FFH-Gebiet entlang der Illach:

Ringen um Transparenz

+
„Wie aus dem Bilderbuch“ findet Dr. Gabriele Anderlik-Wesinger (mit Klemmbrett) das Gebiet rund um die Illach. Sie ist mit der Erarbeitung des FFH-Managementplans betraut.

Wildsteig – Ein naturbelassener Bachlauf, eine großflächig zusammenhängende Talraum-Vermoorung, das größte außeralpine Vorkommen des Alpen-Krokus und Tummelplatz seltener Arten: Belege für den hohen ökologischen Wert der Räume entlang der Illach nennt die Regierung von Oberbayern viele. Sie erklärt 289 Hektar zum FFH-Gebiet. Das trifft nicht nur auf Gegenliebe, wie der Orts­termin zum erstellenden Managementplan am Freitag auf Wildsteiger Flur, oberhalb von Schildschwang und Straubenbach, offenbarte.

Gleich zu Beginn schlugen die Wogen hoch. Josef Taffertshofer, der als Grundstückseigentümer und Wildsteigs Bürgermeister erschienen war, äußerte seine Bedenken unverhohlen und sprach damit einem Gutteil der Anwesenden aus der Seele: „Wir sind bisher überhaupt nicht mitgenommen worden“, beklagte er. Das Vertrauen gegenüber der höheren Naturschutzbehörde habe Kratzer erlitten. Die geplante Bestands­erhebung mit dem Ziel, einen Zustand rund um die Illach abzubilden um diesen zu erhalten, sei zwecklos. „Die Eiche kommt, die Esche geht, das Klima verändert sich und Amphibien und Insekten sterben – es gibt in der Natur keinen Status Quo.“ „Das sind Sachen, die wir nicht beeinflussen können, für die wir aber gerade stehen sollen“, wollte er eine „Gängelung“ erkannt haben.

Thomas Eberherr, als Regierungsdirektor bei der Regierung von Oberbayern tätig als Teamleiter für Natura 2000, war anzumerken, dass er Routine darin hat, mit derlei Ängsten konfrontiert zu werden, um deren Zerstreuung er sich bemühte. Es gebe Prozesse, die sich vor Ort freilich nicht stoppen ließen, deren Auswirkungen man aber durchaus auch kleinräumig entgegen treten könne.

Genau darauf ziele der FFH-Managementplan ab. Dieser sperrige Begriff könne genauso gut durch „Pflege-“ oder „Bewirtschaftungsplan“ ersetzt werden; es ginge nicht darum, die Natur mit einem Zaun zu bewahren, sondern wertvolle Lebensräume und die Artenvielfalt in Zusammenarbeit zu erhalten.

Die Auftaktveranstaltung bilde den Start für einen mehrteiligen Prozess: Ziel sei es, die wertvollen Areale im 289 Hektar großen, von der höheren Naturschutzbehörde als solches definierten FFH-Gebiets „Illach von Hausen bis Jagdberg“ zu ermitteln. „Darin wird es auch einige 0815-Gebiete geben, die keinen besonderen Status verdienen“, machte Martin Kainz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten klar. Resultat des Managementplans soll ein auch förderfähiges Maßnahmenbündel mit dem Zweck sein, schützenswerte Lebensräume zu erhalten. Eberherr betonte auch: Einen Zwang, sich daran zu beteiligen, gebe es für Private nicht. „Wenn Sie nicht wollen, müssen Sie nicht.“

Der Angst der Land- und Forstwirte, einem künftig noch strengeren Veränderungs- und Verschlechterungsverbot sowie einer Einschränkung in ihren Nutzungsrechten unterworfen zu sein, trat er gemeinsam mit Matthias Hett von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt entgegen. Für geschützte Biotope gelte dieses mit eng gesetzten Spielräumen ja sowieso, die Einordnung in die FFH-Systematik habe damit per se nichts zu tun.

Haftbar gemacht werden könne man nur für aktive Zerstörung, Verschlechterung oder Beschädigung. Die Pflege, beispielsweise einer Streuwiese, nicht mehr vornehmen zu können oder zu wollen, falle nicht darunter. „Dann holt sich die Natur diese Kulturlandschaft halt wieder“, so Eberherr. Das sei bedauerlich, zu belangen sei der Landwirt dafür aber nicht.

In der anschließenden Diskussionsrunde zeigte sich aber, wie durchaus verzwickt sich die Lage in der Praxis darstellen kann: Wie er seiner Pflicht, Käferholz aus dem Wald zu schaffen nachkommen könne, wenn die einzige Zufahrt eine Streuwiese eines Dritten und damit für seine Maschinen tabu sei, wollte ein Eigentümer wissen. Wie es um den Unterhalt beziehungsweise die Neuanlage von Entwässerungssystemen auf Flächen am Illach-Ufer bestellt sei, ein anderer. Inwiefern das Ökopunkte-System auf die FFH-Regelungen abgestimmt sei, ein dritter. Fragen, auf die eine pauschale Antwort schwer fiel. „Immer miteinander reden“, sei das beste Rezept, empfahl Hett stellvertretend. 

Rasso Schorer

Auch interessant

Meistgelesen

Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Altenstadter Franz-Josef-Strauß-Kaserne bekommt Windtunnel
Altenstadter Franz-Josef-Strauß-Kaserne bekommt Windtunnel
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum

Kommentare