung auf die Beine zu stellen.

340 Einwohner in 68 Häusern zählte die neue Gemeinde damals, die Einwohner waren vorwiegend in der Landwirtschaft und Viehzucht tätig. Allerdings waren gerade einmal 18 Höfe so groß, dass man davon leben konnte. Die restlichen Bauern arbeiteten nebenbei als Handwerker oder auf anderen Höfen. Heirat war erst nach der Hofübergabe möglich, bei den Ärmsten stieg mit der Not auch die Kinderzahl und in Schongau gab es das Gerücht, „dass man in Altenstadt den Trunk etwas zu sehr liebt“.

Den König zu Gast

Der neuen Ortsverwaltung, der nur bescheidene Mittel zur Verfügung standen, oblag die Sorge für die Bedürftigen, Schule und Sicherheit. Die Basilika, die im Laufe der Jahrhunderte laut Pörnbacher intensiv genutzt und mit Liebe gepflegt wurde, war ein herausragendes Baudenkmal, das Besucher aus Nah und Fern anlockte.

So stattete im Jahr 1829 König Ludwig I. der Basilika einen Besuch ab und zeigte sich so begeistert, dass er spontan 2.600 Gulden für die Renovierung aus eigener Tasche spendierte. Und auch wenn die Renovierungsarbeiten im Laufe der Jahrhunderte nicht immer zum Vorteil des Kirchenhauses ausfielen, blieb die Basilika doch das herausragende Wahrzeichen von Altenstadt.

Die Wende kam mit dem Bau der Kaserne im Jahr 1940 und den Vertriebenen nach dem Krieg, die sich hier eine Existenz gründeten und neue Arbeitsplätze schufen. „Altenstadt entwickelte sich mit tüchtigen Bürgermeistern zu einer selbstbewussten, prosperierenden Gemeinde, die sich mit Augenmaß Ziele gesetzt und diese auch erreicht hat“, lobte Karl Pörnbacher.

Neue Ortschronik

Zeugnis davon gibt die vom Archiv-Team um Heinz Dobija akribisch und mit großem Engagement in zweijähriger Arbeit erstellte, reich bebilderte Ortschronik. Laut Dobija wurden „Unmengen von Material in alter Handschrift“ gesichtet und ausgewertet. Wo Informationen fehlten, wurde vor Ort bei den Bürgern nachgefragt.

Die Ortschronik, die in Leder gebunden von Albert Hadersbeck als Anerkennung den Archiv-Mitarbeitern überreicht wurde, konnte am Festabend zum Vorzugspreis von 15 Euro erworben werden und ist in der Gemeindeverwaltung erhältlich.

Zudem hatten die Besucher Gelegenheit, am Buffet Erinnerungen zu tauschen und in der von Paul Ressl zusammengestellten Ausstellung einen Überblick über das künstlerische Schaffen am Ort zu gewinnen. 

fro

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erste Rundgänge der Peitinger Sicherheitswacht
Erste Rundgänge der Peitinger Sicherheitswacht
Erlebnisführung in Schongau mit Oliver Pötzsch
Erlebnisführung in Schongau mit Oliver Pötzsch
Feuer in Mehrfamilienhaus in Hohenpeißenberg - Brandursache noch unklar
Feuer in Mehrfamilienhaus in Hohenpeißenberg - Brandursache noch unklar

Kommentare