"Der richtige Namenspatron"

25 Jahre Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt

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Luden zum Festakt „25 Jahre Franz-Josef-Strauß-Kaserne“: Oberstleutnant Christian Schoebel (links), Bürgermeister Albert Hadersbeck (3. v. links) und Oberstleutnant Roland Pietzsch (rechts); als Referent konnte der Historiker Professor Horst Möller (2. v. links) gewonnen werden.

Altenstadt – Er war ein Politiker, der wie kaum ein anderer das Land geprägt hat, ein Machtmensch, der verehrt wurde aber nicht unumstritten war – und der als Namensgeber indirekt daran beteiligt sein sollte, dass der Kasernen-Standort Altenstadt gesichert werden konnte: Franz Josef Strauß. Im Rahmen eines Festaktes feierte die nach ihm benannte Altenstadter Kaserne vergangenen Donnerstag das 25. Jahr ihres Bestehens unter dieser Namensgebung. „Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister“ – mit dem gleichnamigen Vortrag sollte der Person Strauß, die ihre politischen Wurzeln in Schongau hatte, an diesem Abend Rechnung getragen werden. Als Referent konnte der Professor für Neuere und Neueste Geschichte Horst Möller gewonnen werden.

Seinem Vorgänger, Altbürgermeister Georg Thoma, könne die Idee dieser Namensgebung zugesprochen werden, erklärte Bürgermeister Albert Hadersbeck in seinen Begrüßungsworten vor rund 200 geladenen Gästen im St.-Michael-Saal der Kaserne. Und mit dieser Idee hätte Thoma wohl eine Vorahnung dessen gehabt, welche nachhaltige Auswirkung sie auf die Standortsicherung haben sollte. „Die Verlegung der Luftlandeschule war nicht zu verhindern, aber es wollte keiner politisch verantwortlich sein für die Schließung einer Kaserne mit diesem Namen“, sagte Hadersbeck vergnügt. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass man mit der Benennung der Staatsstraße in Franz-Josef-Strauß-Straße auch von gemeindlicher Seite Unterstützung und Konsequenz gezeigt hätte.

Dass Franz Josef Strauß der richtige Namenspatron für diese Kaserne sei, konnte auch Oberstleutnant Roland Pietzsch in seiner Begrüßungsansprache bestätigen. Ein Fürsprecher für die ursprüngliche Idee Georg Thomas sollte sich in Oberst Ulrich Quante, dem damaligen Schulkommandeur der Luftlandeschule finden; mit „Umsetzungskraft und Beharrlichkeit“ habe dieser das Ziel vorangetrieben, so Pietzsch, das am 4. Mai 1993 schließlich im Rahmen einer feierlichen Zeremonie umgesetzt werden konnte.

Mit Professor Horst Möller wendete sich anschließend einer der führenden Experten für Zeitgeschichte an das Publikum, nicht ohne einleitend auf die Ambivalenz der Person Franz Josef Strauß zu verweisen. Man hätte „ein Problem mit Strauß“, sagte der Historiker, zeigten doch Bilder nur wenige Minuten seines Wirkens, wären Eindrücke durch Presse und Fernsehen suggestiv geprägt. „Sie warten sicherlich auch auf seine Skandale“, fügte er an. Gleichzeitig erinnerte Horst Möller daran, dass man die Entscheidungen und Entwicklungen unter Strauß‘ Ägide als Verteidigungsminister immer im Kontext der damaligen politischen Lage zu bewerten habe. Worin die Leistung seines Wirkens bestand, dem versuchte sich der Historiker behutsam zu nähern.

In detailreichen Worten zeichnete er das Bild eines Politikers, der bereits als junger Soldat in Hitlerdeutschland zu denjenigen zählte, die sich nicht den Mund verbieten ließen. Das eine oder andere Mal habe man den Soldaten Strauß ermahnt, sich zu mäßigen, mussten Vernehmungsprotokolle „gesäubert“ werden, um die vermeintliche Linientreue des Soldaten zu wahren. Dennoch: Als Zeuge von Massenerschießungen durch die SS hat sich in Franz Josef Strauß die Sehnsucht nach Frieden etabliert. „Ich kenne den Krieg, deshalb will ich den Frieden“, soll die Maxime des Politikers gewesen sein.

Wohl kaum ein anderes Mitglied des Bundestages hätte so viel von Verteidigung verstanden wie Strauß, fasste Horst Möller zusammen. Dennoch hätte sich bei seinen Gegnern das Bild eines „Kriegs- und Atomprotzes“ etabliert, „eine einseitige Sichtweise“, wie der Historiker erklärt. Denn was von der Leistung des Verteidigungsministers Strauß bleibe, sei dessen angemessene Strategie und Diagnose der weltpolitischen Sicherheitslage, seine Leistung beim Aufbau einer in Ansätzen effektiven Rüstungsindustrie sowie die Entwicklung einer Streitmacht von rund 400.000 Mann – „und das in nur sechs Jahren!“

Auch die ersten Abrüstungspläne stammten von ihm, dem Politiker Strauß, dessen strategisches Wirken im Ausland mehr honoriert worden sei, als im eigenen Land. „Für Strauß gehörte beides zusammen, das Auf- und das Abrüsten.“ Daneben sollte Strauß, der seine politische Karriere im Schongauer Stadtrat begann, zu den meistbespitzelten Politikern der BRD zählen, zeigte der Historiker auf. Einige wenige Grenzüberschreitungen attestierte Horst Möller dem Machtpolitiker Strauß denn auch, zeitgleich konnte er mit manchen Skandalmythen aufräumen. Rund zwei Stunden lang gab Horst Möller Einblick in die Agenda des Verteidigungsministers – und es sollte spannend sein, was er den Zuschauern an diesem Abend offerierte. Der Applaus am Ende gab ihm Recht. 

Regine Pätz

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