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Feierliche Grotteneinweihung in Wildsteig

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Von: Manfred Ellenberger

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Lourdes-Grotte Wildsteig
Weihbischof Wolfgang Bischof (2. von rechts) mit dem evangelischen Pfarrer Peter Sachi, Pfarrer Josef Fegg und dem früheren Wiespfarrer Prälat Georg Kirchmeir (v. links). © Ellenberger

Wildsteig – Des Anlasses wegen hatte man sich in Wildsteig einiges einfallen lassen. Das von Ehrenbürger Max Bertl federführend mitorganisierte Festprogramm erstreckte sich über mehrere Tage. Am Sonntag weihte Weihbischof Wolfgang Bischof die erneuerte Lourdes-Natursteingrotte nach über dreijähriger Bauzeit feierlich ein.  

Schon am Donnerstag gab es ein Lichterfest. Aufgrund von Regen und Wind fand die Andacht in der Kirche statt. Danach ging es aber trotz des ungemütlichen Wetters mit einer Lichterprozession zur Grotte.

Lourdes-Grotte in Wildsteig: Was lange währt

Am Samstagabend in der Gemeindehalle erläuterte Bürgermeister Josef Taffertshofer zahlreichen Zuhörern die Anfänge der Grotte und die jüngsten Sanierungsmaßnahmen. Alles hatte am 22. April 1903 mit einer Schenkungsurkunde der Riedener Gmoa begonnen. Dort hatte man beschlossen, ein Teilgrundstück östlich der Kirche der Pfarrkirche Wildsteig unentgeltlich zu überlassen. Diese hatte die Schenkung angenommen, allerdings sollten zehn Prozent bei der Gemeinde verbleiben und diese sich zum Unterhalt verpflichten.

Genau dort wurde im Jahr 1908 das einer Idee des Geistlichen Rats Leopold Baderhuber entsprungene und von Schreinermeister und Kunstmaler Ludwig Mahler entworfene Bauwerk innerhalb von nur einem halben Jahr errichtet. Die damaligen Kosten betrugen 1.540 Mark. „Für heutige Maßstäbe unvorstellbar“ lautete die Feststellung des Bürgermeisters dazu. Die Leute damals, fast nur Bauern und Handwerker, seien fromm gewesen und hätten für einen Gotteslohn gearbeitet.

Taffertshofer wartete außerdem mit einem Zeitungstext der Schongauer Nachrichten vom 1. Oktober 1908 auf: „Der Aufgang führt durch eine groteske Höhle, in der ein lustig plätscherndes Wässerlein die feierliche Stille unterbricht. Auf Steinstufen und durch Bogengänge gelangst du zu dem oberen Plateau, das dir den Blick zur eigentlichen Höhle gewährt. ‚Die unbefleckte Empfängnis‘, ein Meisterwerk der Schnitzerei des Bildhauers Sigg von München, steht in himmlischer Klarheit vor dir. Ora pro nobis! Stammeln deine Lippen.“

Dessen ungeachtet nahm die Einsturzgefahr der Grotte in vielen Jahrzehnten zu. Im Jahr 2004 gab es von Seiten der Diözese, der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde einen „ersten Termin mit dem Denkmalschutz“. Einer notdürftigen Abstützung folgte die Sperrung. Denn es gab gleich mehrere große Probleme. Eines davon war für Statiker Johannes Fischer der schlechte Zustand der über der Grotte befindlichen Friedhofswand. Auch fehlte es an einem Sanierungskonzept.

Zu ihrem 100-jährigen Bestehen rückte die Grotte wieder ins Bewusstsein. Jedoch wusste niemand, „wie man die so nötige Renovierung anpacken kann.“ Nachdem Johannes Fischer sich der Sache angenommen hatte, entstanden im Jahr darauf ein Rahmengutachten und ein Sanierungskonzept. Die Kostenschätzung: 577.000 Euro. Fischer selbst erstellte ein Ergänzungsgutachten.

Trotzdem kamen die Folgemaßnahmen aufgrund eines weiteren Problems bei den Eigentumsverhältnissen wieder zum Stillstand. Erst mit Übertragung der Maßnahmenträgerschaft an die Gemeinde 2016 konnte es weitergehen. Diese kümmerte sich jetzt auch um die Finanzierung.

Die Anfrage bei mehreren Förderstellen blieb zunächst ungehört. Im Mai 2018 endlich eine positive Überraschung: Das Amt für ländliche Entwicklung sagte 300.000 Euro zu. In Wildsteig hatte man sich schon zuvor auf einen Eigenanteil von 100.000 Euro festgelegt. Die Bayrische Landestiftung beteiligte sich mit 48.000 Euro. Beträge im kleineren fünfstelligen Bereich gab es vom Bezirk, dem Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege, der Kirchenstiftung und dem Erzbischöfliche Ordinariat. Weitere 5.000 Euro steuerte das Landratsamt bei. Summa summarum 537.158 Euro. Auf Grundlage der Ende 2019 aktualisierten Kostenschätzung in Höhe von 624.486 Euro sowie Spenden in Höhe von aktuell 16.900 Euro sind durch die Gemeinde etwa noch 70.500 Euro aufzubringen. Eine Investition in Lebensqualität, Spiritualität sowie in die soziale Infrastruktur, so der Bürgermeister.

Nichtmacher und Macher

Nach der Ausschreibung erhielt die mit einem Angebot von knapp unter 288.000 Euro günstigste von acht Baufirmen den Zuschlag. Obwohl es am 11. März 2019 losgehen sollte, verstrichen fast drei weitere Monate. Schon kurz nach Aufnahme der Arbeit Anfang Juni wurde diese firmenseitig ohne Ankündigung und Erläuterung erneut eingestellt.

Die von Seiten der Gemeinde ergangene Abmahnung brachte die Wende. Der Auftragnehmer ließ dem Bauforscher, Restaurator und Denkmalpfleger Stefan Herterich freie Hand. Ab da lief alles nach Wunsch.

Mit der Fertigstellung der Grotte kam 2021 auch der Steg auf die Agenda, seit 2011 fester Bestandteil des Dorfentwicklungsplans. Dank eines Vorschlags von Herterich wurde er einfacher und damit auch wesentlich kostengünstiger. Ohne Johannes Fischer und Stefan Herterich wäre „die Sanierung unserer Lourdes-Grotte nicht möglich gewesen“, ist sich Taffertshofer sicher. Auf seiner Dankesliste standen auch die nach der Abmahnung der Firma nach Wildsteig entsandten polnischen Brüder Pawel und Dawid Michdak sowie Gregor Plesinski. Sie überzeugten von Beginn an.

Gottesdienst und Einweihung

„Die Sonne im Herzen ersetzt vieles“ verkündete Weihbischof Wolfgang Bischof angesichts der nasskalten Witterung zu Beginn des am Sonntag stattgefundenen Gottesdienstes. In der vollen Kirche ging er leidenschaftlich auf seine Eindrücke aus Lourdes ein und erzählte von den „kleinen Wundern“, die tagtäglich dort geschehen. Auch Menschen mit einer eher ablehnenden Haltung seien „ergriffen“. Es sei ein Wunder, das in den Seelen der Menschen geschehe. Wenn er das nächste Mal da sei, werde er dabei bestimmt auch an die Grotte in Wildsteig denken.

Es war eine eindrucksvolle Menschenmenge, die sich beim feierlichen Umzug mit der Musikkapelle vornweg und den Fahnenabordnungen zur Grotte auf den Weg machte. Mit der feierlichen Einweihung und dem Mittagessen in der Gemeindehalle neigte sich der kleine Veranstaltungsmarathon seinem Ende zu.

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