Freunde der Musikschule Pfaffenwinkel

Wachstumsstopp gegen Schieflage

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Die Lage der Musikschule ist ernst: Von links Schriftführerin Kornelia Funke, Kommissarischer Leiter Marcus Graf und Vorsitzender Dr. Erwin Krauthauf.

Schongau – Die Wahl einer neuen zweiten Vorsitzenden, finanzielle Schwierigkeiten und Kritik an der Entlassung von Kristina Kuzminskaite bestimmten die 14. Mitgliederversammlung der Freunde der Musikschule Pfaffenwinkel.

Anlässlich der Mitgliederversammlung in den Räumen der Musikschule ließ Erwin Krauthauf, Vorsitzender des Vereins, die Ereignisse des letzten Jahres, vor allem bezüglich der personellen und finanziellen Situation, Revue passieren. Nach der Kündigung des bisherigen Schulleiters Karl Höldrich hätten sich fünf Musiklehrer aus dem Haus um die vakante Stelle beworben. In Kristina Kuzminskaite habe man eine Frau gefunden, die „in großen Höhen denkt und lebt“, aber die Verbindung zur Erde habe nicht stattgefunden, umschrieb Erwin Krauthauf die Situation, die schließlich zur fristlosen Kündigung in der Probezeit führte.

Als kommissarischer Schulleiter fungiert inzwischen Marcus Graf. Um diesem für die Verwaltungsaufgaben den Rücken frei zu halten, habe man je einen zusätzlichen Trompetenlehrer und Fagottlehrer eingestellt. Die Gesangsstunden, die bislang Kristina Kuzminskaite innehatte, übernimmt Anna Perwein, die „durch einen glücklichen Zufall“, so Krauthauf, im Januar dieses Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen habe und zur Verfügung stand.

An der finanziellen Situation der Musikschule hat sich dagegen im letzten Jahr wenig geändert. Die Lage ist nach wie vor kritisch. „Zurzeit ist ein Budget­ausgleich nur mit Zuschüssen der Freunde der Musikschule, der bei 21.400 Euro liegt, und Sponsoren möglich“, führte Erwin Krauthauf aus. Die Musiklehrer werden schlechter bezahlt als anderswo, die Musikschule durch eine Familie kostengünstig gereinigt. Um nicht in eine Schieflage zu kommen, habe man einen Wachstumsstopp beschlossen.

Gründe für die finanzielle Schieflage sah Erwin Krauthauf vor allem in der Tatsache, dass von den 700 unterrichteten Schülern die Schongauer nur 55 Prozent ausmachen, die Herkunftsgemeinden der auswärtigen Schüler sich aber bis auf wenige Ausnahmen weigern, sich an dem Defizit, das durch die Unterrichtsgebühren nicht gedeckt werden kann, zu beteiligen. Auch ein Vorstoß der Musikschule beim VBSM (Verband der Sing- und Musikschulen) bezüglich höherer Zuschüsse habe keinen Erfolg gebracht. Die Stadt Schongau schießt 144.200 Euro zu, vom VBSM gibt es 52.265 Euro. Angesichts dieser Finanzlage gab es einen Vorstoß von einem Mitglied in Richtung Bürgermeister Falk Sluyterman, ob die Stadt die Musikschule nicht wieder übernehmen könne. Der antwortete dahingehend, dass die Stadt Schongau sich dazu finanziell nicht in der Lage sähe. Das durch den Verkauf der Firma Haindl entstandene Finanzloch, das die Ausgliederung der Musikschule zur Folge hatte, sei zwar teilweise durch die Ansiedlung der Firma Hirschvogel kompensiert worden, aber die Stadt habe derzeit noch andere Aufgaben, wie den Neubau der Grundschule, der mit 20 Millionen Euro zu Buche schlägt. Im nächsten Jahr stehe zudem die Renovierung der Fassade der Musikschule an. Bei Erwin Krauthauf sei die Musikschule in den besten Händen, er leite sie finanziell gesehen wesentlich erfolgreicher als ein städtischer Beamter.

Da half auch die musikalische Überzeugungsarbeit des jungen Brass & Drum Ensembles nichts, das die Veranstaltung einleitete. Kritik gab es von Seiten einiger Mitglieder an der Entlassung von Kristina Kuzminskaite. So enthielten sich vier Stimmen, als es um die Entlastung der Vorstandschaft ging. Zur neuen zweiten Vorsitzenden wurde in Abwesenheit Elisabeth Malzer gewählt, da Dr. Elisabeth Wagner aus beruflichen Gründen das Amt niederlegte. Das würde Erwin Krauthauf am liebsten auch tun. „I do my very best as long as I can“, meinte er zum Abschluss. 

fro

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